Im Weinland Südtirol wird die lange Bier-Historie gerne unterschätzt. Dabei geht die erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 993 zurück, als ein Bauer im Pustertal erstmals Bier gebraut haben soll. Im Jahr 1880 zählte Südtirol 27 Brauereien. Durch technologische Entwicklungen setzte ein regelrechter Boom ein, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs andauerte. Doch dann war plötzlich Schluss: Das goldene Bier-Zeitalter endete, Brauereien sperrten zu, nicht zuletzt weil die dafür notwendige Versorgung mit Rohstoffen unterbrochen wurde.<h3> Das Werk von Pionieren</h3>Lange war es um die Sorten- und Produzenten-Vielfalt im eigenen Land eher schlecht bestellt. Für Abwechslung sorgten bis in die 1990er-Jahre hinauf höchstens Importbiere – vorwiegend aus Deutschland und Österreich. Mit Anfang der Nuller-Jahre änderte sich das langsam, einige Pioniere wie Bobo Widmann („Batzen Häusl“) oder Diego Bernardi („Hopfen und Co.) erweckten die in Vergessenheit geratene Biergasthaus-Tradition wieder zum Leben. Der Tatendrang und Mut dieser Klein- und Kleinstbrauereien mit angeschlossenem Gastlokal mündete 2013 in der Gründung der Südtiroler Wirtshausbrauereien. <BR /><BR />Die Vereinigung ist inzwischen von 8 auf aktuell 16 Mitglieder angewachsen. Auch heißt sie nicht mehr Wirtshausbrauereien, sondern Handwerksbrauereien. „Damit drücken wir aus, dass jeder, der handwerkliches Bier herstellt, zu uns stoßen kann, auch wenn er kein Gasthaus, Restaurant, Pub oder Hotel im Rücken hat“, so Christian Pichler, Präsident der Vereinigung. E<?Schrift Spationierung="-2ru"> in paar Voraussetzunge<?_Schrift> n gibt es dennoch: „Das Bier muss aus ausgewählten Zutaten produziert werden, darf nicht filtriert und nicht pasteurisiert sein. Und die Brauanlage muss mindestens 3 Hektoliter groß sein. Kleine Heimbrauer sprechen wir also nicht an.“<BR /><BR /><h3> Bierkultur hat sich weiterentwickelt</h3>Wobei der Begriff „klein“ im Bierbereich ohnehin relativ ist. Südtirols Handwerksbrauereien sind allesamt eher kleinstrukturiert und kommen zusammen auf eine Jahresproduktion von 20.000 bis 25.000 Hektoliter im Jahr. Sie besetzen damit auch in Südtirol eher eine Nische. „Der Wert dieser Craft-Beer-Bewegung für die Bierkultur im Land ist jedoch unbestritten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-65761542_quote" /><BR /><BR />Auch hat sich dadurch das Bild, das viele Südtiroler vom Bierkonsum haben, zum Positiven verändert. Immer mehr erkennen, dass Bier nicht nur schnell getrunken, sondern auch bewusst genossen werden kann. In einem Land, indem die Kulinarik im Lebensalltag eine so große Rolle spielt, wie in Südtirol, haben die Handwerksbrauereien sicherlich einen Nerv getroffen“, so Lukas Harpf vom Getränkemarkt Harpf in Bruneck. „Für viele stellen sie eine interessante, lokale Alternative zu industriell erzeugtem Bier her, das bekanntlich überall auf der Welt im Übermaß und zu Kampfpreisen erhältlich ist.“ Die Bierakademie, die landesweiten Bierstammtische und Craft-Beer-Events hätten ihren Teil dazu beigetragen, so Harpf.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65761547_quote" /><BR /><BR />Die wachsende Sensibilität fürs Besondere im Biergeschmack bestätigt auch Pichler: „Mit der Vielfalt in der heimischen Bierlandschaft hat auch die Zahl derer zugenommen, die sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Da hat zweifellos eine große Öffnung vonseiten der Konsumenten stattgefunden, die wissen wollen, wo und mit welchen Rohstoffen ein Bier gebraut wird. Ja, und auch, warum unsere Biere mehr kosten als industriell hergestellte.