Wir haben nachgefragt, welche Neuerungen es in Sachen Zahlmethoden gibt – und wie sicher sie wirklich sind.<BR /><BR />Gunde Bauhofer, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS), Stefano Albertini, Leiter des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ), und Paolo Riva, Leiter des Virtual Banking der Volksbank, haben die wichtigsten Fragen in Sachen Kreditkarte, Bargeldzahlungen, andere Dienstleistungen sowie zum Mobile Wallet, also Zahlungen mit dem Handy, zusammengefasst.<BR /><BR /><BR /><b>Seit diesem Jahr wird bei Kreditkarten nicht mehr die Unterschrift, sondern der PIN benötigt. Warum?</b><BR />Gunde Bauhofer (VZS): Hierbei handelt es sich um einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor, um Missbrauch der Kreditkarten vorzubeugen.<BR /><BR /><b>Wie finde ich den PIN, wenn ich ihn verlegt habe?</b><BR />Bauhofer: Das ändert sich je nach Kreditkarten-Gesellschaft, aber normalerweise sollte die Möglichkeit bestehen, im persönlichen Bereich auf der Website des Kreditkartenanbieters oder in der App die PIN-Nummer einzusehen, nachdem ich mich angemeldet und entsprechend authentifiziert habe.<BR /><BR /><b>Warum reicht bei einer Kreditkartenzahlung dennoch manchmal noch eine Unterschrift?</b><BR />Bauhofer: Auch hier hängt es von den Regeln des einzelnen Betreibers ab. Eine Unterschrift kann zum Beispiel dann reichen, wenn ein Teil der Bezahlung bereits online mit der sogenannten 2-Faktor-Authentifizierung erfolgt ist und ich nur noch einen Restbetrag bezahlen muss.<BR /><BR /><b>Ich muss im Ausland Bargeld beheben. Was eignet sich hier besser: Die Kreditkarte oder Bankomat?</b><BR />Stefano Albertini (EVZ): Die Antwort hängt von den Vertragsbedingungen des Kontokorrents ab, mit dem die Karte verbunden ist, oder von den Bedingungen, die mit dem Kreditkartenaussteller abgeschlossen wurden. <BR /><BR />Im Ausland können feste Gebühren pro Abhebung oder Gebühren auf den abgehobenen Betrag anfallen, die ebenfalls je nach Land verschieden sein können. Es ist daher ratsam, sich vor der Reise über die geltenden Bedingungen zu informieren und dann die günstigste Option zu wählen. <BR /><BR />Besonders in touristischen Hochburgen gibt es manchmal Bankomaten von Drittanbietern (keine Banken), die im Verhältnis enorm hohe Gebühren für eine Behebung verlangen: Innerhalb der EU muss immer der Hinweis erscheinen, dass für die Behebung höhere Gebühren anfallen.<BR /><BR /><b>Auch hierzulande wird immer öfter mit Karte gezahlt: Lohnt sich Bargeld überhaupt noch?</b><BR />Bauhofer: Das hängt wohl stark von den persönlichen Vorlieben ab: Bargeld ist beim Bezahlen anonym, und laut einigen Studien werden Zahlungen in bar im Kopf auch besser registriert, was die Ausgaben einschränken dürfte. Andere wiederum sagen, nur die Liste der Bewegungen in der Banking-App gibt ihnen den genauen Überblick.<BR /><BR /><b>Gibt es Länder, in denen es noch von Vorteil ist, mit Bargeld zu zahlen?</b><BR />Bauhofer: Mehr als die Geografie dürfte die Bezahlsituation ausschlaggebend sein – wenn im Urlaubsland zum Beispiel der Kellner mit der Karte aus meinem Sichtfeld verschwindet, sollten die Alarmglocken läuten. Äußerst wichtig ist es auch, die Sicherheitsmechanismen der Karten (Warn-SMS und ähnliches) korrekt einzustellen und immer die Kontoauszüge zu kontrollieren, um im Ernstfall schnellstmöglich eingreifen zu können.<BR /><BR /><b>Welche Zahlungsart empfiehlt sich beim Online-Einkauf: Bankeinzug, Kreditkarte oder Überweisung?</b><BR />Albertini: Online-Shops bieten verschiedene Bezahlmethoden an, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Klarna bieten oft einen Käuferschutz. Bei Problemen kann die Kommunikation jedoch kompliziert werden, da mit dem Dienstleister eine weitere Partei involviert ist.