Das geht aus Zahlen hervor, die die Bauarbeiterkasse der Autonomen Provinz Bozen am Mittwoch vorgestellt hat. „Der Bausektor hat sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 2010 nicht erholt. Sowohl bei den eingetragenen Unternehmen, als auch bei den Arbeitern gibt es weiterhin ein Minus, und das im Vergleich zum Vorjahr, also einem Jahr, das bereits starke Einbrüche im Baugewerbe verzeichnet hat“, fasste der Präsident der Bauarbeiterkasse, Vittorio Repetto, auf einer Pressekonferenz in Bozen die Lage zusammen.Im Durchschnitt waren laut Bauarbeiterkasse in Südtirol im ersten Halbjahr 2010 sechs Prozent weniger Unternehmen und vier Prozent weniger Arbeiter tätig. Die gearbeiteten Stunden sind um zwei Prozent zurückgegangen. „Wir haben bereits in den letzten beiden Jahren insgesamt 11,3 Mio. Euro an Lohnsummen verloren. Dieses Geld steht unseren Arbeitern und deren Familien nicht mehr zur Verfügung. Dieser Rückwärtstrend ist derzeit, wie es scheint, nicht aufzuhalten“, betonte Maurizio D´Aurelio, Vizepräsident der Bauarbeiterkasse. In Zahlen ausgedrückt habe das Baugewerbe in Südtirol in den letzten zwei Jahren fast 200 Unternehmen mit fast 2.500 Arbeitern verloren. Das habe auch Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. “Eine aktuelle Studie in Deutschland, durchgeführt von der NCH, hat gezeigt, dass jede Erhöhung der Baunachfrage um einen Euro eine gesamtwirtschaftliche Produktionszunahme von rund 2,20 Euro bewirkt. Ein Rückgang im Baugewerbe wirkt sich dementsprechend negativ auf die gesamte Volkswirtschaft aus”, so Repetto.Die Bauarbeiterkasse macht deshalb mehrere Vorschläge, um das Baugewerbe anzukurbeln.“Private Initiativen dürfen nicht verhindert, sondern müssen unterstützt werden und Investitionsprogramme zur Energieeinsparung sind weiterzuführen; ein großes Potential gibt es bei den Gebäude des Landes”, so Vittorio Repetto.Investitionen in Infrastrukturen dürften nicht dem Rotstift zum Opfer fallen, die Gemeinden sollten die Bauleitpläne prioritär voranbringen. “Zu überdenken ist auch die Vergabe von öffentlichen Aufträgen zum geringsten Preis”, erklärte Maurizio D´Aurelio, der auch einen ständigen Krisentisch zur Beobachtung des Bausektors anregte. Die Bauarbeiterkasse hat im Geschäftsjahr 2009 insgesamt mehr als 41 Mio. Euro verwaltet.Stichwort: BauarbeiterkasseDie Bauarbeiterkassen wurden auf nationaler Ebene von den Sozialpartnern im Bauwesen gegründet. Die paritätisch besetzten Körperschaften sind in den Kollektivverträgen verankert und institutionalisiert. Die im Baugewerbe tätigen Unternehmen hinterlegen bei den Bauarbeiterkassen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld.Weiters wird die Bauberufsalterszulage, vergleichbar mit Dienstalterszulage, über die Bauarbeiterkasse ausbezahlt. Neben der Aufgabe, den Beschäftigten zusätzlich zum Lohn bestimmte Leistungen zu sichern, sieht die Bauarbeiterkasse der Autonomen Provinz Bozen ihre Kernaufgabe darin, Zusatzleistungen auf die Bedürfnisse des Bausektors anzupassen.