Dienstag, 28. November 2017

Berufslehre in Südtirol auf dem Prüfstand

Wie steht es um die vielgepriesene Lehrlingsausbildung in Südtirol tatsächlich? Das Arbeitsförderungsinstitut (AFI) hat bei Ausbildungsbetrieben und Experten nachgeforscht, um Beweggründe und Hindernisse in der Lehrlingsausbildung auszumachen. Kosten und Aufwand der Lehrausbildung sind eine mögliche Ursache für den Rückgang der klassischen, dualen Lehre in den letzten Jahren. Für einen Aufschwung brauche Südtirol mehr Vernetzung der Ausbildner, so das AFI.

Die Anzahl der klassischen Lehrlinge geht in Südtirol von Jahr zu Jahr zurück.
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Die Anzahl der klassischen Lehrlinge geht in Südtirol von Jahr zu Jahr zurück. - Foto: © APA/DPA

Südtirols Unternehmen stellen Lehrlinge ein, nicht nur, weil sie passgenau ausgebildete Fachkräfte brauchen, sondern auch, weil es der Tradition entspricht und soziale Reputation damit verbunden ist, stellt das AFI fest. Aus Sicht der Ausbildungsbetriebe sind die Kosten, die rechtlichen Vorgaben und der bürokratische Aufwand für die Lehrlingsausbildung nicht die entscheidenden Hindernisse, wohl aber Auftragsschwankungen und die veränderten Bildungsaspirationen der Jugendlichen.

Dass Lehrlinge als billige Arbeitskraft eingestellt werden, komme nur mehr selten vor, sagen die Betriebe. Tatsache ist jedenfalls, dass die Anzahl der klassischen Lehrlinge von Jahr zu Jahr zurückgeht. Um die duale Lehre aufzufrischen, stehe das Südtiroler Lehrlingswesen vor einer Reihe von Herausforderungen, betont das AFI. „Wesentlich ist die Anschlussfähigkeit des Lehrabschlusses im Bildungssystem und eine messbare Qualität der beruflichen Ausbildung“, sagt AFI-Forscher Werner Pramstrahler, der zusammen mit Johanna Lieser Autor der Lehrlingsstudie ist.

Zusammenspiel zwischen Betrieb und Schule muss gut funktionieren

„Wir können uns durchaus an Maßnahmen orientieren, die etwa im Bundesland Tirol getroffen werden. Ich denke hierbei in erster Linie an die Vernetzung der Ausbildner.“ Die neueste Lehrlingsstudie des AFI wurde am Montag im Rahmen einer Expertenrunde vorgestellt. Bildungsspezialist Peter Schlögl von der Uni Klagenfurt zeigte im Ländervergleich Österreich-Schweiz-Deutschland auf, dass sich Lehrlingsausbildung umso schneller bezahlt macht, je besser Zusammenspiel von Betrieb und Schule ist und je eher Lehrlinge von einfachen auf komplexe Tätigkeiten übergehen können.

Auf Qualität, Persönlichkeit und die Notwendigkeit, die Lehrlingsausbildung der fortschreitenden Digitalisierung anzupassen, pochten die Betriebsausbilder Herbert Gamper von der Mader GmbH und Johannes Engl, Inhaber der Engl Werkzeugbau.

Berufsmatura wichtiges Ziel

Für die „Anschlussfähigkeit“ sei die Durchsetzung der Berufsmatura ein wichtiges Ziel der Südtiroler Bildungspolitik betonte Amtsdirektorin Cäcilia Baumgartner, die in Vertretung von Landesrat Philipp Achammer an der Vorstellung der Studie und dem anschließenden Runden Tisch teilgenommen hatte.   

Die 3 Punkte des AFI | Arbeitsförderungsinstitut für eine moderne duale Berufslehre

Schnell vom Wollen zum Können Lehrlinge schnell ins Können bringen, Digitalisierung vorantreiben
Aufwertung der dualen Lehre Gleichwertigkeit des Lehrabschlusses mit Matura
Vernetzung der Ausbildner Betriebe, Schule und Sozialpartner müssen sich mehr abstimmen und vernetzen

stol

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