<b>von Thomas Aichner</b><BR /><BR />Es ist eines der lustigsten und zugleich interessantesten Sachbücher, das ich jemals gelesen habe: <a href="https://www.athesiabuch.it/item/Optimiertes_Babymanagement/Marko_Sarstedt/62637637?back=54b8f65f74c2866228f86bab0bb31ff3" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Optimiertes Babymanagement – Den Elternalltag mit betriebswirtschaftlichen Methoden perfektionieren“</a>. Geschrieben wurde das im Springer-Verlag erschienene Buch vom deutschen Marketing-Professor Marko Sarstedt. Er sieht den Nachwuchs als ein betriebswirtschaftliches Planungsproblem.<BR /><BR />Alles beginnt mit der Analyse des Freizeitbudgets. In der Anbahnungsphase verläuft die Freizeitkurve stabil bei rund 5 Stunden pro Tag, bevor sie mit der Geburt in der Realisierungsphase auf 0 sinkt. Erst nach einigen Monaten beginnt die Regenerationsphase: Eltern haben wieder etwas Zeit für sich selbst, müssen aber davon ausgehen, dass das Ursprungsniveau erst nach etwa 18 Jahren wieder erreicht wird.<BR /><BR />Eine der ersten Entscheidungen ist die Namenswahl. Die Marke sozusagen, mit der sich der neue Mensch sein Leben lang vorstellen wird. Studien belegen, dass Namen mit Vorurteilen belastet sind und sich auf schulische Leistungen, Karrieremöglichkeiten und den Erfolg beim anderen Geschlecht auswirken können. Ein Justin schafft es vermutlich in keinen Vorstand, und Adolf ist als Name ebenfalls ausgeschlossen. <h3> Marktforschungsmethoden für den richtigen Namen</h3> Die Lösung ist die Verwendung einer in der Marktforschung etablierten Methode: Brand Concept Maps (Marken-Konzeptkarten). Diese dienen dazu, Markenassoziationen zu erfassen, um schließlich eine bessere Entscheidung treffen zu können. <BR /><BR />Der Name Emil könnte etwa mit E-Mail, Emil und die Detektive, frech, niedlich und Spaghetti alla Emiliana in Verbindung gebracht werden. Die Assoziationen der verschiedenen Namensoptionen können dann in negativ, neutral und positiv klassifiziert werden und die Wahl erleichtern.<BR /><BR />Häufig stehen frischgebackene Eltern auch vor dem Problem, Ratgeber oder Online-Artikel nach Antworten auf Erziehungsfragen zu durchforsten. Wer aus zahlreichen Dokumenten Schlüsselkonzepte extrahieren möchte, um auf dieser Grundlage optimale Entscheidungen zu treffen, findet im sogenannten Text-Mining eine geeignete Methode. Dabei geht es darum, große Mengen von un- oder schwach strukturierten Textdaten so auszuwerten, um aussagekräftige Informationen zu gewinnen. Mit künstlicher Intelligenz und Tools zur Datenanalyse können so schneller zuverlässige Antworten auf Fragen gefunden werden.<BR /><BR />Auch der Windelbestand kann und muss optimiert werden, denn große Vorräte nehmen womöglich zu viel Platz in den oft kleinen Wohnungen junger Eltern ein. Unter Berücksichtigung des täglichen Verbrauchs, Fixgebühren wie Versandkosten beim Onlinekauf und Lagerhaltungskosten – berechnet als Anteil der Miete pro belegtem Quadratmeter – kann so ein entsprechender Plan erstellt werden.<BR /><BR /> Die Lagerhaltungspolitik kann dann auch auf Milchpulver, Feuchttücher und Babybrei ausgeweitet werden.<h3> So finden Sie die richtige Kita</h3>Irgendwann folgt die Entscheidung, in welche Kita oder in welchen Kindergarten der Sprössling geschickt wird. Auch hier kann eine Methode aus der Wirtschaft verwendet werden, um eine Fehlentscheidung zu vermeiden: Mit einem Scoring-Modell werden verschiedene Merkmale bewertet und zu einem gewichteten Gesamtwert zusammengezählt. Als erstes müssen dafür Bewertungsmerkmale definiert werden, wie Ausstattung, Betreuungsschlüssel, Sprachkenntnisse der Erzieher oder Distanz zum Elternhaus. Als nächstes folgt die Festlegung von Gewichtungsfaktoren, die insgesamt 1 ergeben müssen. Dabei geht es darum, wie wichtig etwa die Sprachkenntnisse im Vergleich zu den anderen Kriterien sind. So könnten die 4 Kriterien zum Beispiel mit 0,2 bzw. 0,25 sowie 0,5 und 0,05 gewichtet werden. Abschließend werden alle verfügbaren Einrichtungen mit einer Skala von 1 bis 5 in Hinblick auf die 4 Kriterien bewertet. Multipliziert man die Bewertungen dann mit der Gewichtung, ergibt sich ein Gesamtpunktewert und voilà, die beste Option ist gefunden.<BR /><BR />Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Herausforderungen des Babymanagements, die mit betriebswirtschaftlichen Methoden gelöst werden können: Nächtliches Aufstehmanagement mit Markovketten, Wellness-Planung mit der deterministischen Simulation, Prognose von Spielplatzfreundschaften mit der Netzwerkanalyse oder Routenplanung für Kinderwagentouren mit genetischen Algorithmen.<BR />