Ein Experte der Südtiroler Sparkasse erklärt exklusiv auf s+, was Gold kann und was nicht, wie Sie es erwerben können, welche rechtlichen Aspekte wichtig sind – und welchen Fehler sie auf keinen Fall machen sollten.<BR /><BR /><b>Was sind die größten Stärken von Gold?</b><BR /> Gold hat eine lange Historie, hat Kriege, Depressionen und mehrere Währungsreformen überlebt. Abgesehen vom ästhetischen oder nostalgischen Wert, den mancher Anleger dem Edelmetall beimisst, kann man Gold zugutehalten, dass es höchstwahrscheinlich einen gewissen Sachwert behalten wird. Dies deshalb, weil die Menge begrenzt ist und nicht wie Papiergeld beliebig vermehrt werden kann. Diese Eigenschaften können dazu beitragen, das Gesamtrisiko eines Portfolios zu senken. „In Zeiten von großem Pessimismus oder Wirtschafts- und Finanzkrisen kann Gold imstande sein, sich besser zu entwickeln als andere Anlageklassen und somit die Verluste zum Beispiel im Aktienbereich zumindest teilweise zu kompensieren“, so Armin Weissenegger, Leiter des Bereichs Finanzen & Treasury bei der Südtiroler Sparkasse. <BR /><BR /><embed id="dtext86-55498207_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Läuft Gold in Krisenzeiten zur Höchstform auf?</b><BR />Wenn man sich anschaut, wie sich der Preis fürs Edelmetall in vergangenen Krisen verhalten hat, kann man dies durchaus bejahen. „Beispiele hierfür sind die Terroranschläge vom 11. September, die Finanzkrise 2007 bis 2009 oder die Staatsschuldenkrise 2011. Während die Kurse von Aktien teils heftig einbrachen, konnte Gold zulegen und neue Höchstpreise erzielen. Ein Goldinvestment sollte somit eher als eine Art von Versicherung betrachtet werden, wenn man Angst vor einem Währungscrash oder einem Totalverlust bei anderen Anlagen hat. Das alles in der Hoffnung, niemals darauf zurückgreifen zu müssen“, so Weissenegger.<BR /><BR /><BR /><b>Ist Gold also das beste aller Investments? </b><BR />Nein. Wer Rendite will, kann auf Gold gut verzichten. Darüber sind sich die allermeisten Experten einig. Anders als bei Aktien gibt es bei Gold keine innere Wertentwicklung, weil Unternehmen beispielsweise gut gewirtschaftet und Gewinne erzielt haben, die sie wiederum an die Aktionäre ausschütten. Den Goldpreis steuert fast ausschließlich die Nachfrage. Und diese kann – entgegen dem vielfachen Glauben von Gold als Inbegriff für Wertstabilität - erheblich schwanken. <BR /><BR /><BR /><b>Was sollte man sonst noch über den Goldpreis wissen?</b><BR />„Generell kann man feststellen, dass der Goldpreis stark von der inflationsbereinigten Rendite der US-Staatsanleihen abhängt. Sinkt die Rendite der US-Staatsanleihen abzüglich Inflation, steigt tendenziell der Goldpreis, während er fällt, wenn die reale Verzinsung der US-Staatsanleihen zunimmt. Dies deshalb, weil im Falle höherer realer Marktzinsen das Halten von Gold uninteressanter wird, da Gold keine Rendite abwirft, während Anleihen sehr wohl einen, in diesem Falle, interessanten Kupon ausschütten“, so Weissenegger. <BR /><BR /><BR /><b>Wie hat Gold in Vergangenheit im Vergleich zu Aktien abgeschnitten?