Seit Jahren dümpeln wir bei der F&E-Quote, welche die Ausgaben für Forschung am BIP misst, bei unter einem Prozent. 2024 waren es laut ASTAT maue 0,78 Prozent. Zum Vergleich: Das Trentino liegt bei 1,58 Prozent, Nordtirol bei 2,91 Prozent, und die EU setzt als Zielmarke eigentlich 3 Prozent voraus. Diese Nachlässigkeit ist brandgefährlich für den Wirtschaftsstandort Südtirol.<BR /><BR />Die schwerwiegendste Folge: Südtirol manövriert sich im Wettbewerb sehenden Auges ins Abseits. Nur wer forscht, entwickelt neue Technologien, neue Ansätze oder neue Produkte, verbessert Produktivität und kann sich dadurch im Wettbewerb gegenüber der Konkurrenz behaupten. Wer hier den Rotstift ansetzt, spart nicht, sondern verspielt die Zukunft. Bereits Ex-EZB-Chef Mario Draghi mahnte in seinem Bericht an die EU, dass die chronisch magere F&E-Quote die Hauptursache dafür ist, dass Europa im Duell gegen die USA und China hinterherhinkt.<h3> Innovationsflaute befeuert Brain-Drain</h3>Doch damit nicht genug: Die Innovationsflaute befeuert einen schleichenden Brain-Drain, der das Land intellektuell ausblutet. Hochqualifizierte Fachkräfte, brillante Wissenschaftler und hungrige Gründer suchen sich dort ihre Wirkungsstätte, wo Unternehmen ihnen echte Karrierechancen bieten. Der NOI Techpark und die Freie Universität Bozen sind starke Leuchttürme, aber ohne unternehmerischen Mut verkommen sie zu reinen Durchgangsstationen. Wir ziehen in unseren Studiengängen zwar junge, talentierte Geister an, bilden Spitzen-Ingenieure und Informatiker aus – um sie danach direkt an Tech-Metropolen wie München, Zürich oder Mailand zu verlieren.<BR /><BR />Eigentlich will Südtirol ein international gefragter Forschungsstandort sein. Doch die Fortschritte, die das Land macht, sind gemessen an unserer Wirtschaftskraft und unserem Haushalt leider nur winzige Trippelschritte. Wir müssen gewiss nicht mit dem Silicon Valley oder Shenzhen konkurrieren – unsere Stärke liegt in klugen Nischen, in etwa alpiner High-Tech. Doch mit dem Tempo, das wir an den Tag legen, verspielen wir selbst diesen Anspruch. Statt die Innovationen von morgen zu erfinden, verwalten wir den Wohlstand von gestern. Wohlstand ist aber kein Sparbuch, das man im Tresor wegschließt; er ist ein flüchtiges Gut, das man immer wieder erkämpfen muss. Mit einem historischen Rekordhaushalt im Rücken gäbe es wahrlich genug Schießpulver, um Innovation finanziell zu fördern. Wer diese Chance jedoch verschläft, wird morgen nicht mehr gestalten, sondern nur noch eines verwalten: den steilen Verfall.<BR /><BR /> <a href="mailto:josef.bertignoll@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">josef.bertignoll@athesia.it</a>