Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eines von Pernthalers Hauptanliegen. Wo bei den Unternehmen dahingehend Verbesserungspotenzial besteht und wie Betriebe aus ihrer Sicht attraktiv auf junge Arbeitskräfte wirken, verrät die 33-Jährige im Interview. <BR /><BR /><b>Frau Pernthaler, wie lange sind Sie Unternehmerin und was hat Sie dazu motiviert?</b><BR />Melanie Pernthaler: Ich bin schon seit ungefähr 10 Jahren als Jungunternehmerin im Familienbetrieb Selectra AG in Bozen tätig. Innerhalb des Betriebs bin ich für die Immobilienverwaltung zuständig. Dazu motiviert haben mich Leidenschaft und vor allem auch die Vielfältigkeit der Arbeit. Es ist nie monoton. Jeder Tag bietet neue Herausforderungen, und das finde ich sehr spannend und erfüllend.<BR /><BR /><b>Was sind Themen, die Sie als Präsidentin unbedingt angehen möchten?</b><BR />Pernthaler: Es bin nicht ich allein, die entscheidet, sondern der Direktivrat, wo wir gemeinsam Projekte, Ideen und Umsetzungen besprechen. Was mir als Präsidentin sehr am Herzen liegt, ist die verstärkte Förderung der Frauen und der Kampf gegen Gewalt an Frauen. Das ist auch ein Thema, das den bisherigen Direktivrat mit Präsidentin Manuela Bertagnolli beschäftigt hat. Und ein weiteres großes Thema auf meiner Agenda ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1005266_image" /></div> <BR /><BR /><b>Finden Sie, es ist genug unternommen worden, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren?</b><BR />Pernthaler: Es ist bisher noch nicht einfach und nach wie vor eine große Herausforderung. Zwar ist die Beschäftigungsquote von Frauen in Südtirol höher als der gesamtstaatliche Durchschnitt – nämlich 70 zu 52,8 Prozent. Aber es gibt bei der Beschäftigung von Frauen immer noch Luft nach oben, was man durch eine bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Arbeit verbessern könnte.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63819161_quote" /><BR /><BR /><b>Was wären mögliche Lösungsansätze?</b><BR />Pernthaler: Es werden zum Glück bereits verschiedene Maßnahmen von einzelnen Unternehmen ergriffen. Besonders größere Unternehmen bieten zum Beispiel eine betriebseigene Kita an. Was aber noch wichtig ist, um die Vereinbarkeit zu fördern, ist der Ausbau von Smart Working und flexiblen Arbeitszeiten, um es Eltern zu ermöglichen, ihre Arbeitszeit besser an die Bedürfnisse ihrer Familie anzupassen. Doch das Problem werden nicht alleine die Unternehmer lösen können. Wir brauchen ein Betreuungssystem, das sich an den Bedürfnissen der Familien orientiert – Stichwort Sommerferien, Nachmittagsbetreuung. Da braucht es endlich Konzepte, die den veränderten Gegebenheiten Rechnung tragen. <BR /><BR /><b>Nun leidet auch Südtirol unter einem enormen Fachkräftemangel, zum Teil auch, weil viele Studierende nicht nach Südtirol zurückkehren. Welche Anreize müssten Unternehmen machen, um junge Leute anzuwerben?</b><BR />Pernthaler: Zunächst einmal würde der Fachkräftemangel verbessert werden, wenn wir auch mehr Frauen in die Arbeitswelt bringen würden. Was die jungen Fachkräfte betrifft, gilt es, eine attraktive Arbeitgebermarke Südtirol zu kreieren, um junge Leute aus dem Ausland anzuwerben.<BR /><BR /><b>Das heißt?</b><BR />Pernthaler: Unternehmen müssen attraktiv sein und das sind sie, indem sie das Wohlbefinden der Mitarbeiter als Priorität setzen. Früher war es zwar so, dass der Betrieb die Mitarbeiter ausgesucht hat. Heutzutage sucht der Mitarbeiter den Betrieb aus. Es hat sich total das Blatt gewendet. Man sieht zum Beispiel an großen modernen Unternehmen, was sie alles anbieten, um attraktiv zu sein: Fitnessstudios, interne Mensen, flexible Arbeitszeiten oder gewisse Freizeitaktivitäten. Das alles sind für jemanden vielleicht die ausschlaggebenden Kriterien, um sich für den einen Betrieb zu entscheiden. Und auch hier zählt natürlich das Umfeld. Was kann das Land Südtirol bieten, neben einer tollen Landschaft? Wohnen, Freizeit, Vereinbarkeit, um nur ein paar Themen zu nennen. Da müssen wir ebenfalls ansetzen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63819169_listbox" />