Der heute 72-jährige Sepp Locher hat 11 Jahre lang bis zur Schließung in den Stollen des Bergwerks Rabenstein gearbeitet. Er erzählt von der schweren, oft gefährlichen Arbeit unter Tage.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="704015_image" /></div> <BR />„Ich musste hauptsächlich bohren und auch Sprengungen durchführen“, erzählt Locher. Jede Schicht verlief gleich: In der Früh musste das Material, das am Tag zuvor herausgesprengt worden war, auf Waggons aufgeladen werden. „Das waren täglich 50 Waggons, ungefähr 50 Tonnen“, sagt er. In den ersten Jahren musste alles von Hand geschaufelt werden, später wurden Maschinen eingesetzt. Dann wurde wieder gebohrt, jeden Tag 25 bis 30 Löcher, und das Dynamit gelegt. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-51426147_quote" /><BR /><BR /><BR />„Die Arbeit mit den 1,50 bis 2 Meter langen Bohrern war sehr anstrengend, sie waren sehr laut und man brauchte viel Kraft, sie zu halten“, erzählt Locher. Sprengungen wurden immer erst kurz vor Feierabend durchgeführt, damit sich das Gas und der Staub in den Stollen bis zum nächsten Morgen verflüchtigten. <BR />Das freigesprengte Material wurde mit dem Aufzug nach oben gebracht, dort ausgeleert und alles begann von vorne. Abgebaut wurde zuletzt Fluorit, ursprünglich wurde hauptsächlich nach Bleiglanz und Zink geschürft. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="704018_image" /></div> <BR />Alle 50 Meter wurde ein Stollen in den Berg hinein gebaut, 6 Stollen liegen untereinander und sind miteinander verbunden. Die meisten davon wurden nach Heiligen benannt: Rosa, Karl, Paola, Barbara, Cima und Anna, diese Namen weiß Locher auch nach all den Jahren noch genau. Sie waren wichtig, um sich unter Tage zu orientieren. Der unterste Stollen befindet sich 150 Meter tief unter der Erde. Dort war der Sauerstoff oft knapp und so legten die Knappen zwischen den Stollen Kamine an, damit Zugluft herrschte und Frischluft kam. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="704021_image" /></div> <BR /><BR />Am 30. April 1974 kam es im Bergwerk zu einem tragischen Unglück, bei dem der 33-jährige Alois Stauder tödlich verunglückte. Er bereitete eine Sprengung vor und bohrte dafür die Löcher. Dabei stieß er auf einen Blindgänger, eine Sprengladung, die noch nicht hochgegangen war. Beim Anbohren explodierte die Kapsel. Der Familienvater war auf der Stelle tot; er hinterließ eine junge Frau mit drei kleinen Kindern.<BR /><BR />„Die Arbeit unter Tage war nicht ungefährlich, man musste schon immer aufpassen“, sagt Locher nachdenklich. Vor allem bei den Sprengungen war Vorsicht geboten, Gefahr drohte auch von losen Steinen. „Vom Zusammenbrechen der Stollen brauchte man aber keine Angst haben, weil es sich um einen festen Felsen handelt“, fügt er hinzu.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="704024_image" /></div> <BR />„In den Stollen herrschte das ganze Jahr immer die gleiche Temperatur, im Durchschnitt waren es 12 bis 14 Grad“, weiß Locher. Im Winter war es fein hineinzugehen, weil es dort wärmer war als im Freien und im Sommer war es - bei der Hitze draußen - im Stollen angenehm kühl. Zu schaffen machte den Bergmännern die Feuchtigkeit im Felsen. Oft troff Wasser von der Decke der Stollen, und so kamen sie vielfach durchnässt nach Hause.<BR /><BR />Im April 1991 verließen die letzten Knappen die Stollen. „Das hat uns allen leidgetan, weil wir kurz vorher noch auf eine schöne, 3 Meter breite Ader mit Fluorit und Blei gestoßen waren“, bedauert Locher. Abgebaut wurde diese Ader aber nicht mehr. Gleichzeitig verloren die Knappen auch ihren Arbeitsplatz. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="704027_image" /></div> Seit einigen Jahren bemüht sich der Verein Erlebnisbergwerk Rabenstein, die Welt unter Tage wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Potential der Stollen auszuschöpfen. <BR />