“ Warum ist das so? „Wir unterstützen uns zwar in der Gruppe gegenseitig, auch beim Einkauf der Rohstoffe, aber wir können nur in vergleichsweise geringen Mengen einkaufen. Dadurch sind unsere Biere in der Herstellung um einiges teurer. Das handwerkliche Produkt hat einen etwas höheren Preis, den aber immer mehr Konsumenten auch gerne bereit sind, zu bezahlen.“ <h3> Bier mit Qualitätszeichen</h3>Hauptsächlich werden die Hauptzutaten Hopfen und Gerste aus Deutschland bezogen. Allerdings verpflichtet sich seit einigen Jahren jede Handwerksbrauerei mindestens ein Bier mit Qualitätszeichen Südtirol herstellen. Dieses erhält ein Bier nur, wenn die Grundzutaten zur Herstellung – Braugetreide (Gerste, Weizen), Malz (durch Mälzung gekeimtes und getrocknetes Getreide) und Wasser – aus Südtirol stammen. Jährlich stehen dafür rund 40.000 Kilogramm Gerste zur Verfügung. Wenn man bedenkt, dass mit 200 Kilo Gerste rund 1000 Liter Bier gebraut werden können, ergibt das eine Menge von immerhin 200.000 Liter (2000 Hektoliter), sprich einem Zehntel der Gesamtmenge, die Südtirols Handwerksbrauereien pro Jahr herstellen. „Die Bereitschaft der Bauern wäre durchaus da, mehr Gerste anzubauen. Das wäre auch in unserem Sinne, nur müssen wir einen gemeinsamen Weg finden, der faire Preise für die Bauern und einen angemessenen Bierpreis für den Konsumenten in Einklang bringt. Es ist nämlich so, dass Gerste aus Südtirol aktuell 6-Mal mehr kostet als Gerste aus Deutschland“, so Pichler.<h3> Der geschlossene Kreislauf</h3>Einen gänzlich lokalen Kreislauf (Anbau-Herstellung-Vermarktung) verfolgen Hofbrauereien. Keine Handvoll davon gibt es in Südtirol. Sie unterscheiden sich von den Handwerksbrauereien dadurch, dass es sich um landwirtschaftliche Betriebe handelt, die das erforderliche Getreide selbst anbauen, zu Bier weiterverarbeiten und – wie im Falle des Guggenbräu in Jenesien - auch noch selbst verkaufen; ab Hof und im Online-Shop an Privatkunden und an die lokale Gastronomie und Hotellerie. „Begonnen haben wir 2020 im August“, erzählt Matthias Volgger von Guggenbräu. „Wir bauen alles, was wir brauchen, selbst an und brauen daraus 15 verschiedene Biersorten.“ Die jährliche Menge liegt bei 150 Hektoliter im Jahr. Und aus dem anfänglichen Zu- ist mittlerweile der bäuerliche Haupterwerb am Hof geworden. Mit regelmäßigen Verkostungen, Bierwanderungen und Braukursen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053837_image" /></div> <BR />Interessant: Südtirol hat sich sowohl bei handwerklich als auch landwirtschaftlich erzeugtem Bier hauptsächlich von italienischen Produzenten inspirieren lassen – „Birre artigianali“ und „Birre agricole“ sind dort schon länger am Markt, und durchaus erfolgreich. <h3> Die größten Brauereien in Südtirol und weltweit</h3>Mengenmäßig spielen industrielle Brauereien in Südtirol in einer ganz anderen Liga. Die Brauerei Forst in Algund, als unangefochtener Platzhirsch, kommt auf eine Jahresproduktion von rund 800.000 Hektoliter, die Nummer 2, die Privatbrauerei Antonius in Völs, produziert laut eigenen Angaben 10.000 bis 12.000 Hektoliter im Jahr, Pustertaler Freiheit aus Niederdorf an die 4000. Wobei die Biere der Pustertaler Freiheit nicht in Süd-, sondern in Nordtirol hergestellt werden, genauer in St. Johann.