Dienstag, 06. Oktober 2015

Außen pfui, innen hui: Gute „Keschtn“-Ernte erwartet

Trübes Wetter, triste Stimmung? Südtirol hat auch im Herbst mehr zu bieten als graue Tage. Nicht zuletzt ist Herbstzeit „Törggele“-Zeit – und die heurige Kastanien-Ernte mit jener von 2014 nicht zu vergleichen. Glücklicherweise. Zwangsläufig günstiger werden die „Keschtn“ dadurch allerdings nicht.

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Foto: © shutterstock

An den vergangenen Herbst erinnern sich Südtirols Kastanien-Bauern nur ungern. „Vergangenes Jahr lief die Ernte allgemein sehr verhalten“, schaut Hanspeter Reiterer, Obmann des Kastanienvereins „Keschtnriggl“, zurück. „Besonders im Vinschgau lief’s schlecht, aber auch bei uns im Burggrafenamt.“

Kampf der Gallwespe

Zu großen Teilen Schuld an der Misere von damals: die Gallwespe. Der Schädling stammt eigentlich aus Südchina, wurde 2008 nach Südtirol eingeschleppt, verbreitete sich dann rasant und macht seitdem den Bauern das Leben schwer.

Mit einem natürlichen Gegenspieler, einer Schlupfwespe, die ebenfalls aus China stammt, wird der Gallwespe nun zu Leibe gerückt. Mit guten Erfolgen – wie dieses Jahr zeigte: Die Edelkastanien kamen glimpflicher davon und da auch das Wetter einigermaßen mitspielte, schaut es zur heurigen „Törggele“-Zeit nicht schlecht aus mit einer zufriedenstellenden Kastanienernte.

Bauern im Eisacktal „sehr, sehr zufrieden“

„Bei mir persönlich lief die Ernte zwar nicht so gut“, gibt Reiterer, Bauer des Katzenthalerhofes in Lana, zu. „Aber die höheren Lagen, also Völlan und Tisens, haben in den vergangenen Tagen mit der Ernte begonnen und dort schaut’s gut aus.“ Der Vinschgau könne wahrscheinlich mit einer durchschnittlichen Ernte rechnen und im Eisacktal dürfte es dank ausgiebigem Regen sehr gut gelaufen sein.

Martin Mayr sammelt gerade selbst Kastanien ein, als ihn STOL am Handy erreicht. Der Obmann des Eisacktaler Keschtnvereins sagt: „Wir sind sehr, sehr zufrieden. Ich bin positiv überrascht. Der Behang ist wirklich sehr gut.“ Und er stimmt der Vermutung Reiterers zu, wenn er sagt: „Ich glaube, dass die großen Niederschlagsmengen im Juli und August für die Kastanien förderlich waren.“

„Der Geschmack passt“

Auch über Qualität machen sich die Bauern keine Sorgen: „Die wenigen Kastanien, die ich bisher gebraten habe, waren allesamt sehr gut“, berichtet Obmann Reiterer. Der Geschmack passe und auch mit Wurmbefall dürfte man dieses Jahr keine Probleme habe, meint er.

Die Kastanie, das Ausland und die Sache mit dem Preis

Wie sich das gute „Keschtn“-Jahr auf den Preis auswirke, dazu geben sich die Bauern derzeit noch bedeckt. Keschtnverein-Obmann Mayr rechnet mit einem Kilopreis um die 5 Euro, wobei dieser je nach Größe der Kastanie und Produzent schwanke.

Die Kastanien werden diesen Herbst, trotz besserer Ernte, nicht zwangsläufig günstiger zu haben sein als noch im vergangenen, schlechteren „Keschtn“-Jahr. Denn fällt die Ernte schlecht aus, greife manch einer auf günstige Kastanien aus dem Ausland zurück, die dann auch günstiger weiterverkauft würden, weiß Mayr. Er sieht diese Entwicklung skeptisch: „Wir Bauern wollen unsere Kastanien als Südtiroler Produkte an die Leute bringen“, sagt er. Damit werde am Ende ja auch geworben.

stol

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