Donnerstag, 01. Oktober 2020

Bargeldloses Italien: Was Conte vorhat

Die italienische Regierung will die Entwicklung in Richtung bargeldlos weiter beschleunigen. Dafür sind eine Reihe von Maßnahmen vorgesehen, darunter ein sogenanntes Cashback-System.

Bargeldloses Zahlen wird immer beliebter.
Badge Local
Bargeldloses Zahlen wird immer beliebter. - Foto: © shutterstock
Italien zählt bei bargeldlosen Zahlungen zu den Schlusslichtern in Europa. Vor allem, um die Schattenwirtschaft zu bekämpfen, will die Regierung dies nun ändern. Und zwar vor allem dadurch, indem man Kartenzahlungen attraktiver macht. Man setzt dabei hauptsächlich bei den Konsumenten an und versucht, deren Zahlungsverhalten zu verändern.

Bereits beschlossene Sache ist, dass mit 1. Jänner das Limit fürs kontaktlose Bezahlen mit Karte ohne Eingabe der PIN von 25 auf 50 Euro erhöht wird. Dies bestätigt Ulrich Euthum, Leiter der Abteilung Zahlungsflüsse bei der Raiffeisen Landesbank Südtirol. Der große Vorteil: „Kunden müssen lediglich ihre Karte nah an das POS-Gerät des Händlers heranführen, um eine Zahlung auszulösen. Das geht besonders schnell und das Nummernpad muss nicht berührt werden.“

Zum Vergleich: Deutschland, Spanien und Österreich haben das Limit bereits auf 50 Euro angehoben, die Schweiz erlaubt bis zu 80 Euro, andere Länder wie etwa die Niederlande ermöglichen ab 2021 sogar Beträge bis 100 Euro ohne PIN.

Vorgesehen ist zudem, wie im August-Dekret angeführt, ein sogenanntes Cashback-System. Das heißt: „Konsumenten, die mit Karte bezahlen, sollen 10 Prozent der Ausgaben vom Staat zurückerstattet bekommen. Die Ausgabenobergrenze soll bei 1500 Euro im Halbjahr, also bei 3000 Euro jährlich liegen, die maximale Rückerstattung also 300 Euro betragen“, erläutert Georg Mair am Tinkhof, Chief Operating Officer (COO) der Südtiroler Volksbank. „Eine weitere Voraussetzung soll sein, dass die 3000 Euro aufgrund von 100 Einzeltransaktionen zustande kommen, es genügt also nicht, einmal groß einzukaufen, man muss schon regelmäßig die Karte nutzen.“ Der Hintergrund: Dadurch will man auf die Gewohnheiten der Konsumenten einwirken. Sie sollen die Karte auch für kleinere Beträge zücken.

Noch viele Fragen offen


Die eifrigsten Kartenzahler Italiens sollen zudem mit einem Extrabonus belohnt werden, dem Supercashback: 3000 Euro erhalten all jene 100.000 Italiener, die die meisten Kartenbewegungen pro Jahr verzeichnen. „So bekommt das Ganze einen gewissen spielerischen Charakter“, so Mair am Tinkhof.

Cashback und Supercashback sollen voraussichtlich mit Dezember starten, die dazugehörige Durchverordnungsverordnung steht noch aus. „Vor allem in der operativen Umsetzung sind viele Fragen offen. Ich hoffe, dass die betroffenen Akteure rechtzeitig informiert werden.“ Durchgesickert ist bislang nur, dass das Cashback-System über die Online-Plattform der öffentlichen Verwaltung, PagoPA, abgewickelt werden soll.

Ist die geplante Lösung nun besonders innovativ oder eher eine Schnapsidee? „Dass eine Regierung ein solches Bonussystem einführt, ist schon sehr ungewöhnlich“, so Euthum. „Ich stelle mir ehrlich gesagt die Frage, ob es nicht andere, effektivere Wege gäbe, um Kartenzahlungen zu fördern.“ Volksbank-COO Mair am Tinkhof findet das Ansinnen der Regierung, damit die elektronischen Zahlungsmittel zu fördern, sehr positiv. „Allerdings hängt jetzt vieles davon ab, wie die Rückerstattung in der Praxis erfolgen wird.“

d

Schlagwörter: