Freitag, 24. Mai 2019

Arbeitsmarkt: Mehr Frauen, junge Menschen und Über-55-Jährige

Die Anzahl der Beschäftigten in Südtirol ist im vergangenen Halbjahr weiter angestiegen, und zwar um 2,4 Prozent. Die demografische Entwicklung erfordert vorausschauende Maßnahmen.

Die Anzahl der Beschäftigten in Südtirol ist im vergangenen Halbjahr weiter angestiegen.
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Die Anzahl der Beschäftigten in Südtirol ist im vergangenen Halbjahr weiter angestiegen. - Foto: © shutterstock

„Südtirol hat sein Beschäftigungsziel für 2020 schon fast erreicht", erklärte Südtirols Arbeitslandesrat zum Auftakt der Vorstellung des jüngsten Arbeitsmarktbericht des Landes, der die Entwicklungen von November 2018 bis April 2019 wiedergibt. „Mit einer Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen von derzeit 79 Prozent sind die für 2020 angepeilten 80 Prozent nahezu erreicht."

Der Aufwärtstrend der vergangenen 3 Jahre setze sich fort, die Anzahl der Beschäftigten habe mit durchschnittlich 206.427 Personen gegenüber dem Vorjahr um weitere 4845 Personen zugenommen, sagte der Landesrat.

Mehr Frauen, mehr junge Menschen und mehr Über-55-Jährige

Mehr Frauen, mehr junge Menschen und mehr Über-55-Jährige seien in Arbeit. Das „Dekret der Arbeitswürde" habe die prekären Arbeitsverträge verringert. Die Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent spiegle diese Gesamtentwicklung wieder.

Aus dem vorliegenden Arbeitsmarktbericht geht hervor, dass die Beschäftigung in den vergangenen 6 Monaten nahezu in allen Sektoren zugenommen hat: im Hotel- und Gastgewerbe um 3,3 Prozent, im Baugewerbe um 3,7 Prozent, in der Landwirtschaft um 6,2 Prozent.

Eine Ausnahme bilden nur die öffentliche Verwaltung, in der die Arbeitsplätze keine Veränderung erfahren haben, sowie das Finanz- und Versicherungswesen, das einen Rückgang von 0,5 Prozent zu verzeichnen hatte. Ein Plus gibt es bei der Arbeit auf Abruf. Sie hat um 10 Prozent zugenommen und ist auf 6242 Einheiten angewachsen, vor allem im Handel und im Gastgewerbe.

Abwandern höher qualifizierter Einheimischer

Allerdings, gab der Landesrat zu bedenken, habe jede Medaille 2 Seiten: Die gute Arbeitsmarktlage und die ausgeglichene Beschäftigungszunahme in den einzelnen Sektoren sei Gewähr für soziales Gleichgewicht, die demografische Entwicklung und der parallel dazu steigende Fachkräftemangel erforderten mehr Flexibilität und ein Nachdenken über Ausbildungsmodelle.

Die neuen Arbeitsstellen würden zu einem Drittel von Ausländern eingenommen, wobei ein Abwandern höher qualifizierter Einheimischer und eine Zuwanderung niedrigqualifizierter Arbeitskräfte beobachtet werde. „Die gute Beschäftigungslage macht es möglich, über Maßnahmen zu diskutieren und Veränderungen einzuleiten, um nicht morgen von den Entwicklungen überrollt zu werden", erklärte der Landesrat mit Blick auf die Sozialpartner.

Jeder sechste Arbeitnehmer über 55 Jahre alt

Auch der Direktor der Landesabteilung Arbeit, Stefan Luther, bezeichnete die demografische Entwicklung als „große Herausforderung". Jeder sechste Arbeitnehmende sei mittlerweile über 55 Jahre alt. Die Tendenz sei steigend, besonders bei Frauen.

„In den vergangenen 5 Jahren hat die Zahl der über 50-jährigen Frauen um 9791 zugenommen, also um 46,2 Prozent", sagte Luther. Die besonders hohe Zahl von Frauen, die nach der Geburt ihres ersten Kindes ihren Arbeitsplatz aufgeben, setzte er hingegen mit der guten Beschäftigungslage und der vielen Wiedereintrittsmöglichkeiten in Verbindung. 

Vergleich mit den Nachbarländern

Hergestellt wurde bei der heutigen Vorstellung auch ein Vergleich zu den Nachbarländern: Demnach hatte Südtirol bei der Erwerbstätigenquote mit 79,0 Prozent gegenüber Nordtirol (fast 80 Prozent) und dem Trentino (73,6 Prozent) die Nase vorn. Die Arbeitslosenquote in Südtirol lag Ende 2018 bei 2,9 Prozent, im Bundesland Tirol bei 2,4 Prozent und im Trentino bei 4,8 Prozent.

lpa/stol

stol