Freitag, 5. August 2022

AFI: Kluft zwischen arm und reich in Südtirol groß

Zweieinhalb Jahre Corona-Pandemie, explodierende Strom- Gas- und Treibstoffpreise, gestiegene Lebenshaltungskosten: Das Leben ist teuer geworden in Südtirol. Und die Schere zwischen Reich und Arm ist nach wie vor groß. Zu diesem Schluss kommt eine Erhebung des Arbeitsförderungsinstituts AFI.

„Das vorherrschende Gefühl ist, dass es in Südtirol eine starke Ungleichverteilung des Reichtums zwischen denen, die viel haben, und denen, die wenig haben, gibt.“ - Foto: © Shutterstock / shutterstock

„Die Werte entsprechen denen der Vorjahre“, heißt es in der AFI-Erhebung. „Das vorherrschende Gefühl ist, dass es in Südtirol eine starke Ungleichverteilung des Reichtums zwischen denen, die viel haben, und denen, die wenig haben, gibt.“

Es wäre aber vermessen, eine andere Wahrnehmung zu erwarten, wenn man die Situation bedenkt, in der man sich derzeit befinde, heißt es weiter: Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, der starke Anstieg der Inflation, der Krieg in der Ukraine. „All das verringert sicher nicht die Kluft zwischen denen, die im Überfluss leben und denen, die den Gürtel enger schnallen müssen“, so die AFI-Forscher.

Befragte: „Man sollte auch die richtigen Leute kennen“

Als eine der Hauptursachen für die Ungleichheit nannten die vom AFI befragten Personen, die staatliche und lokale Wirtschaftspolitik. Für die Verbesserung der eigenen Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen brauche es laut der Umfrage eine gute Ausbildung, man sollte aber auch die richtigen Leute kennen.

Um das Thema Verteilungsgerechtigkeit aus allen Blickwinkeln zu beleuchten, seien sowohl Umfrage- als auch Verwaltungsdaten wertvoll, betonen die AFI-Forscher. „Umfragen spiegeln die Wahrnehmungen von bestimmten Zielgruppen wider und zeigen auf, wie die Menschen über einen bestimmten Sachverhalt denken. Verwaltungsdaten wiederum sind nützlich, um diesen Sachverhalt angemessen einzuordnen“.

Für nur 18 Prozent ist die Kluft unerheblich

83 Prozent der Befragten schätzen die Kluft zwischen arm und reich in Südtirol als relativ groß (59 Prozent) oder sehr groß (24 Prozent) ein. Nur 18 Prozent finden, dass diese Kluft unerheblich ist.

Die Hauptursachen der Ungleichheit: Wirtschafts- und Lohnpolitik

Für die Südtiroler Arbeitnehmer ist laut AFI-Erhebung die lokale und gesamtstaatliche Wirtschaftspolitik Hauptursache für die Kluft zwischen arm und reich (33 Prozent). Es folgen Lohnpolitik (23 Prozent) und Steuerpolitik (18 Prozent), also Faktoren, die der einzelne Arbeitnehmer nicht beeinflussen kann. Erst an vierter Stelle findet man „Unterschiedliche Arbeitsleistung“ als Antwort (10 Prozent).

Wichtig für die Karriere: Eine gute Ausbildung, aber auch die richtigen Leute kennen

Engagement und Arbeitseinsatz sind laut AFI-Erhebung sicherlich notwendig, um den sozialen Aufstieg zu schaffen, aber nach Meinung der Befragten nicht allein ausschlaggebend. Der wichtigste Faktor für den beruflichen Erfolg sei eine gute Ausbildung. Die Befragten geben aber auch an, dass man die richtigen Leute kennen sollte, um voranzukommen. Auf einer Skala von 0 (unwichtig) bis 10 (sehr wichtig) lag nur die Bildung im Durchschnitt über 8. Für die Karriere zweitrangig sind laut den Befragten harte Arbeit, pures Glück oder die Zugehörigkeit zu einer wohlhabenden Gesellschaftsschicht.

Instrumente zur Verringerung der Ungleichheit

Die einschneidendsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Ungleichheit seien - für weibliche Arbeitnehmer - eine solide Grundausbildung und lebenslanges Lernen, aber auch die Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen (in beiden Fällen bewerteten 95 Prozent der Befragten diese Maßnahmen als „sehr oder äußerst wirksam“). Es folgen ein progressives Steuersystem (83 Prozent), nicht ohne eine angemessene Kombination mit Sozialtransfers, und eine stärkere Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen (76 Prozent).

stol

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