Auf Initiative von Sommelière Sonya Egger-Trafoier vom Sternerestaurant „Kuppelrain“ und dem Tourismusverein Kastelbell-Tschars präsentierten an die 20 Winzer und Winzerinnen aus dem Vinschgau ihre besten Tropfen. Zu den bereits bekannten und traditionsreichen Betrieben gesellen sich immer mehr junge und aufstrebende Winzer. <b>von Herbert Taschler</b><BR /><BR />Auch wenn gar einige von diesen ihre Weine zur Zeit noch von anderen Betrieben abfüllen lassen und einige renommierte Weingüter in Kastelbell fehlten, tat dies der neuen Aufbruchsstimmung im Vinschger Weinbau keinen Abbruch. Als Gastkellerei war die Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein mit Riesling, Grüner Veltliner und Pinot Noir vor Ort präsent.<BR /><BR />Der Vinschgau ist seit 1995 das jüngste Südtiroler DOC-Gebiet mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung. 1998 betrug die DOC-Anbaufläche auf den mühevoll angelegten Weingärten zwischen 500 und 1200 Meter Meereshöhe an den warmen Hängen des Vinschger Sonnenberges gerade mal 15 Hektar. <h3>Südtirols kleinstes und jüngstes DOC-Anbaugebiet</h3>Bis in die 1970er-Jahre wurde vor allem zur Selbstversorgung angebaut und eingekellert. Heute bearbeiten über 300 Winzer die Weinberge zwischen Partschins und Burgeis. Die offizielle Weinbaufläche der DOC-Weine beträgt laut Kontrollstelle der Handelskammer Bozen heute 68,5 Hektar. Insgesamt liegt die Vinschgauer Anbaufläche aber bei etwa 90 Hektar. Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren es über 200 Hektar, die nach und nach den attraktiveren Obstgärten weichen mussten.<h3>Blauburgunder, Riesling und Weißburgunder</h3>Zu Beginn der 1980er-Jahre begannen wesentliche Erneuerungen im Vinschgauer Weinbau. Neue Sorten wurden eingeführt, vor allem der Blauburgunder, der in geeigneten Kleinlagen bis auf 800 Meter Meereshöhe ausgezeichnete Ergebnisse erzielt. Die erste geschlossene Blauburgunderanlage wurde 1973 von Hubert Pohl am Köfelgut in Kastelbell erstellt. 19 Hektar der Vinschgauer Rebflächen sind heute mit Blauburgunder bestockt, 10 Hektar mit Vernatsch, 8 mit Zweigelt.<BR /><BR />Bei den Weißweinen waren es zuerst vor allem Müller Thurgau sowie der gemischte Anbau, die das Bild prägten. Heute geben Riesling und Weißburgunder den Ton an. Den ersten Riesling im Vinschgau pflanzte Oswald Schuster 1982 auf seinem Befehlhof in Vetzan an. <BR /><BR />Mit 15,5 Hektar Anbaufläche spielt der Riesling heute die wichtigste Rolle unter den Vinschgauer Weißweinen. Der Weißburgunder gehört mit 12,6 Hektar Anbaufläche zu den alteingesessenen Sorten im Weinbau. Daneben werden noch Müller Thurgau, Gewürztraminer, Sauvignon, Chardonnay, Ruländer und Kerner, die alte Lokalsorte Fraueler und verstärkt pilzwiderstandsfähige Rebsorten wie Solaris oder Souvignier Gris angebaut. Blauburgunder, Riesling und Weißburgunder gehören heute zu den national als auch international ausgezeichneten und erfolgreichsten Rebsorten.<BR /><BR />Die im 1981 gegründeten Vinschgauer Weinbauverein zusammengeschlossenen Weinbauern haben mit viel Einsatz und Liebe zum Produkt dem Vinschgauer Wein in den letzten Jahren einen ganz neuen Stellenwert gegeben. 2 Dutzend Winzer füllen heute zwischen Partschins und Mals ihre Weine selbst ab und vermarkten sie. <BR /><BR />Auch wenn der Vinschgau im Südtiroler Weinbau mengenmäßig nie eine große Rolle spielen wird, den Weinproduzenten im Tal geht es darum, „die alte Weinbautradition des Gebietes fortzuführen, die klimatischen Besonderheiten und Bodenbeschaffenheiten auszunützen und mit ihren charaktervollen Weinen einen spannenden Beitrag auf der Südtiroler Weinkarte anzubieten.“ Lagen mit langen Reifeperioden und großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht lassen fruchtige, mineralische und ausdrucksstarke Weine wachsen. <BR /><BR />Beim Anbau der richtigen Sorten wie Blauburgunder bei den Rotweinen, Riesling und Weißburgunder bei den Weißweinen sowie einigen neuen Experimenten, lassen sich beachtliche und konstante Qualitäten für einen kleinen Markt von Weinfreunden weit über den Vinschgau hinaus erzielen. Die Begrüßung der Gäste oblag dem Kastelbell-Tscharser Bürgermeister Gustav Tappeiner, welcher auch die Qualität der Weine unterstrich.