Im Interview spricht Obmann Manuel Santer über die größten Sorgen, Forderungen an die EU und die schwierige Entscheidung für oder gegen den Bioanbau.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Santer, welche Fragen haben die Mitarbeiter des Beratungsringes im vergangenen Jahr wohl am häufigsten gehört? Was beschäftigt die Südtiroler Bauern?<BR /></b>Manuel Santer: Das ist sicher das Wetter, das nicht mehr so ausgeglichen ist wie früher. Mal ist es extrem trocken, dann wieder extrem nass. Letztes Jahr beispielsweise hatten wir das ganze Jahr über immer wieder einen extremen Regen. In der Folge waren im Unterland die Anlagen dermaßen überschwemmt, dass man kaum hineinkam oder, wenn man einmal drin war, nicht mehr herauskam. Und natürlich haben die Pilzkrankheiten wegen der starken Feuchtigkeit zugenommen. Das Jahr zuvor hingegen hatten wir mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Ein weiteres großes Thema, das die Landwirtschaft beschäftigt, sind die invasiven Schädlinge. <BR /><BR /><b>Das sind Schädlinge, die nicht bei uns heimisch sind, sondern vom Menschen eingeschleppt wurden. Aber weil sie nicht heimisch sind, gibt es bei uns keine natürlichen Fressfeinde…<BR /></b>Santer: Und gleichzeitig werden die Pflanzenschutzmittel zunehmend reduziert. Das heißt: Die Probleme nehmen zu und unsere Gegenmittel ab. Da braucht es dann uns als Beratungsring, damit die Bauern so viel wie möglich aus ihren Anlagen herausholen können. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68883155_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wenn die Pflanzenschutzmittel aufgrund regulatorischer Vorgaben der EU abnehmen, was sind dann die Alternativen?<BR /></b>Santer: Teilweise kann man auf biologische Mittel ausweichen, die aber nicht so effizient sind, oder auf schwächere Mittel. Wir arbeiten aber auch in einem Netzwerk mit Organisationen aus anderen Ländern zusammen, wo wir versuchen, über Ausnahme- und Notfallzulassungen das eine oder andere Mittel zu retten. Gleichzeitig wollen wir in der EU ein Bewusstsein für das Thema Versorgungssicherheit schaffen. Wenn wir die garantieren wollen, braucht es auch Pflanzenschutzmittel. Es kann ja nicht sein, dass man den europäischen Bauern das Leben so schwer macht, dass sie irgendwann keine Zukunft mehr sehen, um dann irgendwann Produkte aus Ländern zu importieren, wo man gar keine Kontrolle mehr hat. Das ist wohl auch nicht im Sinne der Konsumenten. <BR /><BR /><b>Und was antworten Sie jenen Konsumenten, die sagen, sie wollen keine mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelten Produkte auf dem Teller haben?<BR /></b>Santer: Da gibt es teilweise unbegründete Ängste. Denn so sicher wie die Pflanzenschutzmittel heute sind, waren sie noch nie. In dem Bereich hat es in den letzten Jahrzehnten eine enorme Entwicklung gegeben. Dass es keine Lebensmittelskandale mehr gibt, liegt auch daran, dass in der EU alles zertifiziert, kontrolliert und x-mal geprüft wird. Und die Bauern sind professionelle Anwender, die obendrein mehrmals im Jahr kontrolliert werden. Da würde ich mir also absolut keine Sorgen machen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-68883159_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Zurück zu den Schädlingen und Krankheiten: Was beschäftigt die Berater derzeit: die Goldgelbe Vergilbung?<BR /></b>Santer: Im Weinbau ist die Goldgelbe Vergilbung nach wie vor ein Thema, ja, im Obstbau sind es die Kirschessigfliege und die Wanzen, die uns schon seit Jahren beschäftigen. Sie sind quasi gekommen, um zu bleiben. Zudem beobachten wir – gemeinsam mit dem Pflanzenschutzdienst – auch die Situation im Hinblick auf neue Schädlinge, die schon vor unserer Haustür stehen. Große Sorgen bereitet uns der Japankäfer, der im oberitalienischen Raum schon aufgetreten ist und – salopp gesagt – alles frisst, was ihm vor die Nase kommt. <BR /><BR /><b>Der Beratungsring unterstützt die Bauern auch bei der Umstellung auf Bioanbau. Im Obstbau hat die Zahl der Umstellungen nachgelassen. Weshalb?</b><BR />Santer: Das ist eine Folge der genannten Probleme. Wenn wir schon im integrierten Anbau Schwierigkeiten haben, für alles Lösungen zu finden, dann im Bioanbau umso mehr. Dort ist der Aufwand höher und die Möglichkeiten noch geringer. Im Bioanbau muss alles passen: Lage, Sorte und die Einstellung des Bauern. Aber schlussendlich ist der Bauer auch Unternehmer und wenn er sieht, dass die Herausforderungen zu groß sind, dann sieht er von einer Umstellung ab. Und vereinzelt haben Betriebe deswegen die Umstellung auf Bio auch wieder aufgegeben.<h3> Zum Thema: 64. Generalversammlung des Beratungsringes</h3>Die 64. Generalversammlung des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau, die Am Donnerstag Abend in Nals stattfand, bot einen Rückblick auf die wichtigsten Tätigkeiten des vergangenen Jahres und spannende Einblicke in Herausforderungen und Entwicklungen der Branche. Dabei wurde auch betont, wie wichtig eine unabhängige Beratung, wie sie der Beratungsring biete, für eine nachhaltige und erfolgreiche Landwirtschaft sei. <BR />Er berät derzeit rund 6000 Bauern und Betriebe im Anbau von Äpfeln, Weintrauben, Marillen, Kirschen und Birnen – sowohl für den integrierten als auch den biologischen Anbau. <BR />Immer wichtiger wird die Unterstützung der Bauern durch präzise Wetterdaten. Der Beratungsring betreibt deshalb 140 Wetterstationen in ganz Südtirol, deren Sensoren Messdaten im 5-Minuten-Takt liefern. Die werden verarbeitet und den Mitgliedern über eine eigene App zur Verfügung gestellt. <Rechte_Copyright></Rechte_Copyright>