</b><BR /> Berechnungen des Portals „Finanztip“ zeigen, dass etwa ein Investment in den MSCI World, dem globalen Aktienindex, der die Kursentwicklung von 1600 Aktien aus 23 Industrieländern abbildet, tendenziell mehr Rendite bei geringeren Schwankungen einbrachte. Im Zeitraum von 1975 bis 2022 lag die durchschnittliche Rendite pro Jahr bei einer Anlage in den MSCI World bei 9,7 Prozent, wobei die Schwankung, also die durchschnittliche Standardabweichung der monatlichen Renditen, 15,2 Prozent betrug. Der Wertzuwachs bei Gold belief sich im selben Zeitraum auf 4,2 Prozent jährlich bei einer Schwankung von 17,8 Prozent. „Über die lange Frist brachte ein reines Aktieninvestment im Vergleich zu Gold mehr als doppelt so viel Rendite wie Gold“, wie aus der Analyse von „Finanztip“ hervorgeht. Es gab allerdings auch Zeiträume, in denen Gold besser performt hat: „Wer beispielsweise im Jahr 2000 in Gold investiert hat und bis Ende 2021 dabeigeblieben ist, hat im Vergleich zum reinen Aktieninvestment mehr jährliche Rendite, aber bei größerer Schwankung erzielt. Wer dagegen früher, etwa Anfang der 1980er Jahre oder Anfang der 1990er Jahre investiert hat und 10 Jahre dabeigeblieben ist, hat mit Aktien das weit bessere Geschäft gemacht. Auch im Jahrzehnt von 2010 bis 2020 waren Aktien deutlich überlegen.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="797147_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Ok, also alles auf die Goldkarte zu setzen, scheint nicht sonderlich klug zu sein. Wieviel Gold sollte ein Anleger seinem Portfolio beimischen?</b><BR /> Finanzexperte Weissenegger hat eine klare Meinung dazu: „Persönlich denke ich, dass der Anteil von Gold maximal im Bereich zwischen 5 und 10 Prozent liegen sollte. Der Prozentsatz hängt aber auch davon ab, welche anderen Anlagekategorien als Beimischung bereits im Portfolio zu finden sind. Wenn bereits andere Edelmetalle, Kryptowährungen, Wald, Uhren und andere Sachwerte als Beimischung im Portfolio zu finden sind, dann ist der Platz für Gold begrenzt.“<BR /><BR /><BR /><b>Wenn sich Anleger für Gold als Beimischung entschieden haben; welche Möglichkeiten gibt es, darin zu investieren? </b><BR /> Es gibt grundsätzlich 3 Möglichkeiten, die sich teilweise deutlich voneinander unterscheiden: „Es gibt erstens physisches Gold, also vor allem Münzen und Barren. Zweitens besteht die Möglichkeit in börsennotierte Wertpapiere, die die Entwicklung des Goldpreises widerspiegeln, zu investieren, darunter vor allem ETC und Zertifikate. Die dritte Option ist der Erwerb von Aktien von Goldminenunternehmen.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-55498411_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Vor- und Nachteile gibt es beim physischen Gold? </b><BR />Der Kauf von Gold in Form von Barren und Münzen übt für viele Menschen eine gewisse Faszination aus. „Goldmünzen gibt es in vielen verschieden Ausfertigungen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt, sie sind in der Regel mit besonders kunstvollen Motiven versehen und können auch einen numismatischen Wert aufweisen. Goldmünzen und -barren sind allerdings im Ein- und Verkauf teurer als die anderen beiden Lösungen: die Prägung der Münzen und der Guss bzw. das Stanzen der Barren bedingt einen Mehraufwand, der den Ankaufspreis im Vergleich zum reinen Goldpreis um einige Prozentpunkte ansteigen lässt“, weiß Weissenegger. „Die Höhe dieser Mehrkosten hängt vom Gewicht ab; kleine Barren und Münzen kosten zwar oftmals nur wenige hundert Euro, gemessen am Preis pro Gramm Gold sind sie aber deutlich teurer als größere Barren und Münzen. Beim Verkauf wird jedoch oftmals lediglich der reine Goldpreis erzielt, meistens noch abzüglich eines kleinen Abschlags. Im Falle von Goldbarren mit einem Feinheitsgrad unter 99,5 Prozent und von Goldmünzen mit einem Feinheitsgrad unter 90 Prozent ist auch noch die Mehrwertsteuer zu entrichten. Des Weiteren fallen Verwahrspesen an, falls der Goldschatz nicht im häuslichen Tresor verwahrt werden möchte. Ein Investment in Goldmünzen oder -Barren ist somit nicht zur kurzfristigen Spekulation geeignet, sondern als sehr langfristiges Investment anzusehen. Wird dann doch einmal verkauft, muss die Steuerschuld noch eigenständig ermittelt und getilgt werden“, so der Finanzexperte.