Donnerstag, 29. Juli 2021

ASGB: Personalkrise im Gastgewerbe gemeinsam gegensteuern

Dass die jüngsten Zahlen in Bezug auf die Einschreibungen in gastgewerbliche Schulen derzeit besorgniserregend sind, sei nicht überraschend, erklärt Tony Tschenett, Vorsitzender des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), in einer Aussendung.

Berufe und Ausbildungen für das Gastgewerbe scheinen in den vergangenen Monaten an Attraktivität verloren zu haben.
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Berufe und Ausbildungen für das Gastgewerbe scheinen in den vergangenen Monaten an Attraktivität verloren zu haben. - Foto: © shutterstock
„Eigentlich war diese Situation in der Form zu erwarten. Viele Eltern haben aufgrund der Krisensituation und der mangelnden Absicherung der Berufe im Gastgewerbe gegen den Wunsch vieler Jugendlicher, eine Ausbildung im Gastgewerbe zu beginnen, opponiert. Die Haltung dieser Eltern ist auch nachvollziehbar, wollen diese doch eine abgesicherte Zukunft für ihre Kinder“, so der ASGB-Chef.

Zweifelsohne, so Tschenett, seien das Gastgewerbe und der Tourismus eine der wichtigsten Arbeitgeber und Wirtschaftsmotoren in Südtirol. Dennoch hätte die Krise schonungslos aufgezeigt, dass die Absicherung der Bediensteten vor allem in Krisensituationen mangelhaft ist:

„Saisonkräfte, die weniger als 8 Monate im Jahr arbeiten und das Arbeitslosengeld NASpI beanspruchen müssen, haben beispielsweise nicht das gesamte Jahr an Einkommen und Arbeitslosenunterstützung abgedeckt, weil die NASpI nur für die Hälfte der gearbeiteten Monate anreift. Der Staat erkennt diese Problematik nicht und lässt bis dato diese Personen nach Ablaufen der NASpI ohne Einkommen und Rentenversicherung im Regen stehen. Die lokale Forderung, Betroffenen mit einem Beitrag die freiwillige Weiterversicherung zu ermöglichen, wurde bislang nicht behandelt. Dabei zeigen viele Umfragen, dass ökonomische Stabilität und finanzielle Absicherung für die Jugendlichen unter die wichtigsten Kriterien bei der Berufswahl fallen.“

Auch die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf würde unter die wesentlichen Kriterien, die Für und Wider die Wahl eines Berufes sprechen, fallen: „Die 5-Tage-Woche, um Zeit für private Aktivitäten zu haben, ist für viele Jugendliche sehr wichtig. Viele Betriebe haben das bereits erkannt, andere noch nicht. Auf jeden Fall muss sich auch diesbezüglich etwas ändern, um Berufe im Gastgewerbe fit für die Zukunft und damit attraktiv zu machen.“

Der Vorsitzende des ASGB regt die Errichtung eines Arbeitstisches, an dem die Verhandlungspartner des Kollektivvertrages und die Politik teilnehmen, um für zukünftige provinziale Verträge mehr Garantien unterzubringen und die Berufsbilder im Gastgewerbe aufzuwerten.

stol