<b>Von Nina Werlberger</b><BR /><BR />Der Industriedrucker-Hersteller Durst mit Sitz in Brixen drückt weiter aufs Gas beim Wachstum. Im Vorjahr hat das Unternehmen zweistellig in allen Bereichen zugelegt und konsolidiert 370 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet (2022: 330 Mio. Euro).<BR /><BR />Heuer werden 400 Millionen angepeilt. „In den kommenden 7 Jahren soll sich der Umsatz auf 700 bis 800 Mio. Euro verdoppeln“, kündigte Geschäftsführer und Miteigentümer Christoph Gamper im Gespräch mit der „Tiroler Tageszeitung“ an. Ziel sei eine relevante Größe am Weltmarkt, weil auch die Kunden immer größer würden. „Wir müssen mitwachsen“, sagte Gamper.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1008872_image" /></div> <BR /><BR />Durst ist ein weltweit tätiger Hersteller für Digitaldruck- und Produktionstechnologien. Das Unternehmen hat seine zwei größten Werke in Brixen und Lienz. Unabhängig von diesen wird überlegt, einen neuen Produktionsstandort in den USA zu bauen – dem heute wichtigsten und größten Markt der Gruppe. „Das kann ich mir absolut vorstellen“, so Gamper. Die Kernmodule der Drucker könnten dann weiterhin in Süd- und Osttirol gefertigt werden, während die Maschinen für den amerikanischen Kontinent in den USA fertig gebaut würden.<h3> Frage der Wettbewerbsfähigkeit</h3>Hintergrund der Überlegung sind die Herausforderungen bei der Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Hier geht es auch um die Bürokratie. „Wir werden niemals unsere Standorte hier verlassen. Doch ob wir das geplante Wachstum mit den bestehenden Standorten machen, hängt sehr davon ab, was hier passiert. Da steht ein großes Fragezeichen“, erklärte Gamper.<BR /><BR />Durst beschäftigt rund 1040 Mitarbeiter weltweit, das sind 340 Jobs mehr als noch vor zwei Jahren. In Lienz hat das Unternehmen insgesamt 252 Beschäftigte.<BR /><BR />Der Standort wurde zuletzt etwas umgebaut, berichtete Gamper. Verkauf und Marketing wurden nach Brixen verlegt. Das Osttiroler Team werde sich künftig auf Forschung, Entwicklung und Produktion von Hochleistungsdruckern für Verpackungen und Wellpappe konzentrieren. Die Standortleitung wurde Ende des Vorjahres von zwei auf einen Geschäftsführer reduziert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1008875_image" /></div> <BR /><BR />Lienz sei „kein einfacher Standort“ und habe zuletzt „einen kleinen Dämpfer“ erfahren, sagte Gamper. Aktuell sei der Markt für die dort produzierten Maschinen ein schwieriger, dazu kommen gestiegene Kosten besonders bei Personal und Energie. Trotzdem betonte Gamper die große Bedeutung des Tiroler Werks für die Gruppe: „Zwei Neuprojekte sind bereits in Entwicklung – damit ist die Zukunft gesichert.“<h3> Durst-Firma in Lienz zieht um</h3>Sehr positiv entwickelt habe sich die Software-Entwicklungsfirma PPD mit 32 Jobs, die auch in Lienz sitzt. Aktuell wird für sie in der Innenstadt ein neues „Softwarehaus“ in den Schlossberg Villen errichtet, die Durst gekauft hat. Dort sollen die Mitarbeiter im Herbst einziehen. Auch das Leistungsangebot wird erweitert. In Kufstein hat Durst zudem noch einen kleinen Textildruck-Standort mit 10 Jobs.<BR /><BR />Das Hauptquartier in Brixen hat die Gruppe indes erneut ausgebaut und neben ihrer neuen Zentrale auf nochmals 5000 Quadratmetern das „Durst Kraftwerk“ ins Leben gerufen. Hier sind mehrere eigene Start-ups angesiedelt.<BR /><BR />Eines davon ist die „D3-AM GmbH“, die Maschinen und Materialien für den 3D-Druck im Bereich der technischen Keramik entwickelt. Verdruckt wird Siliziumkarbid, das sich fast wie Diamant verhalte, erklärte Gamper. Anwendungsgebiete sind Raumfahrt, Chipherstellung oder Chemieindustrie. Eine weitere Entwicklung aus dem Kraftwerk ist das „Durst Hawk-Eye“ – eine selbstlernende Künstliche Intelligenz (KI) zur Bildanalyse. Sie wurde gemeinsam mit dem Südtiroler Technologie-Konsortium Covision Lab entwickelt und kommt bei Etikettendrucksystemen zum Einsatz. KI wird auch in anderen Bereichen breit eingesetzt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1008878_image" /></div> <BR /><BR />Expandiert hat Durst im Vorjahr in der italienischen Textil-Hochburg Como. Die Südtiroler haben dort die Firma Aleph zur Gänze übernommen, die Textildruckmaschinen und Software für die Modeindustrie herstellt.<BR />Wachstumstreiber sind für Durst der digitale Verpackungsdruck, technische Keramik und Fliesen, der 3D- und Großformat-Druck. Weltweit brummt das Geschäft vor allem in Nord-, Mittel- und Südamerika. Geplant ist heuer eine weitere Niederlassung in Chile. Auch Afrika hat Durst am Schirm, in Indien will man zulegen und auch Australien laufe gut. Europa mit den wichtigsten Märkten Italien und Deutschland entwickle sich hingegen „okay“, sagte Gamper, während Großbritannien nach wie vor als Folge des Brexit schwächle.<h3> Keine Mitarbeitersorgen</h3>Herausforderungen sind die Themen Energie, Kosten und Preise sowie die Folgen der Kriege in der Ukraine und in Israel/Gaza insbesondere bei den Lieferketten. Probleme bei der Mitarbeitersuche hat Durst übrigens keine, erzählte Gamper.<BR /><BR />Neben flexiblen Arbeitszeiten mit Home-Office und Gehältern mit Bonus-Möglichkeiten ziehe der moderne Neubau in Brixen Leute aus aller Welt an, sagte der Chef. Hier gibt es Büros mit Design-Einrichtung, einen Garten zum Arbeiten, Café und Restaurant mit Bedienung für alle Mitarbeiter, Fitnesscenter und regelmäßige Aperitif-Abende.<BR /><BR />HINTERGRUND<BR /><BR />Südtiroler Drucker-Riese: Die Durst-Gruppe produziert Drucker für Industriebetriebe, die damit unter anderem großformatige Werbemedien, Textilien, Fliesen oder Verpackungen bedrucken. Das Portfolio umfasst Druckersysteme, Tinten, Software und Dienstleistungen. 3D-Druck, etwa für die Luft- und Raumfahrtindustrie, ist zukünftig ein wichtiges ¬Geschäftsfeld.<BR /><BR />Die Gruppe hat 1040 Mitarbeiter und 31 Töchter und Beteiligungsfirmen weltweit. Durst ist eine Tochter der Industriegruppe Technikon AG der Südtiroler Unternehmerfamilie um Christof und Harald Oberrauch.<BR />