Der Tenor: Trotz vielen großen Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft in Zukunft stellen muss, sieht vor allem die Jugend große Chancen in der Landwirtschaft und blickt positiv in die Zukunft.„Während einige Mitgliedsstaaten die Kleinbetriebe in der Landwirtschaft als Auslaufmodell sehen, ist gerade diese Betriebsstruktur im Berggebiet Südtirol Realität. Würde man sie nicht stützen, so hätte das große negative Auswirkungen“, erklärte Herbert Dorfmann, EU-Parlamentarier und erster Fachreferent der Tagung. Es sei gelungen, in Brüssel auf die Wichtigkeit des Berggebiets hinzuweisen. Auch deshalb seien Erzeugnisse aus Berggebieten zukünftig geschützt. „Damit darf nur jemand seine Produkte mit diesem Begriff schmücken, der auch Rohstoffe aus Berggebieten verwendet und das Produkt selbst in einem Berggebiet verarbeitet“, erklärte Dorfmann. Problematik des Generationswechsels angehenEine weitere große Herausforderung ist der Generationswechsel in der Landwirtschaft, denn „fast die Hälfte aller Landwirte ist über 55 Jahre alt. Somit kommen auf EU-27-Ebene auf einen Bauern unter 35 Jahren 9 Bauern, die älter als 55 sind“, berichtet Dorfmann. In Italien sind nur 2,9 Prozent aller Hofbesitzer jünger als 35 Jahre. Damit reiht sich Italien im EU-weiten Vergleich unter die letzten vier Mitgliedsstaaten. „Die Ausarbeitung von Programmen zur Unterstützung der Jungbauern sind von größter Wichtigkeit“, erklärt Dorfmann. Das kann die Europäische Union aber nicht alleine machen, „denn wir sind nur die Leitplanken einer Autobahn. Unterstützung muss auch vor Ort kommen“, erklärt der EU-Parlamentarier. „Da passiert schon“, so Hannes Dosser, Landesobmann der Südtiroler Bauernjugend. Die Südtiroler Bauernjugend hat ihre Klausurtagung dem Thema Hofübergabe gewidmet.Eine Arbeitsgruppe prüft derzeit alle Vorschläge und erarbeitet ein Maßnahmenpaket wie Junglandwirte zukünftig vor Ort besser unterstützt werden können. „Es braucht einige Anpassungen an die Zeit“, betont Dosser.„Der Bauer kann seine Zukunft ein Stück weg auch selbst beeinflussen“Einen Blick vom Schreibtisch in die Praxis machten die zwei Landwirte Franz Verdross vom Ladurnhof in Schlanders und Ulrich Gögele vom Winnebach-Hof in St. Leonhard in Passeier. Letzterer sieht trotz täglicher Schwierigkeiten auch große Chancen, vor allem für die Jugend. „Bauer sein hat Zukunft, denn als Bauer produziert man seine eigenen Produkte und hat dadurch auch die Möglichkeit seine Zukunft ein Stück weg selbst zu beeinflussen.“ Gögele ist überzeugt, dass die Qualität der lokalen Produkte beim Konsumenten fest verankert ist. „Wir haben in Südtirol eine qualitativ hochwertige und vielseitige Produktpalette. Darauf müssen wir stolz sein und dies gleichzeitig auch als große Chance sehen.“ Neben einer Zweitarbeit bringt Gögele auch durch die Wald- und Holzarbeit im Winter zusätzliche Wertschöpfung in den Betrieb mit ein. Und hier stößt Gögele auch auf Schwierigkeiten, denn nicht jeder Wald ist durch einen Weg erschlossen. „Das macht die sinnvolle Bewirtschaftung sehr schwierig und wirkt auch nicht der Überalterung des Waldes entgegen.“, sagt Gögele.Auf die Jugend aufbauen und sie fachlich begleitenLeo Tiefenthaler, SBB Landesobmann und zweiter Fachreferent ging vor allem auf die Chancen der lokalen Landwirtschaft ein. „Die Landwirtschaft ist mit Veränderungen konfrontiert. Der Zu- und Nebenerwerb wird zunehmend wichtiger. Wir müssen deshalb auf unsere Jugend aufbauen und sie auf ihren Wegen gut begleiten“, sagt Tiefenthaler. Dass die Landwirtschaftsschulen ein deutliches Plus an Schülerzahlen verzeichnen, sei erfreulich. „Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass gerade die Jugend die Chancen, die ihnen die Landwirtschaft als Wirtschaftssektor bietet, auch wahrnimmt“, ist Tiefenthaler überzeugt. Was den Zu- und Nebenerwerb angeht wäre eine Beschäftigung direkt am Hof, etwa durch Handwerksarbeiten oder Urlaub auf dem Bauernhof, die Idealvorstellung. Tiefenthaler sieht auch weitere Chancen in der Produktveredelung, im Bereich Energie oder den überbetrieblichen Maschineneinsatz. „Durch überbetriebliche Zusammenarbeit, Mut zu innovativen Ansätzen und gute fachliche Unterstützung können Betriebe weiterhin bestehen und positiv in die Zukunft blicken, so Tiefenthaler. Dies war auch Tenor der über 200 Besucher zählenden Fachtagung bei der abschließenden Diskussionsrunde.