Montag, 25. September 2017

Air Berlin: Flugbetrieb Voraussetzung für Verhandlungserfolg

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin, zu der die Österreich-Tochter Niki gehört, sieht sich bei den Verkaufsgesprächen mit Lufthansa und Easyjet auf gutem Weg. Allerdings sei ein stabiler Flugbetrieb in den kommenden Tagen und Wochen Grundvoraussetzung für den Erfolg, warnte der Generalbevollmächtigter Frank Kebekus am Montag. „Alles andere gefährdet die Verhandlungen.”

Die Verhandlungen sollen bis zum 12. Oktober dauern - Berlin - Foto: APA
Die Verhandlungen sollen bis zum 12. Oktober dauern - Berlin - Foto: APA

Ungewöhnlich viele Krankmeldungen von Piloten hatten vor zwei Wochen zu zahlreichen Flugausfällen und damit zu einem Vertrauensverlust von Passagieren geführt. Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann fügte hinzu, man werde nicht alle 8.000 Arbeitsplätze erhalten können. Er betonte aber: „Wir sind auf dem Weg, für rund 80 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen gute Chancen für neue Arbeitsplätze bei den Bietern erreichen zu können.” Aufatmen könne man erst, wenn die EU den Deal absegne.

Air Berlin liegen nach eigenen Angaben von der Lufthansa Angebote für die Regionalflug-Tochter Walter (LGW), die österreichische Ferienfluggesellschaft NIKI sowie Teile der Air Berlin vor. „Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen eröffnet eine Perspektive für mehrere tausend Mitarbeiter”, erklärte Air Berlin.

Finanzhilfe von Bundesregierung

Zum Kaufpreis von Lufthansa und Easyjet äußerte sich die Airline nicht. Hierzu hieß es nur: „Wenn die Abschlüsse wie geplant finalisiert werden, besteht eine gute Chance, den KfW-Kredit zurückzuzahlen.” Die deutsche Bundesregierung hatte eine Finanzhilfe von 150 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ohne dieses Geld hätte man den Flugbetrieb von Air Berlin kurz vor dem Insolvenzantrag am 15. August einstellen müssen, sagte Winkelmann. „Andernfalls hätten wir am Wochenende 12./13. August 2017 die Flotte grounden müssen.”

Die EU-Kommission wird nach Worten von Sachwalter Lucas Flöther das Bieterverfahren prüfen. „Wir hoffen, dass der Prozess bis Jahresende abgeschlossen ist.” Vorwürfe von Interessenten über einen Einfluss der Politik auf das Verfahren bezeichnete Flöther als „völlig abwegig”. Vertreter der Bundesregierung und des Landes Berlin hatten sich allerdings für die Lufthansa starkgemacht.

Langstreckenangebot wird eingestellt

Das Langstreckenangebot wird von der Air Berlin indes am 15. Oktober vollständig eingestellt. Als Grund nannte die insolvente Fluggesellschaft am Montag, dass die Leasingfirmen nach und nach ihre Airbus A330-Jets zurückzögen.

10 ihrer 17 Langstrecken-Maschinen hatte Air Berlin schon am Wochenende zurückgeben müssen. Auch in Deutschland fallen Strecken weg: Bereits zu diesem Freitag (29. September) streicht Air Berlin die Verbindungen zwischen Hamburg und München sowie zwischen Köln/Bonn und München.

apa/dpa

stol