Samstag, 20. August 2016

Bankchef im Visier der Justiz fürchtet Schaden für Monte Paschi

Der ins Visier der Justiz geratene Chef der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, Fabrizio Viola, sorgt sich wegen der jüngsten Ermittlungen um die Zukunft seiner Bank. Gegen Viola und Ex-Monte-Paschi-Verwaltungsratschef Alessandro Profumo wird Insidern zufolge wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Marktmanipulation im Zuge von Derivate-Geschäften ermittelt.

Foto: © LaPresse

Zwar dürften die Vorwürfe rasch aus dem Weg geräumt werden, betonte Viola am Freitag. Doch die Untersuchungen drohten das Geldhaus auf seinem Weg aus der Finanzmisere zurückzuwerfen. Monte Paschi ächzt unter faulen Krediten und bemüht sich derzeit um eine rund fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung.

Er könne nicht verhehlen, dass ihn die Ermittlungen emotional belasteten, erklärte Viola. Es sei schwer zu ertragen, dass die Bank gerade jetzt von den Anschuldigungen getroffen werde. Zwar handle es sich bei den Ermittlungen um eine reine Formsache, betonte Viola. Doch die Untersuchungen könnten falsch interpretiert werden und der Bank schaden, während ihre Bemühungen um eine Trendwende im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

Sprecher von Monte Paschi und Profumo – er war auch Chef der Bank-Austria-Mutter UniCredit – hatten bereits erklärt, die Ermittlungen gingen auf zwei Aktionäre zurück, die die übrigen Eigner nicht von Entschädigungsforderungen an Viola und Profumo überzeugen konnten. Weil die Anzeige vorliege, müssten die Behörden per Gesetz ermitteln. Dabei geht es dem Insider zufolge um den Verdacht, dass zwei Derivate-Geschäfte zwischen 2011 und 2014 nicht korrekt verbucht wurden.

Riskanter Derivate-Handel gehörte zu den Faktoren, die Monte Paschi schon vor Jahren in Schwierigkeiten brachten. Die 1472 gegründete Bank hatte beim jüngsten Stresstest der EU-Bankenaufseher so schwach abgeschnitten wie kein anderes Institut in Europa.

apa/reuters

stol