<BR /><BR />Die Kreditkarte gilt nicht nur als sicheres Zahlungsmittel, sondern hält einen weiteren Vorteil bereit: Wird die Ware beispielsweise nicht geliefert oder wurde man Opfer von Betrug, kann die Zahlung in vielen Fällen über ein sogenanntes Chargeback-Verfahren rückgängig machen. Dazu reicht es, die Bank und/oder den Kreditkartenanbieter zu kontaktieren. Auf jeden Fall sollte man Online-Shops, die als einzige Zahlungsarten Überweisung oder Barzahlung bei Lieferung anbieten, nach Möglichkeit vermeiden. Im Falle einer Nichtlieferung oder der Lieferung einer anderen als der bestellten Ware ist es fast unmöglich, das Geld zurückzubekommen.<BR /><BR /><b>Auch andere Dienstleistungen, etwa in der Sanität, werden mittlerweile vielfach online bezahlt. Warum kostet es mich bei gewissen Dienstleistern, etwa PagoPA, mehr, mit Kreditkarte zu zahlen als mit anderen Zahlungsarten?</b><BR />Bauhofer: Der Verbraucherschutz-Kodex sieht eigentlich vor, dass für die Verwendung eines Zahlungsmittels keine Extra-Kosten anfallen dürfen. <BR />Für die Zahlungen zugunsten der öffentlichen Verwaltung passiert hingegen genau dieses: Weil sie über den PagoPA-Dienst abgewickelt werden müssen, kommen zum geschuldeten Betrag noch die Gebühren für Kreditkarte oder ähnliches dazu. Die Gebühren sollten bei der Auswahl des Zahlungsmittels zumindest transparent dargestellt werden, damit man das günstigste verfügbare auswählen kann. Wünschenswert wäre, wenn auch die öffentliche Verwaltung mindestens eine Zahlungsmöglichkeit zum Nulltarif anbieten würde.<BR /><BR /><b>Der Dienst Maestro wurde am 1. Juli eingestellt. Hat das Auswirkungen auf die Funktionstüchtigkeit meiner Bankomatkarte?</b><BR />Paolo Riva (Volksbank): Nein. Die Maestro-Funktion wurde zwar eingestellt, aber die im Umlauf befindlichen Karten mit Maestro-Aufdruck sind auch nach dem 1. Juli bis zu ihrem angegebenen Ablaufdatum einsetzbar. <BR /><BR /><b>Wie sicher ist es, mit dem Smartphone zu bezahlen? </b><BR />Riva: Mobiles Bezahlen mit Smartphone ist nicht nur einfach und schnell, da weder Bargeld noch Karten mitgeführt werden müssen, es ist auch sicher. Wie bei einer kontaktlosen Kartenzahlung findet die Datenübertragung am Kassenterminal per Near Field Communication (NFC) statt. Es gelten die gleichen hohen Sicherheitsstandards, die beim Bezahlen mit Karte zum Einsatz kommen. Die Daten der Karte, die im Smartphone gespeichert sind, wie die Kartennummer oder das Fälligkeitsdatum, sind verschlüsselt. Persönliche Daten wie Name oder Adresse werden nicht übermittelt. Auch unbemerktes Bezahlen „im Vorbeigehen“ am Kartenterminal im Handel ist nicht möglich, weil es normalerweise mit den biometrischen Funktionen des Smartphones (Fingerabdruck oder Face-ID) autorisiert werden muss.<BR /><BR /><b>Warum ist es bei manchen Banken nicht möglich, sowohl Kreditkarte als auch Bankomatkarte mit dem Handy zu verbinden? </b><BR />Riva: Dies kann auf technische Gründe oder bestimmte Kartenkonfigurationen zurückzuführen sein, aber auch auf wirtschaftliche oder strategische Entscheidungen der einzelnen Banken. Um Smartphone-Zahlungen zu ermöglichen, sind nämlich zusätzliche Investitionen erforderlich im Vergleich zu jenen, die für traditionelle Kartenzahlungen anfallen.<BR /><BR /><b>Könnte ich im Ausland Probleme haben, mit dem Smartphone zu bezahlen? </b><BR />Riva: Aus technischer Sicht wird eine Smartphone-Zahlung genauso akzeptiert wie die Zahlung mit einer Karte, die mit Kontaktlos-Technologie ausgestattet ist. Daher kann eine Smartphone-Zahlung auch aus denselben Gründen abgelehnt werden wie eine Zahlung mit einer physischen Karte. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn ein POS-Gerät nicht richtig konfiguriert ist, um kontaktlose Zahlungen zu akzeptieren, oder weil das Gerät nicht an bestimmte internationale Zahlungssysteme angeschlossen ist (zum Beispiel Mastercard/Maestro, Visa usw.). <BR /><BR />Darüber hinaus kann es in bestimmten Ländern zu geopolitisch bedingten Akzeptanzproblemen kommen. Hinlänglich bekannt sind zum Beispiel die Konflikte zwischen USA und China, die sich auch auf den Smartphone-Markt auswirken, wobei Google- und Huawei-Geräte in diesen Ländern gegenseitig boykottiert werden und dies kann dann auch Auswirkungen auf die Akzeptanz von Smartphone-Zahlungen haben. Dies sind jedoch sehr begrenzte Fälle.<BR />