<BR /><b>Herr Walcher, Sie wollen ernst machen damit, Kurzzeitvermietungen, oft etwas ungenau auch Airbnb-Vermietungen genannt, unattraktiver zu machen…</b><BR />Luis Walcher: Ich möchte eines vorausschicken: Die Ausgangslage war, dass alle im Land sagen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. In den touristisch entwickelten Gebieten und in den Städten ist es zu einem riesigen Problem geworden, dass Wohnraum für Einheimische verschwindet. Bei jeder Bürgerversammlung im Land hat man mir gesagt, dass man diesem Phänomen ein Ende setzen muss. Zumal das auch ein Grund dafür ist, weshalb die Leute beim Tourismus im Moment ganz große Bauchschmerzen haben. Es geht also nicht darum, das Unternehmertum einzuschränken, wie man mir jetzt auch schon vorgeworfen hat. Sondern es geht darum, dass die Entwicklung bei den Kurzzeitvermietungen, wie wir sie in den letzten Jahren gesehen haben, nichts mehr mit der Privatvermietung zu tun hat, wie wir sie kennen. Deshalb werden wir da vorgehen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68650517_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Vermieter meinen Sie, die nicht ins Profil der traditionellen Privatvermieter passen?</b><BR />Walcher: Leute, die über Onlineportale im kleinen und ganz großen Stil an Touristen Wohnungen in Gebäuden vermieten, in denen sie nicht selbst wohnen und wo sie dann auch die Schlüsselübergabe gar nicht mehr selbst machen. Privatvermietung ist auch nicht, wenn jemand im Dorf in jedem Eck ein paar Wohnungen zusammenkauft, um sie an Urlauber zu vermieten. <BR /><BR /><b>Deshalb wollen Sie auch unter anderem da ansetzen: Künftig muss der Vermieter die Wohnungen in dem Gebäude anbieten, in dem er selbst wohnt bzw. den Rechtssitz hat. Zudem muss er ins Handelsregister eingetragen sein und berufliche Qualifikation wird zur Voraussetzung. Welche Maßnahme ist aus Ihrer Sicht der beste Hebel?</b><BR />Walcher: Alle zusammen sind stimmig. Ziel ist es jedenfalls, dass Privatvermietung jemand machen soll, der an dem Ort wohnt, dort die Gäste begrüßt und auch da ist, wenn der Gast eine Frage hat. <BR /><BR /><b>Sie sagen, Tausende Wohnungen sind den Südtirolern wegen der Kurzzeitvermietungen entzogen worden…</b><BR />Walcher: Ja. Dieses Phänomen hat in den vergangenen Jahren exponentiell zugenommen. Wir gehen davon aus, dass 8000 bis 9000 Wohnungen den Einheimischen als Wohnraum entzogen wurden und wir hoffen, wenn wir das jetzt klar und deutlich regeln, dass wir einige Tausend, vielleicht bis zu 6000 Wohnungen, zurückholen könnten. <BR /><BR /><b>In Vergangenheit war es für die Vermieter auch wegen der niedrigeren GIS interessanter touristisch zu vermieten als an Einheimische …</b><BR />Walcher: Ja, klar. Deshalb haben wir auch bei der GIS Hand angelegt und sie für die touristische Vermietung und die Langzeitvermietung gleichgestellt. Das war ein erster Schritt, da wird man weitermachen. Sinnvoll wäre die Regelung dann, wenn diejenigen, die Wohnungen an Einheimische vermieten, weniger Gis zahlen als die, die touristisch vermieten. Am Ende muss es aber darum gehen, gute Rahmenbedingungen für diejenigen zu schaffen, die Langzeitvermietungen anbieten. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68651081_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Viele scheuen davor auch zurück, weil sie schlechte Erfahrungen mit Mietern gemacht haben…</b><BR />Walcher: Deswegen haben wir in diese Wohnreform auch eingebaut, dass wir den Vermieterschutz aktivieren möchten, der ja seit Jahren zulässig wäre, aber noch nicht aktiviert wurde. <BR /><BR /><b>Was sagt der Verband der Privatvermieter zu den neuen Auflagen?<BR /></b>Walcher: Der Verband der Privatvermieter glaubt auch daran. Denn die Privatvermieter, die ein traditionelles Standbein des Südtiroler Tourismus sind, wollen sich merklich von der Kurzzeitvermietung unterscheiden – die nicht zuletzt den Tourismus arg unter Druck gebracht. <BR /><BR /><b>Regeln sind bekanntlich nur so gut wie die Kontrollen. Wie will man vorgehen?</b><BR />Walcher: Wir werden nicht nur die Gemeinden und die Landesverwaltung kontrollieren lassen, sondern das auch auf Externe ausweiten, um die Kontrollen so durchzuführen, wie es sich gehört. Aber ich glaube, viele haben die Botschaft schon verstanden. Wenn zuletzt in einem Monat in Bozen und Meran schon jeweils rund 100 touristische Betten zurückgegeben wurden, dann sagt das schon sehr vieles.<BR /><BR /><b>Die Kurzzeitvermietung ist mit einem staatlichen Gesetz geregelt, nun kommt die Südtiroler Regelung dazu – hält sie?</b><BR />Walcher: Wir haben das auf römischer und Brüsseler Ebene abgeklärt. <BR /><BR /><b>Wie geht es nun weiter?</b><BR />Walcher: Am nächsten Dienstag gehen wir mit der gesamten Wohnreform in die Landesregierung, danach in den Gesetzgebungsausschuss des Landtages und dann – hoffentlich im April - in den Landtag.