Freitag, 20. März 2020

Arbeitsmarkt-News nimmt freiwillige Kündigungen unter die Lupe

In Südtirol bedeutet die mutterschaftsbedingte Kündigung keinen dauerhafter Abschied vom Arbeitsmarkt: Nach 3 Jahren arbeiten 60 Prozent der Frauen wieder.

Sechs- bis siebenhundert Frauen in Südtirol kündigen jährlich während der Schwangerschaft oder im ersten Lebensjahr ihres Kindes ihren Arbeitsplatz.
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Sechs- bis siebenhundert Frauen in Südtirol kündigen jährlich während der Schwangerschaft oder im ersten Lebensjahr ihres Kindes ihren Arbeitsplatz. - Foto: © Unsplash
In Südtirol kündigen sechs- bis siebenhundert Frauen jährlich während der Schwangerschaft oder im 1. Lebensjahr des Kindes freiwillig ihren Arbeitsplatz – die Tendenz ist steigend.

Die von der Arbeitsmarktbeobachtungsstelle der Landesabteilung Arbeit analysierten Daten des Zeitraumes 2015 bis 2017 zeigen, dass drei Jahre nach der Kündigung 6 von 10 Frauen wieder erwerbstätig sind. Dies ist der höchste bisher erhobene Wert.

Über die Kündigungsgründe die Arbeitnehmerinnen anführen, über den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt und über Änderungen, die sie dabei erwarten, informiert die jüngste Ausgabe des Informationsblatts „Arbeitsmarkt-News“.

Abschied vom Arbeitsmarkt nicht dauerhaft

In Südtirol bedeutet die mutterschaftsbedingte Kündigung keinen dauerhafter Abschied vom Arbeitsmarkt: Von den etwas mehr als 1500 Frauen, die im Zeitraum 2015 bis 2017 gekündigt haben, sind Ende 2019 bereits 60 Prozent wieder erwerbstätig.

„Das ist der höchste Wert seit Beginn der entsprechenden Analysen“, bestätigt der Direktor der Landesabteilung Arbeit, Stefan Luther, und erläutert: „Die Daten zeigen, dass vor allem Akademikerinnen früher in das Erwerbsleben zurückkehren. Bereits nach einem Jahr sind 40 Prozent erneut abhängig beschäftigt.“, so Luther weiter.

„ Bei den Maturantinnen, den Absolventinnen einer Berufsschule und den Frauen mit Mittelschulabschluss liegen die Werte hingegen zwischen 20 und 30 Prozent. 3 Jahre nach der Kündigung gleicht sich die Situation zwar an, allerdings mit einer gewichtigen Ausnahme: Die niedrigste Wiedereinstiegsquote haben mit knapp 53 Prozent Frauen mit Mittelschulabschluss“, so Luther weiter.

Die aufgearbeiteten Daten zeigen, dass 9 von 10 der im Zeitraum 2015 bis 2017 kündigenden Frauen einen unbefristeten Vertrag hatten; zudem überwogen die Vollzeitstellen. Der Blick auf die Sektoren verdeutlicht, dass über die Hälfte der Frauen im Handels- und Dienstleistungssektor tätig waren. Offensichtlich wirkt auch eine längere Fahrzeit entmutigend: 2 Drittel der betroffenen Frauen waren zum Zeitpunkt der Kündigung nicht in ihrer Wohnsitzgemeinde beschäftigt.

Hauptkündigungsgrund: Fehlende helfende Familienangehörige

Das Arbeitsinspektorat erhebt die Gründe der freiwilligen Kündigung. Demnach gaben im Zeitraum zwischen 2016 und 2019 41 Prozent der Mütter an, keine helfenden Familienangehörigen zu haben und sich deshalb ausschließlich der Kindererziehung zu widmen.

Weitere 21 Prozent geben die Nichtgewährung einer Teilzeitstelle oder flexibler Arbeitszeiten als Kündigungsgrund an. Das Fehlen oder die hohen Kosten von Betreuungseinrichtungen (9 Prozent) und eine zu große Entfernung des Arbeitsortes beziehungsweise der Wechsel des Wohnortes (6 Prozent) spielen eine weniger wichtige Rolle. Für akademisch gebildete Frauen ist der Wechsel in einen anderen Betrieb deutlich häufiger Kündigungsgrund als für Frauen ohne akademischen Abschluss.

Wiedereinstieg – häufig mit Veränderungen verbunden

„Die Rückkehr in den Arbeitsmarkt ist für die Frauen durchaus mit bemerkenswerten Änderungen verbunden“, zeigt Abteilungsdirektor Luther anhand folgender Beispiele auf: Etwa die Hälfte findet in einem neuen Sektor Arbeit, wovon vor allem das Gastgewerbe und der öffentliche Sektor profitieren.

Erwartbar steigt die Teilzeitquote (auf 86 Prozent) und die Wohnortnähe des Arbeitsplatzes. Luther weist darauf hin, dass der Wiedereinstieg auch zum Anstieg befristeter Verträge führt: „Vor der freiwilligen Kündigung waren elf Prozent mit einer solchen Vertragsform beschäftigt, nach dem Wiedereinstieg sind es 41 Prozent. Dies hängt auch damit zusammen, dass das Gastgewerbe und der öffentliche Sektor Branchen sind, in denen es vergleichsweise viele befristete Beschäftigungsverhältnisse gibt.“

Übrigens: In den Jahren von 2016 bis 2019 haben auch etwa 580 Männer freiwillig gekündigt. Bereits 2 Monate nach der Kündigung ist über die Hälfte dieser Männer bereits wieder erwerbstätig – bei den Frauen dauert es 3 Jahre, bis dieser Wert erreicht ist.

Wiedereinstieg von Frauen verbessern

Die im aktuellen Arbeitsmarkt-News aufgearbeiteten Daten nimmt Arbeitslandesrat Achammer zum Anlass, die Verbesserung des Wiedereinstieges von Frauen als wesentlichen arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkt zu bestimmen.

„Gerade die gegenwärtige Ausnahmesituation verdeutlicht, wie wichtig Vereinbarkeitsmöglichkeiten sind. Ein verbesserter Wiedereinstieg von Frauen trägt wesentlich dazu bei, dass Frauen durch Mutterschaft und Kindererziehung in ihrer beruflichen Entwicklung keine Nachteile erfahren. Hierfür werden wir in den kommenden Jahren verstärkt Frauen und Betriebe informieren und beraten. Auch innerhalb der Betriebe und Wirtschaftsbranchen gibt es Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Vereinbarkeit, die genutzt werden können“, so Achammer.

lpa