<BR /><BR /><BR /><b>Wie kommen Anleger eigentlich an physisches Gold und welche rechtlichen Aspekte gilt es zu beachten?</b><BR />Das Gesetz Nr. 7/2000 hat das Goldmonopol in Italien abgeschafft und seitdem ist es möglich, Gold als Investment zu besitzen. Goldmünzen und -barren können beispielsweise über professionelle, im Register der italienischen Notenbank eingetragene Goldhändler, Banken oder oftmals auch direkt bei den Prägestätten erworben werden. „Zu beachten ist, dass im Falle des weiteren Verkaufs, der Vererbung, des An- oder Verkaufs aus dem bzw. ins Ausland Meldepflichten an die italienische Notenbank anfallen können, vor allem, wenn der Gegenwert 12.500 Euro überschreitet.“<BR /><BR /><BR /><b>Was sollte ich über Wertpapiere, die den Goldpreis abbilden, wissen? </b><BR />Im Gegenzug zum physischen Gold ist der An- und Verkauf von börsennotierten Wertpapieren, die die Entwicklung des Goldpreises widerspiegeln, deutlich einfacher und mit weniger Kosten verbunden „Die größten ETC weisen ein sehr großes Volumen auf und damit einhergehend liegen die Ankaufs- und Verkaufspreise in der Regel sehr nahe am Goldpreis. Für die Verwaltung des Finanzinstruments fallen jährliche Gebühren an, die aber auch niedriger ausfallen können als die ebenfalls jährlich fällige Stempelsteuer auf Wertpapiere. Mehrwertsteuer wird beim Kauf keine verrechnet, lediglich die Finanztransaktionsspesen -und gebühren, die vom Finanzintermediär eingefordert werden, der auch die Steuerschuld im Falle des Verkaufs berechnet. Zertifikate hingegen bedürfen einer genaueren Prüfung: Oft handelt es sich nicht um Wertpapiere, die mit physischem Gold unterlegt sind, sondern um Anleihen, deren Rückzahlungsbetrag von der Entwicklung des Goldpreises abhängt. In diesem letzteren Falle besteht auch ein Emittenten-Kreditrisiko, das bei einem Goldinvestment in der Regel nicht gewünscht ist“, erklärt Weissenegger.<BR /><BR /><BR /><b>Sind Aktien von Goldminenunternehmen eine Alternative? </b><BR />„Der Verlauf der Aktien von Goldminenunternehmen hängt von der Entwicklung des Goldpreises ab, oft übernehmen aber andere Faktoren eine gewichtigere Rolle: die Zinsentwicklung, unternehmensspezifische Nachrichten, allgemeiner Pessimismus bzw. Optimismus an den Märkten usw.“, erläutert er. Einige dieser Nachteile können laut Weissenegger mit einer breiten Diversifikation in Goldminenaktien vermindert werden, andere hingegen leider nicht. „Der größte Vorteil von Goldminenaktien dürfte in der Möglichkeit liegen, Dividenden zu vereinnahmen. Das Edelmetall Gold wirft ja bekannterweise keinen laufenden Ertrag ab, während Aktien in der Regel eine Dividende ausschütten.“<BR /><BR /><BR /><b>Wie verbreitet sind Goldanlagen in Südtirol? </b><BR />Diese Frage sei nicht leicht zu beantworten: „Fundierte Zahlen dazu gibt es nicht. Im Allgemeinen kann man aber schon feststellen, dass die Anfragen zu Gold sehr zyklisch sind. In Phasen großer Finanz- oder Wirtschaftskrisen nimmt das Interesse von Seiten der Anleger zu, vor allem für physisches Gold. In den letzten Jahren hat auch die Tendenz, Goldbarren oder -münzen zu Geburten, Taufen und Hochzeiten zu verschenken, wieder zugenommen. Damit verbunden ist der Gedanke, einen bleibenden Wert zu übertragen, der auch in Jahren oder Jahrzehnten seinen Wert beibehalten könnte. Gold-ETCs dürften in den Portfolios der meisten Anleger, hingegen, nur eine untergeordnete Rolle spielen und dürften nicht sehr verbreitet sein.“<BR />