<b>von Karl Tschurtschenthaler</b><BR /><BR />Die stark überhöhten Pestizidrückstände entdeckt hatte man bei einer Routinekontrolle am 19. April dieses Jahres (wir haben berichtet, siehe digitale Anlage). Der Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit Bruneck hatte im „Kappra“-Quellwasser 0,5 Mikrogramm pro Liter Metolachlor-ESA festgestellt. Daraufhin war das Wasser, mit dem St. Georgen versorgt wurde, sofort vom Brunecker Trinkwassernetz genommen.<BR /><BR />Metolachlor-ESA entsteht aus dem Abbau des Pestizid-Wirkstoffs S-Metolachlor. Dieser Stoff wird beim Anbau von Mais, Sonnenblumen und Soja als Herbizid (Pflanzenschutzmittel) eingesetzt. Wenige Tage nach der Wasserkontrolle in St. Georgen hat die Landesregierung das Pestizid in Südtirol untersagt. Am 23. Juli folgte dann das europaweite Verbot des Mittels.<BR /><BR />„Bei der jüngsten Messung sind noch 0,3 Mikrogramm pro Liter festgestellt worden“, erläutert Gustav Mischi, der Generaldirektor der Brunecker Stadtwerke. Damit liege die Belastung immer noch deutlich über dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Daher könne das Wasser weiterhin nicht ins Trinkwassernetz einfließen. Und das werde noch länger so bleiben. „Wir erwarten frühestens Ende 2025 eine Besserung der Werte“, sagt Mischi. Allerdings wisse man nicht genau, wie schnell sich Produkte dieser Art abbauen.<h3> Nitratwerte ebenfalls erhöht</h3>Das „Kappra“-Wasser hat aber noch ein zweites Problem: die Nitratwerte. Zwar liege der aktuelle Wert von 17 Milligramm pro Liter noch weit unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. „Es gibt aber seit Jahren einen stetigen Anstieg“, sagt Mischi. War man 2021 noch bei Werten von 15 Milligramm pro Liter, wurden heuer bereits Spitzen von 18 Milligramm pro Liter gemessen. „Laut unserer Einschätzung ist dies auf die Überdüngung der Acker- und Maisfelder innerhalb der Schutzzone III der Quellen zurückzuführen“, steht im Brief der Stadtwerke an das Amt für nachhaltige Gewässernutzung. Mit der Schutzzone III sind die landwirtschaftlichen Flächen des Pfalzner Plateaus östlich des Dorfes gemeint. Und später im Brief heißt es: „Wir fordern, dass die Vorbeugemaßnahmen des BRING – Beratungsring Berglandwirtschaft zum Schutz des Trinkwassers zeitnah umgesetzt werden.“<BR /><BR />U.a wird empfohlen, die Stickstoffdüngung, also das Ausbringen von Gülle, im Frühjahr zu verringern und im Herbst möglichst zu unterlassen. Zudem solle nur im Frühjahr gepflügt und im Herbst auf den Äckern Wintergetreide, Gras oder Luzerne ausgesät werden, weil diese zum einen den Stickstoff binden und zugleich die Bodenerosion verhindern. „Wir sind gerne bereit, die Bauern in Pfalzen weiter über geeignete Maßnahmen zu informieren“, erklärt BRING-Geschäftsführer Christian Plitzner. Eine erste Veranstaltung habe es im Spätherbst 2023 gegeben.<BR /><BR />Bei dieser Veranstaltung seien zahlreiche Bauern anwesend gewesen, sagt Florian Mair, Vorsitzender des Pfalzner Ortsbauernrates. Die Begrünung der Ackerflächen im Herbst könne erst heuer erfolgen, „weil wir im Vorjahr schon spät im Herbst waren. Es muss aber klar sein, dass die Bauern nichts tun, was sie nicht dürfen. Sauberes Wasser ist natürlich auch den Bauern ein großes Anliegen.“ In der Landwirtschaft werde fast jeder Handgriff überwacht. Das gelte auch für die Ausbringung von Pestiziden und Düngemitteln, erklärt Mair.<h3> Große Sorgen</h3>Dem Pfalzner Bürgermeister Roland Tinkhauser machen die Werte im „Kappra“-Wasser große Sorgen – und er nimmt diesbezüglich die Bauern in die Pflicht. „Wie jeder andere Wirtschaftsbetrieb muss sich auch die Landwirtschaft an die gesetzlichen Vorgaben halten – speziell, wenn es um das Thema Gesundheit geht.“ Hier seien endlich Maßnahmen zu ergreifen. „Und zwar sofort. Schließlich geht es um ein so hohes Gut wie unser Wasser.“<BR /><BR />Bis etwaige Maßnahmen greifen, werde es aber etwas dauern, erklärt Christian Plitzner von BRING. „Der Abbau der überhöhten Werte braucht seine Zeit.“ Man müsse jetzt aber dahinterbleiben, dass die Maßnahmen umgesetzt werden, ruft aber auch er die Bauern zum Handeln auf.