„Der Sanierungsbonus wurde bereits vor über 25 Jahren eingeführt und 2011/2012 während der Baukrise auf 50 Prozent angehoben, wo er dann auch blieb“, erklärt Ulrich Santa, Direktor der KlimaHaus-Agentur. Mit 2025 soll er wieder aufs Ursprungsniveau von 36 Prozent gesenkt werden. Nachvollziehbar sei das unter dem Aspekt der öffentlichen Finanzen schon: „Mit dem Fassadenbonus von bis zu 90 Prozent und dem Superbonus 110 Prozent wurden riesige Löcher in die Staatskassen gerissen. Die Förderungen waren wenig treffsicher, teilweise ineffizient und trieben die Marktpreise im gesamten Bau- und Sanierungsbereich nach oben. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66857719_quote" /><BR /><BR />Nun will die Regierung also hart durchgreifen – ausgerechnet beim „Bonus ristrutturazione“ für Sanierungs- und Wiedergewinnungsarbeiten. Und sendet damit ein „problematisches Signal“ aus, das im „klaren Widerspruch zu den europäischen Klimazielen steht“, wie Santa unterstreicht. „Die EU hat im Rahmen der neuen Gebäuderichtlinie das Ziel vorgegeben, den Energieverbrauch von Wohngebäuden bis 2030 um 16 Prozent zu reduzieren. Um dies zu erreichen, wäre in Italien mindestens eine Verdopplung der Sanierungsrate nötig. Es bleibt abzuwarten, wie es mit dem sogenannten „Ecobonus“ für die energetische Sanierung in der Höhe von aktuell 65 Prozent weiter geht, der ja ebenfalls mit Ende des Jahres ausläuft und grundlegend gestutzt werden soll. Mit einer drastischen Reduzierung dieser Förderschienen werden die europäischen Energiesparziele kaum zu schaffen sein.“ Man muss laut Santa davon ausgehen, dass die Geschwindigkeit in Sachen Sanierungen des älteren Baubestands gedrosselt wird. <BR /><BR />Kritisch sieht auch Martin Haller, Präsident des Handwerkerverbandes lvh, den geplanten Kurswechsel der Regierung. „Wir haben immer gesagt, dass der Superbonus 110 Prozent und andere Boni wirtschaftlich nicht nachhaltig sind. Nun aber derart drastisch vorzugehen, ist sehr problematisch.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-66857943_quote" /><BR /><BR />Haller warnt, dass ein reduzierter Sanierungsbonus den Pfusch am Bau wieder ankurbeln könnte. „50 Prozent waren ein interessanter Anreiz, um Aufträge offiziell zu vergeben. Sollte er gesenkt werden, ist zu befürchten, dass die Schwarzarbeit wieder zunimmt“, erklärt Haller, der sich für eine Anhebung des Maximalbetrags eingesetzt hatte. <BR /><BR />Auch für die generelle Nachfrage im Baugewerbe sei die Maßnahme kritisch. „In einer Zeit, die ohnehin nicht ganz leicht ist. Hohe Zinsen und die ständig wechselnde Fördersituation schaffen Zurückhaltung und Unsicherheit. Leidtragende der Maßnahme sind alle am Bau beteiligten – Unternehmen und private Bauherren. Seit es noch dazu die Möglichkeit nicht mehr gibt, das Steuerguthaben abzutreten, wurde einkommensschwächeren Bauherren der Weg zur Umsetzung der Sanierungsvorhaben erschwert.“ Generell sei das System mit den Steuerguthaben zu hinterfragen.<BR /><BR />Diese Einschätzung teilt auch KlimaHaus-Direktor Santa: „Der Staat muss dafür sorgen, dass die Investition für den einzelnen Bauherren zum Zeitpunkt der Projektumsetzung leichter zu stemmen ist; und nicht mittels Steuerguthaben verteilt auf mehrere Jahre.“ <h3> „Planungssicherheit fehlt“</h3>Beide wünschen sich für die Zukunft eine Reform des Fördersystems, das nicht nur wieder etwas höhere Maximalbeträge vorsieht, sondern auch längerfristig, „bestenfalls bis 15 Jahre“, gültig ist: „Das größte Problem ist, dass die Planungssicherheit fehlt. Diese Hü-oder-Hott-Strategie führt langfristig zu schlechteren Ergebnissen, in diesem Fall sicherlich nicht zu einer raschen Erneuerung des Gebäudebestandes.“ <BR /><BR />Und noch etwas ist laut Santa wichtig: „Italien sollte endlich die wichtigsten Akteure am Bau stärker in den Entscheidungsprozess einbeziehen und sich laufend mit ihnen austauschen. Dann könnten Fehlentwicklungen wie jene beim Superbonus 110 Prozent auch schneller erkannt und beseitigt werden. Zudem wissen diese Akteure genau, welche neuen technologischen Entwicklungen es am Markt gibt, die effizientere – und auch günstigere – Sanierungen ermöglichen.“