Samstag, 22. August 2020

Alkohol und Farbe geben den Ausschlag

Jeder braucht sie, aber nicht jeder bekommt sie auch: Das Verhältnis der Weinproduzenten zu Auszeichnungen ist ein gespaltenes. Um herauszufinden, welche Faktoren über bessere oder schlechtere Noten von der Fachwelt entscheiden, führte das Versuchszentrum Laimburg eine wissenschaftliche Studie durch. Mit interessanten Ergebnissen.

Eine satte, dunkelrote Farbe und ein höherer Alkoholgehalt begünstigen bessere Bewertungen bei Verkostungen.
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Eine satte, dunkelrote Farbe und ein höherer Alkoholgehalt begünstigen bessere Bewertungen bei Verkostungen. - Foto: © shutterstock
Man mag zu Bewertungen stehen, wie man will. Fakt ist, die Urteile von Kritikern und Fachjournalisten entscheiden über Image und letztlich auch Preisbildung von Weinen mit. Darum ist es den Produzenten in der Regel wichtig, von den Weinprofis gelobt zu werden. Die Frage ist: Gibt es Eigenschaften im Wein, die tendenziell besser ankommen als andere? Ulrich Pedri, Leiter der Önologie an der Laimburg hat gemeinsam mit seinem Team eine Antwort auf diese Frage gesucht.

Dafür zog Pedri die Bewertungen von insgesamt 250 Blauburgundern heran, die im Rahmen der Blauburgunder-Tage in den Jahren 2016 bis 2018 blind verkostet wurden und untersuchte die Weine im Labor auf ihre chemische Zusammensetzung hin. Die Ergebnisse der Analysen, die zumindest teilweise auch auf andere Rotweinsorten übertragbar sind, liegen nun im Detail vor: „Wir haben gesehen, dass der Alkoholgehalt ein ganz wichtiger Faktor ist“, so der Önologe. „Dabei zeigte sich: Weine mit weniger als 13 Volumenprozent Alkohol schnitten in den Expertenurteilen tendenziell deutlich schlechter ab als jene mit mehr Alkohol. Ein Zuviel an Alkohol ist dabei nicht zu beobachten gewesen“, betont Pedri. „Diese Erkenntnis widerspricht dem landläufigen Trend, den Alkoholgehalt eher niedrig zu halten. Tatsächlich sind hohe Alkoholwerte ein Indiz für vollreife Trauben, die naturgemäß mehr Zucker und damit Alkohol aufweisen.“ Das heißt im Umkehrschluss für die Produzenten: „Die Ernte absichtlich vorzuziehen, scheint sich offenbar nicht zu lohnen.

Weine, die diese erste Hürde erfolgreich genommen hatten, ernteten dann besonders gute Noten, wenn ihre Farbe kräftig dunkelrot war: „Weine, die davon abwichen, wurden schlechter bewertet. Besonders negativ wirkten sich Brauntöne aus“, so Pedri. Einen leicht positiven Effekt auf die Bewertungen hat der Önologe zudem bei einem höheren Glycerin-Gehalt im Wein festgestellt. Glycerin entsteht während der Gärung und ist eine von mehreren Alkohol-Sorten im Wein. „Alle übrigen untersuchten Inhaltsstoffe hatten für sich genommen nur einen marginalen Einfluss auf das Bewertungsergebnis, sehr wohl aber in der Summe. Im Zusammenspiel aller Elemente zeigte sich, ob ein Wein ein stimmiges Gesamtbild abgab oder nicht“, erklärt Pedri.

Zu guter Letzt verweist der Wissenschaftler darauf, dass es einzig und allein um die Urteile von professionellen Verkostern gegangen sei. „Es ist nicht gesagt, dass Konsumenten die selben Maßstäbe ansetzen. Wir haben lediglich versucht, uns dem Mysterium Weinbewertungen wissenschaftlich zu nähern und herauszufinden, ob sie auch objektiv nachvollzogen werden können. Bis zu einem gewissen Grad war das der Fall.“

d