Nach zwei Rückgängen in Folge hellt sich die Erwartung der Südtiroler Arbeitnehmer an die wirtschaftliche Entwicklung laut dem jüngsten Afi-Barometer wieder auf (Index +8). Lediglich im verarbeitenden Gewerbe trüben die US-Zölle das Stimmungsbild (–15).<h3> „Schwierig mit Lohn über die Runden zu kommen“</h3>Neben der Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung ist auch die Stimmung bezüglich der eigenen finanziellen Lage gestiegen – jedoch nur leicht. Weiterhin gaben 29 Prozent der Befragten an, dass es schwierig sei, mit dem Lohn über die Runden zu kommen. <BR /><BR />„Unter der Oberfläche brodelt es“, so Afi-Direktor Stefan Perini. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in den vergangenen Jahren gleich doppelt belastet: durch Inflation und kalte Progression.“<BR /><BR />Gehaltserhöhungen haben kaum mit den Preissteigerungen der vergangenen Jahre mitgehalten, und in vielen Fällen kommt hinzu, dass viele Beschäftigte in eine neue Steuerstufe rutschten und prompt einen höheren Satz bezahlen mussten. Steigende Einkommen führen aufgrund der progressiven Einkommensteuer zu höheren Steuersätzen. Unter dem Strich werden also Gehaltserhöhungen „aufgefressen“, Erwerbstätige haben also netto weniger vom brutto in der Tasche.<BR /><BR />Laut Berechnungen eines gewerkschaftsnahen italienischen Instituts summiert sich die zusätzliche steuerliche Belastung pro Arbeitnehmer im Zeitraum 2022 bis 2024 auf 1.032 bis 1.382 Euro – ein Betrag, der auch durch die geplante Senkung des mittleren Einkommensteuersatzes von 35 auf 33 Prozent nicht vollständig ausgeglichen werde, so das Afi. <BR /><BR />Vor allem die untere Mittelschicht würde durch die geplante Steuerreform kaum profitieren. „Was es vielmehr bräuchte, ist eine Anpassung der Steuerklassen sowie der Steuerfreibeträge (no tax area) an die Inflation, um die Steuerbelastung zu mindern“, betont Perini.<h3> Südtirols Wirtschaft ist widerstandsfähig</h3>Die positive Stimmung unter den Arbeitnehmern spiegelt sich auch in den wichtigsten Wirtschaftsindikatoren wider: Der Arbeitsmarkt bleibt stabil, die Inflation niedrig, und die Kreditvergabe nimmt wieder zu. Der Tourismus wächst weiter, und auch der Außenhandel hat im ersten Halbjahr zugelegt – nicht zuletzt, weil die angekündigten US-Zölle Vorzieheffekte ausgelöst haben. Wie stark der Export tatsächlich betroffen sein wird, dürfte sich im zweiten Halbjahr zeigen.<BR /><BR />Das Afi rechnet unverändert mit einem BIP-Wachstum von 0,8 Prozent. „Bisher gibt es keine Entwicklungen, die eine Korrektur rechtfertigen würden. Für 2026 erwarten wir ein Wachstum von rund 0,9 Prozent“, erklärt der Afi-Direktor.