<BR /><BR />Von diesen Akteuren ist die Brauerei Forst die einzige, die nennenswerte Mengen außerhalb Südtirols verkauft, vor allem ins restliche Italien. Im Stiefelstaat kommt der Traditionsbetrieb, zu dem auch die piemontesische Brauerei Menabrea gehört, auf einen Marktanteil zwischen 4 und 5 Prozent. Klare Nummer 1 in Italien ist der Heineken-Konzern, der 32 Prozent des italienischen Biermarktes kontrolliert. Nachvollziehbar wird das, wenn man sich das Markenportfolio des Konzerns näher ansieht: Verkaufsschlager wie Birra Messina, Ichnusa oder Birra Moretti zählen allesamt zur Heineken-Familie. Auf Platz 2 liegt Birra Peroni – die Biermarke ist seit 2016 im Eigentum der japanischen Brauerei-Gruppe Asahi. Auf Platz 3 folgt AB Inbev Italia mit Weltmarken wie Corona, Leffe und Stella Artois, vor Birra Castello und Carlsberg Italia. Knapp dahinter rangiert die Brauerei Forst. Insgesamt lag die hergestellte Menge Bier in Italien 2023 bei 18,4 Millionen Hektoliter. Dies geht aus dem vor wenigen Tagen präsentierten Jahresbericht der Branchenforscher von BarthHaas hervor.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053798_image" /></div> <?Schrift Spationierung="0ru"> Obwohl es in Italien eine große Craft-Beer-Szene mit hunderten Kleinbrauereien gibt, unterscheidet sich das Land in puncto Konzentration nicht wesentlich von anderen. Einige, wenige Großkonzerne vereinen eine beeindruckende Marktmacht auf sich. Wie stark die Konzentration auf dem Biermarkt global ist, zeigen einige Zahlen: Die Top 10 der weltgrößten Brauereigruppen sind für 69 Prozent der Gesamtmenge verantwortlich. Und: AB Inbev, Eigentümerin von über 400 Biermarken, als globale Nummer 1 (Jahresproduktion 505 Millionen Hektoliter) und Heineken (über 300 Biermarken, 242 Millionen Hektoliter) weisen einen Marktanteil von fast 40 Prozent auf. Die meist getrunkene Biermarke der Welt ist übrigens Snow Beer aus China. Platz 2 und 3 unter den beliebtesten Bieren nehmen die US-Biere Bud Light und Budweiser ein.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053801_image" /></div> <div class="img-embed"><embed id="1053804_image" /></div> <h3> Die Vorlieben der Südtiroler</h3>Bleibt noch die Frage nach dem beliebtesten Biertyp der Südtiroler? „Ganz klar das Helle mit einem Alkoholgehalt von bis zu 5 Prozent„, weiß Lukas Harpf. „Je leichter, desto beliebter“, bestätigt auch Christian Pichler von den Handwerksbrauereien. „Zugleich sind alkoholfreie Biere in Südtirol immer mehr im Kommen. Auch Handwerksbrauereien haben solche mittlerweile im Sortiment; dafür setzen sie meist spezielle Hefen ein.“ Italienweit spielen alkoholfreie Biere kaum eine Rolle mit einem Marktanteil von deutlich unter 4 Prozent. In Deutschland sind es bereits über 7 Prozent. Daten zum Bierkonsum pro Kopf der Südtiroler gibt es nicht. Nur soviel: Laut Astat trinken 51 Prozent der Südtiroler Bier, 56 Prozent Wein.<h3> Der Biermarkt schrumpft leicht</h3>Die Brauindustrie hat 2023 unter der allgemein schwierigen Wirtschaftslage gelitten: Weltweit ging die Bierproduktion um 0,9 Prozent auf 1,88 Milliarden Hektoliter zurück. Das geht aus dem BarthHaas-Bericht 2023/2024 hervor, der diesem Medium vorliegt. Damit erfüllten sich die Hoffnungen auf eine anhaltende Erholung der Branche nicht. „Nachdem wir 2022 trotz widriger Bedingungen einen leichten Zuwachs verzeichnen konnten, rechneten wir für 2023 ebenfalls mit einem kleinen Plus“, kommentiert Peter Hintermeier, Geschäftsführer von BarthHaas, die Entwicklung. „Die Kosten für Energie, Rohstoffe, Verpackungen, Logistik und Arbeitskräfte bewegten sich aber weiterhin auf hohem Niveau und belasteten in vielen Ländern die Geschäfte der Brauereien.