Dienstag, 20. September 2016

Autotest nun gänzlich nicht mehr in Südtiroler Hand

Vor über 30 Jahren gründete Josef Unterholzner, Mechaniker aus Völlan, das Unternehmen Autotest AG. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Nun ist die einstige Vorzeigefirma nicht länger in Südtiroler Hand.

Josef Unterholzner ist nun "ein freier Mann", wie er selbst sagt. Das Unternehmen Autotest, das er 1983 gründete, ist nicht mehr in Südtiroler Hand.
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Josef Unterholzner ist nun "ein freier Mann", wie er selbst sagt. Das Unternehmen Autotest, das er 1983 gründete, ist nicht mehr in Südtiroler Hand. - Foto: © STOL

Im STOL-Video sehen Sie ein Interview mit Josef Unterholzner, geführt im April 2016. 

Bereits in den vergangenen 2 Jahren verkaufte Unterholzner 64 Prozent der Firmenanteile an die deutsche Gesellschaft Ceterum-Holding GmbH. Damals erklärte er, er wolle eine Botschaft bis nach Brüssel und Rom senden. Er wolle „einmal radikal aufzeigen, in welchem Land wir leben“.

Hintergrund für die Abstoßung der Unternehmensanteile war ein Arbeitsunfall. Im Dezember 2012 verletzte sich ein Autotest-Mitarbeiter im Werk in Lana an der Hand. Dies hatte ein Strafverfahren für den Geschäftsführer – also Josef Unterholzner – zur Folge. Zivil- und Strafverfahren zogen sich über 3 Jahre hin. Am Ende musste er 179 Stunden Sozialdienst in der Gemeinde Lana leisten. Dazu kam noch ein Jahr bedingte Haft.

„Da habe ich gesagt“, so Unterholzner in einem „Dolomiten“-Interview, „das ist mir zu viel. Nach 35 Jahren als Unternehmer werde ich wie ein Schwerverbrecher behandelt.“ Und weiter: „Ich gehe dieses Risiko nicht mehr ein und übernehme die Verantwortung nicht mehr. (...) Da spiele ich nicht mehr mit. Denn wenn sich morgen wieder einer verletzt, dann gehe ich ins Gefängnis.“

Ceterum-Holding übernimmt alle Anteile

Unterholzner zog also Konsequenzen: Er legte den Posten des Geschäftsführers nieder. Ende Juni dieses Jahres gab er auch seinen Vorsitz im Verwaltungsrat des Unternehmens ab - "und dann bin ich ein freier Mensch", sagte er damals. 36 Prozent der Firma gehörten allerdings weiterhin ihm – bis August. Wie Autotest nun in einer Presseaussendung wissen lässt, hat die Ceterum-Holding GmbH mittlerweile 100 Prozent der Firmenanteile übernommen.

Ziel: Nachhaltig profitabel aufstellen

Die Autotest AG, so heißt es in der Mitteilung, sei in den vergangenen Jahren schnell gewachsen, "hatte allerdings seit einiger Zeit Probleme, die damit entstandenen Veränderungen zu bewältigen". Mit der Übernahme durch die Ceterum-Holding habe man nun die Weichen "für eine nachhaltige Reorganisation der Gruppe" stellen können.

Der Vorstand wurde von 5 auf 3 Personen verkleinert. Mit Ingo Katz und Oliver Leibfarth seien 2 neue Manager "mit langjähriger Führungserfahrung in der Automobilzulieferindustrie" ins Gremium berufen worden. Leibfahrth sagt: "Autotest hat in den vergangenen Jahren finanziell sehr gelitten." Doch nun seien die Rahmenbedingungen optimal, um die Firma nachhaltig profitabel aufzustellen.

Aktuell 550 Mitarbeiter

Autotest stellt Kunststoff- und Metallteile, schwerpunktmäßig im Luxus- und Premiumsegment der Automobilindustrie, her. In der Vergangenheit zählten Porsche und Audi zu den Kunden. Nun soll das Unternehmen "als führender Zulieferer für vorwiegend Kleinserienbauteile im Kunststoffspritzguss" etabliert werden. Aktuell beschäftigt die Autotest-Gruppe über 550 Mitarbeiter in 5 Werken.

stol

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