Dienstag, 19. Januar 2016

BBT-Zulaufstrecken: Ja zum Projekt, aber ...

Während im Unterland noch hitzig über die Art und Weise der Zulaufstrecke zum BBT diskutiert wird, befasst man sich im Bereich "Franzensfeste-Waidbruck" schon mit dem Einreichprojekt. Die Landesregierung hat diesem nun grundsätzlich zugestimmt, wobei eine ganze Reihe von Forderungen zur Verbesserung nach Rom geschickt werden.

Es geht um die BBT-Zulaufstrecken.
Badge Local
Es geht um die BBT-Zulaufstrecken. - Foto: © STOL

Bereits 2003 wurde das Vorprojekt für das Baulos 1 der Zulaufstrecke Süd zum BBT "Franzensfeste Waidbruck" einer ersten Überprüfung unterzogen. Die damals auferlegten Forderungen sind weitgehend in den nun vorliegenden Entwurf für das Einreichprojekt eingearbeitet worden.

Umweltbeirat: Noch Schwachstellen zu beheben

Bei der detaillierten Begutachtung hat der Umweltbeirat in seinem Gutachten vom 30.12.2015 noch einige Schwachstellen im Projekt ausfindig gemacht, für die die vorgeschlagenen Maßnahmen zur möglichst umweltschonenden Umsetzung noch nicht ausreichen.
"Diese sind unerlässlich, um die Qualität und die Umweltverträglichkeit des Einreichprojektes zu verbessern, weshalb sich die Landesregierung nach Rücksprache mit den Gemeinden diese Auflagen mit ihrem heutigen Beschluss zu Eigen gemacht hat", betont Landesrat Richard Theiner.

Trasse verläuft unterirdisch

Das Baulos "Franzensfeste - Waidbruck" umfasst im Wesentlichen die Errichtung von zwei zweiröhrigen Tunnelbauwerken in einem Abschnitt von rund 22 Kilometern und die notwendigen Verknüpfungen zur Bestandsstrecke im Bereich Franzensfeste und Waidbruck. Der "Schalderer Tunnel" erstreckt sich vom Bahnhof Franzensfeste bis zur Talquerung bei der Villnösser Haltestelle, der "Grödner Tunnel" von der Villnösser Haltestelle bis zum Bahnhof Waidbruck.
Die gesamte Trasse verläuft unterirdisch, mit Ausnahme des Bahnhofsbereichs von Waidbruck und der Brücke über den Eisack bei der Villnösser Haltestelle.

"Es konnten bereits wesentliche Verbesserungen erreicht werden", unterstreicht Landeshauptmann Arno Kompatscher. "Fast der gesamte Streckenverlauf verläuft im Tunnel und es ist nunmehr gewährleistet, dass es in punkto Lärmbelastung zu einer Verbesserung der Lage in den betroffenen Gemeinden gegenüber der derzeitigen Situation kommt, und zwar auch in den offenen Bereichen am Bahnhof Waidbruck und an der Villnösser Haltestelle, und trotz der höheren Anzahl an Zügen, die verkehren werden."

Die wichtigsten Änderungs- und Ergänzungsvorschläge

Die wichtigsten Änderungs- und Ergänzungsvorschläge betreffen gerade Lärmschutzmaßnahmen. Einen hochsensiblen Bereich stellt der Bahnhof Waidbruck dar. Für diesen Bereich ist es eine zentrale Forderung, dass die Lärmsituation künftig im Vergleich zur Ist-Situation deutlich verbessert wird.

Auch die architektonische Einbindung der Brücke bei Villnöss in das Landschaftsbild sieht der Umweltbeirat als noch nicht ausreichend gut gelöst. Zudem ist das Materialmanagement zu optimieren. Das Materialmanagement ist auf die Bereiche Forch, Unterseeber und Hinterrigger zu konzentrieren. Für eine gemeinsame Nutzung der Deponieflächen mit dem BBT sollen Verhandlungen aufgenommen werden.

Weiters sind das hydrogeologische Monitoring und die Abwasserbehandlung auszubauen. In hydrogeologisch sensiblen Zonen sind Vorauserkundungen in Hinblick auf Quellgebiete durchzuführen und die Trinkwasserschutzgebiete zu berücksichtigen. Nicht zuletzt sind die Auswirkungen des Bauvorhabens auf den Wasserhaushalt zu vertiefen und alle Grenzwerte für die Abwässer aus Tunnel und Baustelle einzuhalten.

Beim Schalderer Tunnel ist schließlich die Notwendigkeit des Fensterstollens Albeins zu prüfen. 

2 Prozent für Umweltausgleichsmaßnahmen 

"Darüber hinaus sieht der Beschluss vor, dass die Dienste der Beobachtungsstelle auch für den Südzulauf in Anspruch zu nehmen sind, und dass wie beim BBT eine Summe im Ausmaß von zwei Prozent der Projektkosten für Umweltausgleichsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden muss", erklärt Landesrat Theiner. 

Er betont, dass auch die Bürgermeister des betroffenen Streckenabschnitts eingebunden worden sind und ihre Vorschläge Berücksichtigung gefunden haben. Nun sind die Forderungen des Umweltbeirates nach Rom zur nationalen Dienststellenkonferenz geschickt worden.

Und während man in Waidbruck bereits ein gutes Stück weitergekommen ist, wird im Unterland weiter heftig diskutiert.

Im Unterland ist man sich uneins

Oberirdisch und eingehaust, unterirdisch mit Tunnel im Berg oder doch nichts von alledem: Wie soll im Unterland die Anbindung an den Brennerbasistunnel umgesetzt werden? Darüber scheiden sich dort noch die Geister. Und so war der Informationsabend „Hoffnung oder Risiko fürs Unterland?“ zur Zulaufstrecke Süd des Brennerbasistunnels am Montagabend in Neumarkt gut besucht. 

Es kamen Ängste unter anderem um die Quellen, die jahrelangen Baustellen, die Dauer der Bauarbeiten, die Finanzierung, mögliche Haltestellen oder den Einfluss der Gemeinden auf das Projekt  zur Sprache.

Horst Pichler, Bürgermeister von Neumarkt, plädierte nach wie vor für die Tunnelvariante (STOL hat berichtet). "Wenn wir nicht noch rechtzeitig Vorschläge unterbreiten, werden in Zukunft die Züge durch das Unterland donnern", so Pichler. 

stol/lpa/ker

stol