“<BR /><BR />Schlechter als der Weltmarkt insgesamt entwickelte sich die deutsche Brauwirtschaft: Dort ging der Bierausstoß 2023 im Vergleich mit dem Vorjahr um 3,3 Prozent auf 84,89 Millionen Hektoliter zurück. „Damit liegt Deutschland unverändert auf Platz 5 im internationalen Ranking“, sagt Heinrich Meier, Autor des BarthHaas-Berichts. „Die Plätze 1 bis 4 belegen China, die USA, Brasilien und Mexiko (siehe Grafik). Zusammen stehen die Top 5 Erzeugerländer international für fast 50 Prozent der Bierproduktion.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053807_image" /></div> <BR />Leicht geschrumpft ist auch der europäische Markt: Insgesamt wurden dort 511,1 Millionen Hektoliter Bier hergestellt – 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Minus ist vor allem auf die gesunkene Produktion in Großbritannien (minus 8,9 Prozent) und Polen (minus 5,3 Prozent) zurückzuführen. Besser als die Staaten der Europäischen Union, die im Schnitt 2,5 Prozent am Bierausstoß verloren, beendeten die Länder des restlichen Europas das Jahr; hier blieb die Produktion mit minus 0,1 Prozent nahezu stabil. Ein deutliches Minus mussten 2023 auch die USA hinnehmen; dort sank die Bierproduktion um 5,6 Prozent auf 193,0 Millionen Hektoliter. <BR /><BR />Rückläufig war die Produktion auch in Asien mit minus 1,0 Prozent, wobei sich die verschiedenen Märkte teilweise deutlich gegenläufig entwickelten. Zu den Gewinnern zählten volumenstarke Lieferländer wie Indien oder Kambodscha (je plus 15,0 Prozent), sie konnten aber die Verluste in den noch größeren Märkten China (minus 0,4 Prozent auf 359,08 Mio. Hektolier), Japan (minus 1,2 Prozent auf 45,3 Mio. Hektoliter) oder Vietnam (minus 20,5 Prozent auf 31,0 Mio. Hektoliter) nicht vollständig ausgleichen. Insgesamt stand Asien 2023 für eine Bierproduktion von 574,3 Millionen Hektolitern. 62,5 Prozent davon kamen aus China. Einen Zuwachs von 3,1 Prozent vermeldete Afrika. Überproportional steuerte Südafrika (plus 4,0 Prozent auf 35,1 Mio. Hektoliter) zur afrikanischen Produktion bei. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053810_image" /></div> <BR />Was den Konsum angehe, beobachte man eine gewisse Zurückhaltung – sowohl in den westlichen Industrieländern als auch in den Schwellenländern. „Die Gründe aber sind unterschiedlich. Während eine alternde Bevölkerung und ein höheres Gesundheitsbewusstsein in den Industrieländern für einen stagnierenden bis rückläufigen Konsum sorgen, ist dies bei den Schwellenländern anders. Dort gäbe es noch Potenzial, dieses Wachstum wird aber begrenzt durch die in den letzten Jahren gesunkene Kaufkraft“, so Thomas Raiser, Mitglied der Geschäftsführung bei BarthHaas.<BR /><BR />Apropos Konsum: Sieht man sich den Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland an, fällt auf, wie dieser sukzessive abnimmt – und das seit Jahrzehnten. Im Durchschnitt trank ein Deutscher in den 1990er-Jahren noch mehr als 140 Liter Bier pro Jahr, 2023 waren es unter 90. In Europa weist Tschechien den höchsten Konsum auf. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><?_Schrift>