„Mein Vater hatte mich einfach zur Landesmeisterschaft angemeldet“, erzählt Thomas Zöschg. Er gewann – und qualifizierte sich dadurch für die WorldSkills 2005 in Helsinki. Dort holte der Meraner Gold, als erster Elektrotechniker aus Südtirol. „Es war für mich in mehrfacher Hinsicht ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich Zöschg. Helsinki 2005 wurde zugleich zur bis heute erfolgreichsten WorldSkills-Ausgabe für Südtirol mit fünfmal Gold, einmal Silber und fünfmal Bronze.<h3> „Den anderen über die Schulter schauen“</h3>„Die Erfahrung war einmalig, fachlich und persönlich enorm wichtig“, sagt Zöschg. Besonders viel habe ihm der Austausch mit Teilnehmern aus anderen Ländern gebracht. „Man konnte ihnen über die Schulter schauen und sehen, wie sie arbeiten und welche Maschinen und Werkzeuge sie verwenden.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-76264926_quote" /><BR /><BR />Auch beruflich wirkte sich der WM-Titel aus. Zöschg arbeitete später unter anderem in Australien. „Mein Sieg war sicher wichtig, um den Job dort zu bekommen. International wird so ein Titel durchaus stark beachtet.“ 2017 übernahm er den Elektrotechnikbetrieb seines Vaters in Meran. Noch heute komme es vor, dass ihn Berufskollegen oder Kunden auf den Erfolg von damals ansprechen. <BR /><BR />Den WorldSkills blieb er ebenfalls verbunden: Von 2013 bis 2024 trainierte und begleitete er die Südtiroler Elektrotechniker. Eigentlich hätte er auch heuer wieder als Coach dabei sein sollen. „Leider gab es diesmal keinen Kandidaten.“<h3> „Gänsehaut pur“</h3>Zehn Jahre nach Zöschg gewann Stefanie Peskoller Gold. Die Floristin setzte sich 2015 bei den WorldSkills in São Paulo durch. „Es war eine der tollsten Erfahrungen meines Lebens. Der Wettkampf, das Drumherum und natürlich das Gewinnen – so etwas vergisst man nie. Ich erzähle immer wieder gerne davon.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-76264922_quote" /><BR /><BR />Viel Wert sei die Vorbereitung gewesen. Rund ein halbes Jahr arbeitete Peskoller intensiv auf die WM hin. „In dieser Zeit habe ich fast gleich viel gelernt wie bei einer ganzen Meisterausbildung.“ Auch der internationale Austausch sei für sie sehr bereichernd gewesen.<BR /><BR />2018, drei Jahre nach dem WM-Titel, machte sich Peskoller als Floristin in Kiens selbstständig. Die Berufs-WM verfolgt sie weiterhin. „Das ist für mich jedes Mal Gänsehaut pur. Auch diesmal werde ich mitfiebern und mich über jede Medaille freuen.“<h3> Drei Jahrzehnte dabei</h3>Südtirol ist seit 1995 Mitglied von WorldSkills International und nahm 1997 erstmals an einer Berufs-WM teil. Seitdem gab es bei jeder Ausgabe mindestens einen Podestplatz. <BR /><BR />Die offizielle Bilanz zählt 75 Medaillen: 23 Gold-, 23 Silber- und 29 Bronzemedaillen. Bei Teamwettbewerben werden die ausgezeichneten Teilnehmer einzeln gezählt.<BR /><BR />Auch bei der bislang letzten Berufs-WM 2024 in Lyon gab es für Südtirol einen kompletten Medaillensatz: Maurer Fabian Fischnaller gewann Gold, Elektrotechniker Stefan Rainer Silber, die Landschaftsgärtner Stefan Breitenberger und Tobias Mutschlechner gemeinsam Bronze. Hinzu kamen vier „Medallions for Excellence“. Im Vergleich der teilnehmenden Länder und Regionen belegte Südtirol Rang zwölf.<BR /><BR />Mit großem Abstand vorne lag China. Die 59 chinesischen Teilnehmer holten 36 Gold-, neun Silber- und vier Bronzemedaillen. Korea kam auf zehn Goldmedaillen, die Schweiz auf sechs.<h3> Nächste Station Shanghai</h3>Heuer findet die Berufs-WM ausgerechnet in China statt – zum ersten Mal überhaupt. Vom 22. bis 27. September werden in Shanghai mehr als 1.400 Nachwuchstalente erwartet. In 64 Berufen werden Medaillen vergeben. Dabei geht es längst nicht nur um klassische Handwerksberufe: Das Spektrum reicht von Bau, Technik und Industrie über Gastronomie und Dienstleistungen bis zu digitalen Disziplinen wie IT, Robotik oder BIM.<BR /><BR />Südtirol ist mit 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in 13 Berufen vertreten. Für sie läuft inzwischen die heiße Phase der Vorbereitung.