„Diese stärkere Zunahme ist vor allem auf den Anstieg der Darlehen zurückzuführen, die 55,2 Prozent der Ausleihungen ausmachen und deren Wachstum um 15,2 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr gestiegen ist. Dies ist zumindest teilweise durcheinen Rückgang der Zinsen während des Jahres bedingt“, so das Landesstatistikinstitut ASTAT, das die Zahlen am Donnerstag veröffentlicht hat.Bei den aktiven Kontokorrenten gab es eine Trendumkehr während des Jahres 2010: Sie haben zwar vor einem Jahr einen leichten Rückgang verzeichnet (-1,9 Prozent), die aktiven Kontokorrente wiesen aber im Vergleich zum dritten Quartal 2010 einen Zuwachs von 2,9 Prozent auf.Im letzten Quartal des Jahres 2010 sind auch die Darlehen an private Haushalte gestiegen (+8,2 Prozent), und zwar stärker als im Vorjahr (+6,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind die gesamten Ausleihungen im Aufwärtstrend (+8,1 Prozent) und erreichen damit laut ASTAT wieder Wachstumswerte auf Vorkrisenniveau.Eine Analyse nach Wirtschaftsbereichen der ansässigen Kunden zeige eine leicht erhöhte Zunahme der Finanzierungen für private Unternehmen: Nach einer Verlangsamung im Jahr 2009 (+2,3 Prozent, im Gegensatz zu einer Steigerung von 11,2 Prozent im Jahr 2008) wurde am 31. Dezember 2010 ein Anstieg von 3,5 Prozent verzeichnet.„Nachdem die akute Phase der Krise überwunden scheint, wird die Bereitstellung von Finanzierungen des Bankensystems an private Unternehmen voraussichtlich wieder ansteigen“, so das Landesstatistikinstitut. Allerdings würden die Finanzierungen höchstwahrscheinlich erst nach strengen Kontrollen von Seiten der Banken gewährt werden: Das Inkrafttreten von Basel III könne eine Kreditklemme bewirken, vor allem für Unternehmen, die weniger solide und/oder kleiner seien.Wachstumsrhythmus der EinlagenDie Einlagen der privaten Haushalte von in Südtirol ansässigen Kunden, auf die 61,9 Prozent der gesamten Einlagen zurückzuführen sind, sind bis Ende Dezember 2010 um 2,4 Prozent gestiegen. Dieses Wachstum ist aber gering im Vergleich zum Plus von 16,5 Prozent des Vorjahres.Trotzdem ist dieser Wert noch höher als der gesamtstaatliche, der im letzten Quartal 2010 einen Rückgang von 1,3 Prozent verzeichnet hat gegenüber dem Wachstum von 14,1 Prozent im Vorjahr. „Ähnlich ist die Situation bei den Einlagen der privaten Unternehmen, wo gegenüber demselben Zeitraum 2009 mit einem Zuwachs von 9,7 Prozent gegenüber einem Plus von 15,4 Prozent im Vorjahr eine Verlangsamung des Wachstumsrhythums zu beobachten ist. Der Wert liegt auf jeden Fall über jenem auf gesamtstaatlicher Ebene: Hier wurde im vierten Quartal 2010 für private Unternehmen ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber einem Zuwachs von 7,9 Prozent im Vorjahr registriert“, fasst das ASTAT zusammen.Notleidende Forderungen: Baugewerbe hat ProblemeDie notleidenden Forderungen der in Südtirol ansässigen Kunden stiegen laut ASTAT weiterhin (11,6 Prozent), allerdings langsamer als im Vorjahr (+12,7 Prozent). Sie erreichten zum 31. Dezember 2010 einen Wert von 627 Millionen Euro. Der Anteil der notleidenden Forderungen an den Ausleihungen - Indikator der Kreditqualität - ist nahezu gleich geblieben (2,9 Prozent) wie im selben Zeitraum 2009 (2,8 Prozent). Die Kreditqualität in Südtirol bleibt auf jeden Fall besser als auf gesamtstaatlicher Ebene, wo der Indikator bei 4,4 Prozent liegt.Das Baugewerbe ist in Südtirol der Sektor mit den meisten notleidenden Forderungen (29,1 Prozent) und dem größten Anteil an notleidenden Forderungen an den Ausleihungen (7,5 Prozent). Andere Sektoren - Grundstücks- und Wohnungswesen (4,7 Prozent), Information und Kommunikation (4,1 Prozent), Verarbeitendes Gewerbe/ Herstellung von Waren, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, sonstige Industrie (3,8 Prozent) und Beherbergung und Gastronomie (3,8 Prozent) - geht es deutlich besser. Die beiden letzten Sektoren sind die zweit- und drittwichtigsten Sektoren nach dem Baugewerbe.Geringer Zuwachs bei der direkten MittelbeschaffungDie Banken mit Sitz in Südtirol verzeichnen am 31. Dezember 2010 eine direkte Mittelbeschaffung in Höhe von 19.994 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 9,9 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Jahres 2009. Die Entwicklung in diesem Bereich hängt hauptsächlich von der finanziellen Verfügbarkeit und der Sparneigung und Sparfähigkeit derKunden ab.„Die wandelnden Schuldverschreibungen, auch Obligationen genannt, sind um 5,5 Prozent zurückgegangen. Somit verkleinert sich ihr Anteil am Gesamten auf 46,9 Prozent“, schreibt das ASTAT.Zuwächse bei der Mittelbeschaffung verzeichneten hingegen die Spareinlagen (+20,1 Prozent) und die Passiven Kontokorrente von Kunden (+3,4 Prozent). Letztere erreichten einen Anteil an der gesamten Mittelbeschaffung von 39,8 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als im entsprechenden Zeitraum 2009. Die Passiven Pensionsgeschäfte (-18,7 Prozent) seien stark rückläufig, machten jedoch nur 1,7 Prozent an der gesamten Mittelbeschaffung aus.Weniger in Südtirol tätige BankenZum 31. Dezember 2010 hat die Zahl der in Südtirol tätigen Banken von 75 auf 72 abgenommen – „Poste Italiane“ inbegriffen. Auch die Anzahl der Banken mit Rechtssitz in Südtirol ist um eine Einheit gesunken. Gestiegen sind hingegen die Bankschalter: Ende 2010 gab es 418, drei mehr als im Jahr 2009.In Südtirol gab es somit Ende des vergangenen Jahres 8,3 Bankschalter pro 10.000 Einwohner, im gesamtstaatlichen Durchschnitt waren es nur 5,6.stol