Freitag, 07. August 2020

Apfelwirtschaft glaubt an gutes Jahr

Die Million Tonnen Äpfel wird Südtirol wohl wieder nicht knacken. Soviel steht nach den am Donnerstag veröffentlichten „Prognosfruit“-Schätzungen fest. „Dennoch könnte der heimischen Apfelwirtschaft ein gutes Vermarktungsjahr bevorstehen“, wie Georg Kössler, Obmann des Verbandes der Obstgenossenschaften (VOG) betont.

Heuer werden voraussichtlich etwas weniger Äpfel als im Vorjahr geerntet.
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Heuer werden voraussichtlich etwas weniger Äpfel als im Vorjahr geerntet. - Foto: © © Südtiroler Apfelkonsortium
Prognosfruit“ ist der europaweit wichtigste Treffpunkt der Obstbranche. Üblicherweise findet der mehrtägige Kongress an wechselnden Austragungsorten statt, 2020 war eigentlich Serbien an der Reihe. Doch daraus wurde coronabedingt nichts – auch die Obstkonferenz wurde ins Virtuelle verlagert. Höhepunkt der „Prognosfruit“ waren auch in diesem Jahr die Vorhersagen der World Apple and Pear Association (WAPA) für die bevorstehende Erntesaison.

Die wichtigsten Zahlen: „Die prognostizierte Apfelmenge in der EU liegt bei 10,7 Millionen Tonnen“, erläutert Kössler. „Ein Minus von einem Prozent gegenüber dem eher ertragsschwachen Vorjahr.“ Zum Vergleich: „Der mehrjährige Durchschnitt liegt bei rund 12,5 Millionen Tonnen“, so der VOG-Obmann. Das Positive: „Wir werden in diesem Jahr, im Gegensatz zu anderen Jahren, kein Problem mit Überproduktionen in Europa haben.“

Alle wichtigen Anbaugebiete dürften 2020 laut Schätzungen weniger ernten: Frankreich (minus 13 Prozent), Spanien (minus 16 Prozent), Deutschland (minus 4 Prozent), Italien (minus 1,0 Prozent). Eine Ausnahme bildet Polen. Das Land wird voraussichtlich um über 17 Prozent mehr Ernte erzielen – insgesamt 3,4 Millionen Tonnen. Allerdings: „Die Produzenten vor Ort haben mit Qualitätseinbußen zu kämpfen. Man geht davon aus, dass nur 50 Prozent der Äpfel für den Frischemarkt geeignet sein werden“, so Kössler.

Weniger Ernte, gute Vermarktungschancen

Für Südtirol belaufen sich die Prognosen auf 912.000 Tonnen Äpfel. Das sind 7 Prozent weniger als im Vorjahr und exakt gleich viel wie 2017 (siehe Grafik). „Die Gründe für den Mengenrückgang sind vielfältig“, sagt der VOG-Obmann. „Die Blütezeit im April war eher kalt und regnerisch, dazu kamen im Sommer örtlich begrenzt größere Hagelschläge im unteren Vinschgau und teilweise im Burggrafenamt.

Ein weiterer Faktor war der überdurchschnittlich hohe Anteil an erneuerten Flächen: Werden üblicherweise 4 bis 4,5 Prozent der bestehenden Flächen pro Jahr neu bepflanzt, waren es 2020 7 Prozent.“ Diese erneuerten Anlagen tauchen in der Statistik nicht auf, da es dort noch nichts zu ernten gibt.

Trotz der geringeren Mengen zeigt sich Kössler „vorsichtig optimistisch“. Wesentlich hierfür sei, dass man europaweit mit leeren Lagern in die neue Erntesaison starte.

„Es könnte ein positives Vermarktungsjahr bevorstehen“

„Der Markt ist aufnahmefähig und fragt frisches Obst sehr stark nach. Das sind gute Voraussetzungen, um zufriedenstellende bis gute Preise erzielen zu können. Durch die insgesamt geringeren Mengen gibt es auch weniger Druck am Markt. Wenn sich alles so entwickelt, wie wir uns das erhoffen, könnte uns ein positives Vermarktungsjahr bevorstehen.“

Ein großes Fragezeichen gibt es dennoch, wie Kössler betont: „Die Coronakrise ist auch für unsere Branche die große Unbekannte. Noch ist die Nachfrage hoch, aber wenn eine wirklich tiefgreifende globale Wirtschaftskrise kommt, wird das früher oder später auch der Markt für Frischeobst zu spüren bekommen.“

Während die europäische Obst-Elite online tagte, begannen in Südtirol bereits die ersten Bauern mit der Ernte. Traditionell machte die Sorte Gala den Anfang – die Nummer 1 im Sortenspiegel der VOG.

d/hil