Hat sich die Pandemie wirklich negativ auf die Anzahl der Betriebe in Südtirol ausgewirkt? <BR /><BR />Im Gegenteil, belegt eine aktuelle Studie der Handelskammer Bozen. Die Zahl der aktiven Unternehmen ist weiter angestiegen: Zum Jahresende 2021 zählte Südtirol 56.595 Betriebe und Freiberufler, das sind rund ein Prozent mehr als 2020. <BR /><BR />Beim Amt für Wirtschaftsinformation des Wifo spricht man von einem „moderaten Wachstum“, das in etwa im Bereich des Durchschnitts der vergangenen 10 Jahre liegt. <BR /><BR />Diese positive Nachricht legt laut Angaben der Wifo-Forscher grundsätzlich 2 Schlüsse nahe: „Zum einen beweist der Anstieg, dass die Reserven vieler Betriebe doch größer waren als ursprünglich angenommen. Zum zweiten wird deutlich, dass die Liquiditätsversorgung offenbar aufrechterhalten werden konnte, dabei spielten die Coronahilfen von Staat und Land sicherlich eine entscheidende Rolle, ebenso das proaktive Verhalten der Finanzinstitute. Zugleich scheint der Zugang zu Krediten nicht beeinträchtigt gewesen zu sein.“ Dadurch sei es bis dato in keiner Branche zu einer radikalen Ausdünnung gekommen, sehr wohl hätten sich Entwicklungen, die schon vor Corona zu beobachten gewesen seien, verstärkt.<BR /><BR />Eine sehr positive Dynamik stellt das Wifo bei Bereichen fest, die mit Bauen und Wohnen zu tun haben. Einige Beispiele: „Die Zahl der aktiven Firmen im spezialisierten Baugewerbe ist von 5340 im Jahr 2020 auf rund 5480 bis zum Jahresende 2021 nach oben geklettert. Einen erheblichen Zuwachs gab es auch im Hochbau, wo die Zahl der aktiven Unternehmen von 1244 auf 1315 angestiegen ist – ein Zuwachs von über 5 Prozent. Deutlich mehr Firmen waren zuletzt auch im Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen tätig: 2020 waren es 2290, ein Jahr später bereits 2378.“ <h3> Digitalisierung als großer Innovationstreiber</h3>Ein zweiter großer Innovationstreiber war auch in Südtirol die Digitalisierung, die zu einer wachsenden Zahl von Firmen führte, deren Dienstleistungen entweder aus den Möglichkeiten der Digitalisierung heraus entstanden sind oder aber anderen Betrieben bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsmaßnahme behilflich sind. <BR /><BR />Konkret: Südtirol zählte 2021 insgesamt 485 Firmen im Bereich Informatische Dienstleistungen (2020: 476), 450 im Bereich Programmierungstätigkeiten (2020: 420), 155 im Bereich Videoproduktion (2020: 144). Ebenfalls eine Folge der Digitalisierung, und zwar im Handel, dürfte laut Angaben des Amtes für Wirtschaftsinformation der Zuwachs bei den Kurier- und Zustelldiensten sein. Davon waren 2021 immerhin 10 mit Sitz in Südtirol tätig. <BR /><BR />Zu Firmenaufgaben im Einzelhandel hat die zunehmende Stärke des Onlinehandels in Pandemiezeiten aber nicht geführt: Die Zahl der aktiven Betriebe betrug zuletzt 3483 und hat nach einigen negativen Jahren wieder leicht zugelegt (2020: 3468). Im Großhandel stelle man jedoch einen Rückgang fest von 3357 im Jahr 2020 auf 3311 im vergangenen Jahr. Ebenso rückläufig – und das seit 2010 – sei die Entwicklung bei den landwirtschaftlichen Betrieben, die sich von 15.927 auf 15.785 verringerten. Corona habe laut den Wifo-Forschern freilich nichts damit zu tun, vielmehr handle es sich um eine längerfristige Tendenz, dass immer mehr Betriebe im Bereich Berglandwirtschaft nicht weitergeführt werden. In der Industrie gab es im Vorjahr keine besonderen Auffälligkeiten.<BR /><BR />Wie aber sieht es im Tourismus aus, einem von der Pandemie am schwersten getroffenen Sektoren? „Im Bereich Beherbergung erhöhte sich die Zahl von 4838 auf 4873, bei der Gastronomie schrumpfte der Wert von 2877 auf 2865 und damit nur leicht. Wenn man bedenkt, wie stark die Einschnitte in diesen Bereichen waren, ist das erstaunlich“, so das Amt für Wirtschaftsinformation. Im Bereich Reisebüros und Reiseveranstalter gab es einen moderaten Rückgang von 97 auf 95. <BR /><BR />Abschließend zu erwähnen sei, dass nicht jede Eintragung ins Handelsregister auch eine Firmengründung im wirtschaftlichen Sinne sei. „Ein Hotel, das zum Beispiel seine Immobilie in eine neue Gesellschaft auslagert, hat rechtlich ein Unternehmen gegründet, aber keine neue wirtschaftliche Tätigkeit aufgenommen. Abgesehen von diesen sehr spezifischen Fällen lässt der Blick auf die Entwicklung der aktiven Unternehmen interessante Rückschlüsse auf die Lage in den einzelnen Bereichen zu.“<BR />