„Die Landwirtschaft in der EU steht vor großen Herausforderungen, wie Klimawandel, Umwelt- und Tierschutz und Lebensmittelsicherheit. Um diese zu bewältigen und den Produktionsstandort Europa langfristig abzusichern, muss die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft gestärkt werden“, so Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.Er hat mit seinen beiden Stellvertretern, Seppl Lamprecht und Viktor Peintner, sowie dem EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann und Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner am Kongress in Brüssel teilgenommen. Die Bauernvertreter haben auf dem Kongress in Brüssel eine Grundsatzerklärung verabschiedet. Ansetzen möchten sie vor allem bei der Lebensmittelkette. „Das Ungleichgewicht zwischen Genossenschaften und einigen wenigen mächtigen Supermarktketten muss dringend ausgeglichen werden, damit die Bauern einen gerechten Preis erhalten. Derzeit sind sie dem Großhandel ausgeliefert“, so Paolo Bruni, Präsident des italienischen Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften (Cogeca).Auch müsse die EU weiterhin funktionierende Marktinstrumente zur Verfügung stellen, um größere Preisschwankungen durch Interventionen auszugleichen. „Das System hat im letzten Jahr bei Milch gut funktioniert“, betont Tiefenthaler. Damit könne Bauern ein gerechtes Einkommen gesichert werden. „Im letzten Jahr ist das Einkommen der Landwirte um zwölf Prozent gesunken. Heute verdienen Bauern in Europa weniger als 50 Prozent der europäischen Durchschnittseinkommen“, unterstrich hingegen Padraig Walshe, Präsident des Europäischen Bauernverbandes COPA. Wettbewerbsfähigkeit und ein höheres Einkommen würden garantieren, dass Europas Bauern weiterhin Lebensmittel produzieren und Dienstleistungen erbringen.Gelinge dies nicht, sei der Verlust von vielen der derzeit 28 Mio. Arbeitsplätzen im Agrarsektor und die Aufgabe von Bauernhöfen zu befürchten, Europa wäre zunehmend von Importen aus Nicht-EU-Staaten abhängig, warnte Walshe. „Damit ginge die Kontrolle über die Produktionsbedingungen, den Preis und die Verfügbarkeit verloren. Lebensmittel- und Versorgungssicherheit sind dann nicht mehr garantiert. Das kann den Verbrauchern nicht gleichgültig sein“, so Tiefenthaler. „Aus diesem Grund erteilten die europäischen Bauern dem Handelsliberalisierungsprogramm Mercosur eine klare Absage. Eine stärkere Öffnung der europäischen Märkte für Lateinamerika hätte verheerende Folgen für den Fleischmarkt und den Obst- und Gemüsesektor“, unterstreicht der Bauernbund-Obmann.