Was war geschehen? Die Hackergruppe Akira hat kürzlich Rothoblaas angegriffen und für drei Tage lahmgelegt. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Lösungen für die Holzbauindustrie. „Betroffen war nicht nur die Produktion, sondern alle Bereiche des Unternehmens, sprich auch die Verwaltung, der Einkauf, die Lagerlogistik usw.“, berichtet uns Stefan Trebo, globaler IT-Leiter bei Rothoblaas.<BR /><BR /> „Wir haben einen hohen Digitalisierungsgrad im Betrieb, die Angreifer haben eine Sicherheitslücke genutzt und sind in unser Firmennetzwerk eingedrungen. Darauf konnten wir danach nicht mehr zugreifen.“ Der anschließenden Lösegeldforderung der Hackergruppe sei man aber nicht nachgekommen. Vielmehr sei es gelungen, den Weg zu den Daten selbst wieder freizumachen und die Systeme zum Laufen zu bringen. <h3> „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“</h3>„Der Schaden, der entstanden ist, bezieht sich hauptsächlich auf den Firmenstillstand. Denn jeder Tag kostet klarerweise Geld. In den nächsten Wochen werden wir versuchen den Arbeitsausfall irgendwie zu kompensieren.“ <BR /><BR />Mit Rothoblaas wurde ein Unternehmen getroffen, das das Thema Cybersicherheit prioritär behandelt und hohe personelle und finanzielle Ressourcen dafür einsetzt: „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es dennoch nie. Dieser Fall war jedoch der erste in unserer Firmengeschichte. Immer wieder versuchten sich Betrüger Zugang zu den Netzwerken zu verschaffen, doch bislang erfolglos: Wir konnten bis auf dieses eine Mal alle Attacken abwehren, auch wenn die Methoden immer raffinierter werden“, bekräftigt Trebo. <h3> 3 bis 4 Prozent des Jahresumsatzes</h3>„Wichtig ist auch zu betonen, dass Akira es nicht speziell auf unser Unternehmen abgesehen hatte. Ausgangspunkt der Gruppe war der Fehler im Netzwerk, auf den sie aufmerksam geworden war. Danach scannten sie die Firmenwelt nach allen, die das System im Einsatz haben und startete die Angriffswelle.“ Details zur Lösegeldsumme gibt Rothoblaas nicht preis. Laut internationalen Pressemeldungen lagen die Forderungen der Betrüger in ähnlichen Fällen bei 3 bis 4 Prozent des Jahresumsatzes.<BR /><BR />Akira ist erst seit März 2023 aktiv und gilt inzwischen als eine der gefährlichsten Hackergruppen weltweit. Es gibt Vermutungen, dass sie Nachfolger der russischen Gruppe Conti ist.<h3> „Immer häufiger kleine Betriebe betroffen“</h3>Dass es jeden treffen kann, wird durch den Fall Rothoblaas deutlich. Und dennoch: Wer die Cybersicherheit auf die leichte Schulter nimmt, handelt grob fahrlässig. <BR /><BR />Das bestätigt auch Richard Tappeiner, Leiter des Bereichs zentrale Dienste beim IT-Dienstleister Systems: „Der Bereich Cyberkriminalität ist enorm dynamisch. Ständig lassen sich die Hacker etwas Neues einfallen. Eine Auffälligkeit, die wir seit einiger Zeit sehen, ist, dass es die Kriminellen nicht mehr primär auf Großkonzerne abgesehen haben, sondern vermehrt auf Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe. Das sehen wir bei unserer täglichen Arbeit immer wieder.“<BR /><BR />Warum ist das so? „Auch Kriminelle gehen nach dem Prinzip von Aufwand und Nutzen vor. In die Systeme von Großkonzernen einzudringen, ist mittlerweile sehr schwer geworden, wenngleich sich auch diese nie gänzlich sicher sein können, getroffen zu werden. Sie setzen aber erhebliche Mittel ein, um Schäden zu begrenzen bzw. abzuwenden. Anders ist es oft bei kleineren Unternehmen, die das Thema nicht mit der notwendigen Sensibilität und nicht so systematisch angehen.“ Aus Sicht der Betrüger könnte man sagen, sie sind also „leichtere Opfer“. <BR /><BR />Was sind die gängigsten Maschen? „Cyberkriminelle greifen gezielt IT-Systeme an, oft mit Schadsoftware, die Unternehmensdaten verschlüsselt oder stiehlt. Passwörter, Geschäftsgeheimnisse, Kunden- und Lieferantenlisten usw. – es gibt nahezu nichts, das verschont bleibt. Die Folgen für Unternehmen sind weitreichend: Der Verlust sensibler Informationen kann nicht nur hohe Kosten verursachen, sondern auch das Vertrauen der Kunden und Partner schwer erschüttern“, weiß Tappeiner. Im schlimmsten Fall erlangen die Hacker die Kontrolle über die IT-Systeme und fordern Lösegeld, um die Blockade aufzuheben. „Es reicht oft schon ein kleiner Fehler, um ein Unternehmen vollständig lahmzulegen“, warnt Tappeiner.<h3> Neue Richtlinie tritt in Kraft</h3>In diesem Zusammenhang begrüßt Tappeiner die neue NIS 2-Richtlinie der EU, die am 18. Oktober in Kraft tritt und viele Wirtschaftssektoren betreffen soll (z.B. Energie, Transport, digitale Infrastrukturen, Gesundheit). Bis zu diesem Datum müssen die Mitgliedsstaaten, also auch Italien, ihre Gesetze im Bereich Cybersicherheit entsprechend angepasst haben. „Ein zentrales Ziel der Richtlinie ist es, sicherzustellen, dass Unternehmen ihre IT-Risiken besser managen und auf Vorfälle schneller reagieren. Wenn ein Cyberangriff passiert, müssen Unternehmen diesen innerhalb von 24 Stunden melden und anschließend innerhalb von drei Tagen einen ausführlichen Bericht einreichen. Das soll sicherstellen, dass solche Vorfälle schneller erkannt und besser bekämpft werden können.“<h3> „Technologie allein genügt nicht“</h3>Mit der neuen Richtlinie werde zudem ein besonderes Augenmerk auf die gesamte Lieferkette gelegt. „Das bedeutet, dass nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch alle beteiligten Dienstleister und Zulieferer sicherstellen müssen, dass ihre IT-Systeme ausreichend geschützt sind. Für Unternehmen mag dies zunächst mehr Aufwand bedeuten, doch langfristig verspricht die NIS 2-Richtlinie einen besseren Schutz vor Cyberangriffen und reduziert die Kosten, die durch Vorfälle entstehen könnten. Sie fordert von Unternehmen, ihre technischen Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern und gleichzeitig das Bewusstsein der Mitarbeiter zu schärfen – denn der Mensch bleibt oft die größte Schwachstelle in der digitalen Verteidigung.“ <BR /><BR />Das neue EU-Rahmenwerk wird laut Tappeiner dazu beitragen, dass Unternehmen nicht mehr denken, die Anschaffung von Technologie sei ausreichen. „Der Bereich muss ganzheitlich durch Personal, Prozesse und Technologien abgedeckt sein.“