Vor allem die Kaufleute sind vom Vorstoß des US-Konzerns alarmiert.<BR /><BR /><BR /><i>Von Christoph Höllrigl</i><BR /><BR /><BR />Amazon liefert alles … nur keine Informationen zu Vorhaben des eigenen Unternehmens. So könnte man die Antwort von „Amazon Italien“ in dieser Angelegenheit zusammenfassen: „Wir haben bei Amazon eine lange Tradition, uns nicht zu unseren Zukunftsplänen zu äußern.“ Das ist der eine knappe Antwortsatz zu einer Anfrage über Pläne in Brixen, wo der Online-Riese aus den USA dabei ist, eine etwa 6000 Quadratmeter große Halle am ehemaligen Sitz von „duka“ in der Brixner Industriezone anzumieten. Derzeit sollen entsprechende Vertragsverhandlungen laufen. Bürgermeister Peter Brunner möchte dazu nichts sagen, lässt lediglich ausrichten, dass noch nichts Konkretes bekannt sei.<BR /><BR /><b><BR />„Sind natürlich nicht erfreut!“</b><BR /><BR />Auch Stadträtin und Kauffrau Bettina Kerer betont: „Das ist ein privates Vorhaben, bei dem jemand eine Immobilie vermietet. Davon bekommen wir von der Gemeinde keine Kenntnis.“ Was die Dimension betrifft (eine Lagerhalle von ca. 6000 Quadratmetern), versucht Kerer jedoch zu beruhigen: Bei dieser Fläche sei von einem eher kleineren „Verteilerzentrum“ auszugehen. Bei sogenannten „Logistikzentren“ von Amazon geht es hingegen meist um mehr als die zehnfache Fläche. Nichtsdestotrotz sagt Kehrer zum geplanten Vorstoß von Amazon in Brixen aus Sicht der örtlichen Kaufleute: „Wir sind natürlich nicht erfreut!“<BR /><BR />Von Sorgen oder gar Angst will die Stadträtin nicht sprechen. Es werde ja nicht mehr bestellt, nur weil in Brixen ein Lager stehe. Vielmehr gehe es nun für die Kaufleute in der Stadt Brixen darum, „damit zu punkten, womit Amazon nicht punkten kann: Persönlichkeit und Beratung.“ <BR /><BR /><BR /><b>Suche nach mindestens 3 Standorten in Südtirol</b><BR /><BR />Die Standortsuche des Online-Giganten (globaler Umsatz 2020: 386 Mrd. US-Dollar) beschränkt sich in Südtirol aber nicht nur auf Brixen. Auch in Bozen und im Burggrafenamt soll Amazon auf der Suche nach Lagerhallen sein. Aus Sicht von Philipp Moser, Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbandes Südtirol (hds), sei der Schritt nachvollziehbar, „schließlich geht es Amazon darum, die Logistik zu verbessern und damit für den Endkunden attraktiver zu werden.“ Der Online-Handel sei eine Realität und nicht a priori „böse“: „Es gibt auch in Südtirol viele tolle Betriebe, die Online-Handel betreiben“, so Moser.<BR /><BR />Was aber sehr wohl ein Problem sei: Die Steuer-Ungerechtigkeit. „Online-Giganten nutzen nämlich jedes Schlupfloch und zahlen nirgends wirklich Steuern.“ Diese Ungerechtigkeit anzugehen, sei eine europäische bzw. globale Herausforderung, sagt Moser.<BR /><BR />Die richtige Lösung sei laut dem hds-Präsidenten, „dass die Steuer dort abgeführt wird, wo Wertschöpfung generiert wird.“ Oder wenn eine direkte Besteuerung nicht möglich sei, dann eben ein gewisser Prozentsatz auf den Umsatz. „Denn wieso sollen jene Betriebe, die hier bei uns ‚Mauern‘ haben und für Wohlstand sorgen, GIS, IRPEF, IRAP, Einkommenssteuer, Werbesteuer usw. zahlen und ein Online-Gigant wie Amazon nicht? Amazon trägt sicher keinen Euro zum Wohlstand in Südtirol bei“, schließt Moser.