Es gebe zwar einige dieser Vermieter, die Steuern zahlen und damit in Ordnung sind, der allergrößte Teil tue das aber nicht und wirtschaftet somit am Fiskus vorbei, sagt HGV-Chef Manfred Pinzger im „Dolomiten“-Interview. „Bei unseren Betrieben wird jeder Macchiato nachverfolgt bis hin zur Betriebsschließung. Wegen 1,20 Euro.“„Dolomiten“: In ganz Italien werden 176.000 private Wohnungen und Zimmer via Internet auf der Mietwohnplattform Airbnb zur Vermietung angeboten. Eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die klassischen Gastbetriebe?Manfred Pinzger: Für Hotelbetriebe und die Ferienhotellerie ist es nicht ganz so schlimm. Sehr wohl aber für die Privatzimmervermieter und die kleinen Pensionen, die gerade in Südtirol für das Gesamtangebot von großer Wichtigkeit sind. Für diese beiden Kategorien ist Airbnb eine ernstzunehmende und unlautere Konkurrenz.„D“: Unlauter, weil sie keine Steuern zahlen?Pinzger: Genau. Es gibt zwar einige dieser Vermieter, die Steuern zahlen und damit in Ordnung sind, der allergrößte Teil tut das aber nicht und wirtschaftet somit am Fiskus vorbei. Bei unseren Betrieben wird jeder Macchiato nachverfolgt bis hin zur Betriebsschließung. Wegen 1,20 Euro. Bei Airbnb ist man aber scheinbar nicht imstande zu kontrollieren, oder will es absichtlich nicht. Es fehlt derzeit aber noch der gesetzliche Rahmen, das muss man eingestehen.„D“: Sind es nur Personen, die ihre eigene Wohnung vermieten, um die Haushaltskassa aufzubessern, oder wird das inzwischen professionell betrieben?Pinzger: Mittlerweile wird das höchst professionell betrieben. Es kann keine Rede davon sein, dass die Anbieter nur selbstgenutzte Domizile für Kurzzeitvermietungen anbieten. Ein gewisser Daniel bietet beispielsweise 527 Wohnungen in Italien zur Vermietung an und eine gewisse Bettina 420 Wohnungen, 140 davon in Mailand, 80 in Rom und 88 in Florenz. Auch Südtirol kennt dieses Phänomen. So bietet ein gewisser Ivan 14 Wohnungen für Kurzzeitvermieter in verschiedenen Ortschaften an.„D“: Wie viele Wohnungen werden in Südtirol auf diese Weise vermietetPinzger: Laut Federalberghi waren es im Oktober 2600 Wohnungen in der Region Trentino-Südtirol.„D“: Wenn die Airbnb-Vermieter dieselben Auflagen erfüllen würden wie ein Privatzimmervermieter, wären Sie aber einverstanden?Pinzger: Natürlich. Wir stellen uns jeder Konkurrenz, wenn sie gesetzlich in Ordnung ist. Wir wollen aber keinen unlauteren Wettbewerb. Und das ist derzeit der Fall.„D“: Das Phänomen Airbnb gib es ja nicht erst seit einem Monat. Warum wurde bisher kein gesetzlicher Rahmen geschaffen?Pinzger: Das ist eine gute Frage. Manchmal hat man das Gefühl, dass man das gar nicht wirklich gesetzlich regeln will. Das ist aber von Region zu Region verschieden. In Kampanien etwa geht man ganz streng vor.„D“: Wie viel Geld wird durch diese 176.000 Euro in Italien insgesamt erwirtschaftet?Pinzger: Dazu haben wir keine Zahlen, es sind aber sicher einige Millionen Euro – zum größten Teil schwarz. Während wir rund 40 Prozent der Einnahmen wieder versteuern müssen, stecken die meisten Airbnb-Vermieter das ganze erwirtschaftete Geld in ihre Brieftasche. Da müsste der Gesetzesgeber schon langsam aufwachen.„D“: Lässt sich dieser Graubereich überhaupt genau erfassen bzw. gesetzlich regeln?Pinzger: Das sollte mit den heutigen technischen Möglichkeiten eigentlich kein Problem sein. Wenn man denn will.Interview: Arnold Sorg