Während sich andere Sektoren in Südtirol gut erholt hätten, stecke die Baubranche nach wie vor in einer tiefen Krise. „Seit Jahren ist die Zahl der Betriebe und Beschäftigten rückläufig. Ein Ende dieser Tendenz wird sich innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre nicht einstellen“, glaubt Thomas Außerhofer. Laut seiner Einschätzung ist für die Misere des Baugewerbes ein Faktor entscheidend: „Viele Unternehmen leiden unter mangelnder Liquidität.“ Immer mehr Betriebe seien nicht mehr in der Lage ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Lieferanten, Mitarbeitern oder Banken pünktlich nachzukommen.Interessant dabei ist, dass die Baufirmen gerade auf das Geld von der öffentlichen Hand besonders lange warten müssen. Im italienischen Schnitt sind es 189 Tage und Südtirol bewegt sich laut Außerhofer auf ähnlich hohem Niveau. Im Vergleich dazu zahlen Gemeinden und Länder in Österreich nach 43, in Deutschland gar schon nach 36 Tagen.Zahlungsziele von denen die Südtiroler Baufirmen nur träumen können: „Obwohl der Preis, die Qualität und die Zahlungstermine der Aufträge klar durch Verträge definiert sind, kommt es zu verspäteten Auszahlungen der Baufortschritte“, so der Geschäftsführer des Baukollegiums, Florian Baumgartner. Die öffentlichen Arbeiten müssten also durch die Bauunternehmen vorfinanziert werden, weil sie ihrerseits anfallende Rechnungen begleichen müssen. „Dafür sind sie häufig gezwungen neue Kredite aufzunehmen, um nicht in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten.“ Dies sei nicht selten der Beginn eines gefährlichen Kreislaufs, so Baumgartner. Einer, der noch dazu völlig unnötig sei. „Die Mittel für einen Bauauftrag sind da, sie werden nur aufgrund der ausufernden Bürokratie bei öffentlichen Arbeiten mit großen Verzögerungen ausbezahlt.“Die Vorschläge des Baukollegiums zielen daher auf die Verkürzung der bürokratischen Wege ab: „Die Baufortschritte müssen einfach, schnell und transparent ausgestellt werden. Vorbild ist Deutschland, wo dies eine rein technische Abnahme des Bauwerks ist. Werden keine technischen Mängel festgestellt, wird der Baufortschritt ausgestellt.“ Zudem sollte dies zu jedem Monatsende erfolgen, so Florian Baumgartner. Eine letzte Forderung der Baubranche ist schließlich die Auszahlung der Baufortschritte innerhalb von 30 Tagen ab Anreifung des Baufortschrittes. Durch diese drei Maßnahmen sei es möglich auf Zahlungsziele ähnlich wie in Österreich oder Deutschland zu kommen.D