„Jugendliche verspüren zunehmend Schwierigkeiten, einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden. Der Berufseinstieg wird zu einer der wichtigsten Phasen, die ganz entscheidend die weitere Beschäftigungssituation und somit die gesamte Lebensqualität beeinflusst. Gerade aus diesem Grund ist es notwendig, dass mehr und zielgenauer Unterstützung angeboten wird“, forderte AFI–Präsident Elmar Aichner auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Notwendig sei eine möglichst frühzeitige Berufsorientierung, die Unterstützung bei den Übergängen Schule – Beruf sowie ein zielgruppenspezifisches Maßnahmenangebot für Jugendliche mit besonderen Anforderungen. Trotz einer Arbeitslosenrate von 11,6 Prozent ist Südtirols Arbeitsmarktsituation für Jugendliche verglichen mit dem italienischen Durchschnitt (35,3 Prozent) noch gut, erklärte der AFI bei der Pressekonferenz. Wie der Blick in die deutschsprachigen Nachbarregionen zeigt, gebe es aber noch Verbesserungsmöglichkeiten. So liege das Risiko für Südtiroler Jugendliche, arbeitslos zu werden, deutlich höher als jenes österreichischer oder bundesdeutscher junger Menschen derselben Altersgruppe. Viele Faktoren beeinflussen die Beschäftigungschancen Die Perspektiven von Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt hängen laut AFI von mehreren Faktoren ab, etwa die konjunkturelle Lage sowie die Wirtschaftsstruktur. Bei der Studie des Sozialforschungsinstituts "apolli", in welcher über 30 Vertreter von Jugendlichen, der Berufsberatung, den Arbeitsämtern, den privaten Stellenvermittlungen, den Schulen, den Unternehmerverbänden und den Gewerkschaften befragt wurden, habe sich deutlich herauskristallisiert, dass das Schulsystem und die duale Ausbildung grundsätzlich als Stärken Südtirols empfunden werden. Dennoch gebe es nach Ansicht der Interviewten einige Schwächen, etwa der geringe Praxisbezug mancher Bildungsverläufe, das geschlechtsspezifische und in manchen Fällen auch sprachgruppenspezifische Berufswahlverhalten. „Besonders stark ist nach Meinung der Interviewten die fehlende Passung von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, wobei insbesondere Defizite im Bereich technischer, handwerklicher und naturwissenschaftlicher Berufe hervorgehoben werden“, so Helmuth Pörnbacher von "apolli". AFI-Direktor Stefan Perini betonte abschließend: „Das Problem der Jugendbeschäftigung ist nicht erst gestern entstanden und wir werden es auch nicht in wenigen Wochen lösen. Dennoch ist es wichtig, dass wir schon heute beginnen, die Weichen zu stellen, um den Jugendlichen wiederum Beschäftigungs- und Zukunftsperspektiven zu bieten.“