Klaus Mutschlechner, Präsident des Netzwerks Automotive Excellence Südtirol und Geschäftsführer des Zulieferers Intercable, analysiert den derzeitigen Status quo, die Ursachen der Krise und mögliche Folgen.<BR /><BR /><b>Alupress, GKN Sinter Metals, Intercable: Südtirol hat einen starken Automotive-Sektor. Wer sind eigentlich die Kunden?</b><BR />Klaus Mutschlechner: Hauptsächlich die gesamte europäische Automobilindustrie und somit sowohl die italienisch-französische Stellantis als auch die französische Renault und natürlich auch alle deutschen Hersteller wie Mercedes, VW, Audi, Porsche, BMW, MAN sowie auch eine große Anzahl an Tier1-Zulieferern.<BR /><BR /><b>Viele europäische Autohersteller kriseln. Wie stehen Südtirols Automotive-Betriebe derzeit da?</b><BR />Mutschlechner: Zunächst einmal sprechen wir nicht über ein Südtiroler Problem, sondern über eine internationale und vor allem eine europäische Marktphase. Die Entwicklungen auf dem Automarkt 2024 bleiben für die meisten europäischen Autohersteller hinter den Erwartungen zurück und vor allem die Marktdurchdringung der neuen Elektrofahrzeuge stößt auf größere Schwierigkeiten als erwartet. Alle internationalen Hersteller, und damit auch die Zulieferer in Südtirol, haben investiert und ihre Werke mit Personal und Maschinen ausgestattet, um deutlich höhere Stückzahlen zu realisieren, die derzeit von den Automobilherstellern einfach nicht abgerufen werden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67531714_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was bedeutet das für die Unternehmen?</b><BR />Mutschlechner: Die Unternehmen in Südtirol sind nicht immun gegen diese starken Marktschwankungen und sie werden wahrscheinlich zu einer Neuordnung der Mengen und des Technologiemixes führen. Die Unternehmen werden kurz- und mittelfristig ihre Produktionskapazitäten umorganisieren und anpassen müssen, indem sie neue Ansätze finden, um den Rückgang der Mengen durch neue Märkte zu kompensieren oder durch firmeninterne Restrukturierungen zu kompensieren.<BR /><BR /><b>Wo sehen Sie Ursachen für die derzeitige Situation?</b><BR />Mutschlechner: Ein Teil der Schwierigkeiten am Markt ist konjunkturell bedingt. Die Mischung aus Stagnation oder technischer Rezession wie in Deutschland, kombiniert mit hohen Kreditzinsen, hat viele Investitionen, darunter auch den Kauf von Autos, gehemmt. Hinzu kommen weitere Faktoren, welche die Verbreitung der sogenannten NEVs (Anm. der Red. New Energy Vehicles) ausbremsen.<BR /><BR /><b>Welche Faktoren meinen Sie?</b><BR />Mutschlechner: Die Instabilität oder sogar der Wegfall von Kaufanreizen bzw. Förderungen, wie zum Beispiel in diesem Jahr in Deutschland geschehen ist. Die Ungewissheit über die Entwicklung der Ladeinfrastrukturen und Kosten und schließlich die immer noch sehr anspruchsvollen Kaufpreise der E-Autos.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67531715_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Und der Preisdruck wird durch China erhöht...</b><BR />Mutschlechner: Die starke Konkurrenz chinesischer Hersteller wie BYD und amerikanischer Hersteller wie Tesla hat auch europäische Hersteller in Bedrängnis gebracht, die mit ungeahnten Schwierigkeiten bei der Durchdringung internationaler und nationaler Märkte zu kämpfen haben. Chinesische Hersteller versuchen auch, den bisher unbesetzten Marktanteil an leistbaren Fahrzeugen in Europa zu besetzen. Dies erhöht eindeutig den Druck auf die europäischen Hersteller und die Lieferkette, die mit hartem Wettbewerb und Kostendruck konfrontiert sind.<BR /><BR /><b>Ist bei manchen Betrieben in Südtirol Stellenabbau ein Thema?</b><BR />Mutschlechner: Bislang nicht, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass dies bei einigen Unternehmen bald passieren könnte. Ich möchte betonen, dass natürlich jedes Unternehmen ein Fall für sich ist. Das Ausmaß des Volumenrückgangs hängt von vielen Faktoren ab. Bei einigen Unternehmen kann er bis zu 30 oder 40 Prozent betragen und wird mit Sicherheit zu einer Umstrukturierung führen müssen, bei anderen kann er geringer ausfallen und in der Größenordnung von 10 bis 15 Prozent liegen und mit weniger einschneidenden Effizienzmaßnahmen bewältigt werden.