Als die Banken um Punkt 11 Uhr (MEZ) ihre Pforten öffneten, konnten sich die Kunden am Donnerstag nach rund zweiwöchiger Zwangspause während der dramatischen Rettung des Landes vor der Pleite endlich wieder mit Geld eindecken. Der EZB zufolge wurden eigens frische Scheine in einer Größenordnung von rund 5 Mrd. Euro auf die Insel gebracht. Vor den schwer bewachten Filialen in Nikosia reihten sich die Bürger gelassen in Schlangen ein, um noch vor Ostern an ihr Geld zu kommen. Sieben Tage lang sollen Kontrollen der Kapitalströme verhindern, dass Geld massenhaft außer Landes geschafft wird.Im Land sind Barabhebungen nur bis höchstens 300 Euro pro Tag und Kopf erlaubt, damit den klammen Banken der Insel-Republik nicht auf einen Schlag das Geld ausgeht. Auch Termingelder können nicht ohneweiteres vorzeitig aufgelöst werden.Das entsprechende Regierungsdekret zu den Beschränkungen wurde in vielen Banken ausgehängt oder den Kunden per Flugblatt persönlich in die Hand gedrückt. Die Sparer reagierten mit einer Mischung aus Frust und Fatalismus: „Es ist enttäuschend und irgendwie bedrohlich, sich hier anstellen zu müssen – als ob man in einem Dritte-Welt-Land lebte. Aber was soll man machen?“, sagte ein 64-jähriger Rentner, der sich geduldig vor einer Filiale der Laiki-Bank in die Schlange einreihte. Ein 60-Jähriger machte unterdessen seinem Unmut Luft: „Wie können sie uns den Zugriff auf das Geld verbieten. Es gehört doch uns.“Vor Wiedereröffnung der Banken waren in der Nacht unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen Lastwagen mit großen Bargeldbeständen auf den Hof der Zentralbank in Nikosia gerollt. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, wurden die rund fünf Mrd. Euro mit einer Maschine der Lufthansa von Frankfurt nach Zypern geflogen. Die „Größenordnung“ sei korrekt, sagte ein Sprecher der EZB. Die genaue Zahl wollte er jedoch nicht bestätigen.apa/reuters