Mittwoch, 16. Oktober 2019

Alitalias Zukunft weiter ungewiss

Die bis zum Dienstagabend laufende Frist für die Rettung der Alitalia ist abgelaufen, ohne dass ein verbindliches Kaufangebot eingereicht wurde. Die staatliche Bahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) und der italienische Infrastrukturkonzern Atlantia erklärten sich zwar zur Übernahme der Airline bereit, verlangen jedoch die Erfüllung einer Reihe von Bedingungen.

Über eine weitere Verlängerung der Verkaufsfrist wird noch entscheiden.
Über eine weitere Verlängerung der Verkaufsfrist wird noch entscheiden. - Foto: © APA (AFP) / ALBERTO PIZZOLI

In zwei Stellungnahmen von Atlantia und FS am Dienstagabend hieß es, sie würden weiter für Alitalia bieten, vorausgesetzt auch eine führende Fluggesellschaft sei als industrieller Partner bereit, in die italienische Airline zu investieren. Zwar hatten bisher die US-Fluggesellschaft Delta und die deutsche Lufthansa Interesse am italienischen Konkurrenten signalisiert, allerdings wurde bisher kein Angebot eingereicht.

Die AUA-Mutter Lufthansa teilte mit, sie sei lediglich an einer „kommerziellen Partnerschaft“ mit Alitalia interessiert. Laut Medienberichten sprach Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister am Montag in Rom mit FS und Atlantia über eine mögliche Zusammenarbeit ohne eine direkte Beteiligung.

Nach den von staatlicher Seite vorangetriebenen Reformplänen für Alitalia soll ein neues Unternehmen gegründet werden, in das die gesunden Teile der Fluglinie zusammengefasst werden sollen. Die neuen Anteilseigener sollen diesem Unternehmen mit einer Kapitalspritze von rund einer Milliarde Euro helfen und es wieder auf Erfolgskurs bringen.

Die italienische Regierung muss jetzt bekannt geben, ob sie eine weitere Verlängerung der Verkaufsfrist gewähren will. Diese war in den vergangenen Monaten bereits sechs Mal verlängert worden. Ein entscheidender Aspekt ist der Personalabbau. Laut Experten müssten bei einem Verkauf circa 2.800 Jobs bei der Alitalia gestrichen werden. Ein Konsortium, das die Airline übernehmen würde, müsste sich in erster Linie mit diesem Problem befassen. Wegen der ungewissen Zukunft der Fluggesellschaft hatte das Alitalia-Personal vergangene Woche gestreikt.

Alitalia stöhnt unter Liquiditätsproblemen. Die Liquidität in der Alitalia-Kasse ist im September um 51 Mio. auf 310 Mio. Euro gegenüber dem Vormonat August gesunken. Experten vermuten, dass die Regierung der Fluggesellschaft weitere 300 Mio. Euro Überbrückungskredit garantieren müsse, um den Erhalt der Airline bis zum Verkauf zu sichern. Die Alitalia, die circa 11.000 Personen beschäftigt, fliegt seit 2017 bereits mit einem staatlichen Überbrückungskredit von 900 Mio. Euro.

apa

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