Freitag, 24. Januar 2020

AFI erwartet 2020 ein Prozent Wirtschaftswachstum

Nach geschätzten +1,4 Prozent im Jahr 2019 dürfte Südtirols Wirtschaft in 2020 um +1,0 Prozent wachsen, sagt das AFI. Die Stimmung der Südtiroler Arbeitnehmer bleibt nahezu unverändert, das wirtschaftliche Umfeld eher schwach.

Ein Viertel der Südtiroler ist in Sachen Sparpotential pessimistisch.
Badge Local
Ein Viertel der Südtiroler ist in Sachen Sparpotential pessimistisch. - Foto: © AFI
2019 wird als ein gutes Jahr für die Südtiroler Wirtschaft in die Statistiken eingehen: Die noch vorläufigen Zahlen zeigen eine Zunahme der arbeitnehmerähnlichen Beschäftigung (+2,2 Prozent) bei einer historisch niedrigen Arbeitslosenrate (2,9 Prozent). Unbefristete Arbeitsverträge (+4,5 Prozent) ersetzen zunehmend die befristeten (-3,1 Prozent) – ein Effekt des römischen „Würde“-Dekrets. Die Kreditvergabe bleibt in fast allen Kundensegmenten dynamisch (+4,3 Prozent) – mit Ausnahme der Unternehmen, die weniger als 20 Mitarbeiter haben (-1,1 Prozent). Die touristischen Nächtigungen (+0,7 Prozent) und die Außenhandelszahlen (Export: +3,9 Prozent; Import: +2,5 Prozent) kehren in den positiven Bereich zurück, nachdem sie zwischenzeitlich und besonders zu Jahresbeginn 2019 negativ tendierten. Die Inflationsrate in Bozen bleibt moderat (1,3 Prozent) – liegt allerdings mehr als einen halben Prozentpunkt über dem gesamtstaatlichen Wert.

Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmer weitgehend unverändert

Die Stimmungsindikatoren im AFI Barometer Winter 2019/2020 bleiben nahezu unverändert. Das betrifft die im Saldo positiven Einschätzungen der Südtiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur wirtschaftlichen Entwicklung Südtirols in den nächsten 12 Monaten ebenso wie ihren entspannten Blick auf den lokalen Arbeitsmarkt. Das Risiko, den eigenen Arbeitsplatz verlieren zu können, wird als bescheiden empfunden. Parallel dazu sehen die Befragten geringe Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden, sollte es notwendig sein.

Die AFI-Prognose für 2020 ist +1,0 Prozent

Aus der Zusammenschau aller derzeit verfügbaren Faktoren rechnet das AFI für 2020 für Südtirol mit einem realen BIP-Zuwachs von +1,0 Prozent, was durchaus in Linie mit dem konjunkturellen Umfeld Europas ist. Es handelt sich um eine vorsichtige Schätzung in Anbetracht der Unsicherheiten auf internationaler Ebene, allen voran die mögliche Verschärfung militärischer Konflikte (USA/Iran), die mögliche Zunahme der Handelsschranken (Zollpolitik), die institutionelle Schwäche der EU und den mehr oder weniger geordneten Ausstieg Großbritanniens aus der EU.

Sparen in Zeiten von Negativzinsen: Eigenheim, Vorsorge, Gesundheit, Bildung

Im aktuellen AFI-Barometer glauben nicht alle Arbeitnehmerfamilien, in den nächsten 12 Monaten Geld auf die hohe Kante legen zu können: 19 Prozent antworten „sicherlich“, 37 Prozent „eher schon“, 25 Prozent „eher nicht“, 19 Prozent „sicherlich nicht“. Südtirols Arbeitnehmer sind vorsichtige Sparer: Ganz oben steht die Sicherheit des investierten Kapitals, dann folgt die Liquidität und erst danach kommt die Rendite – und selbst die sollte langfristig sein. Kurzfristige Gewinnüberlegungen spielen eine untergeordnete Rolle. Die Gründe fürs Sparen ändern sich im Lebensverlauf: Bei den Jungen steht die Wohnung an 1. Stelle, bei den mittleren Kategorien sind es die Kinder, bei den Über-50-Jährigen ist es, neben den Kindern, auch die Vorsorge fürs Alter.

In Sachen Finanzkompetenz finden sich die Italiener im Ranking der G20-Staaten an vorletzter Stelle zwischen Argentinien und Saudi-Arabien (Spitzenreiter: Frankreich, Norwegen, Kanada). Der Cocktail von negativen Realzinsen, geringer Risikobereitschaft und fehlenden Finanzkenntnissen führt dazu, dass Sparen heute für viele ein Verlustgeschäft ist. Wie handeln? Neben den traditionellen Optionen Immobilien, Lebensversicherungen oder ergänzende Pensionsfonds stehen die unkonventionellen Optionen auf dem Tapet. Eine davon ist die Gesundheit. Sich fit halten bedeutet weniger Ausgaben für medizinische Behandlung und Arzneien, die bei Rentnern nicht unwesentlich zu Buche schlagen können. Eine weitere unkonventionelle Option ist Bildung. „Weil der positive Zusammenhang zwischen Studienabschluss und Lohnniveau erwiesen ist, zahlen sich Investition in die eigene Fortbildung oder in jene der eigenen Kinder allemal aus“, rät das AFI.

stol