<BR /><BR /><b>Herr Wallnöfer, Sie sind quasi Experte in Sachen Nachhaltigkeit: Immerhin betreiben Sie die Pur-Südtirol-Läden mit regionaler Ware und die Naturalia-Geschäfte mit Bioprodukten. Wo sehen Sie für die Zukunft mehr Wachstumschancen?</b><BR />Ulrich Wallnöfer: Ich persönlich sehe die ideale Lösung, wenn das regionale Produkt auch bio ist. Damit gebe ich dem Konsumenten eine gewisse Garantie, die ich weder beim regionalen noch beim biologischen Produkt a priori habe. Darin sehe ich großes Potenzial. In der Schweiz ist man da viel weiter: Zu einem Großteil ist das regionale Produkt dort schon biologisch. Bei uns wird noch diskutiert, was besser ist: regional oder bio. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64030421_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sie sagen auch, Südtirol wird um mehr Bio-Produktion gar nicht herumkommen…</b><BR />Wallnöfer: Ja. Aufgrund unserer Produktionsbedingungen – die Produktion ist wegen der kleinteiligen Landwirtschaft ja teurer – wird es nicht anders gehen. Denn der biologische Weg rechtfertigt von vornherein schon einen höheren Preis. Ansonsten muss man über Markenbildung erst für Vertrauen und einen höheren Preis sorgen. Und diesen höheren Preis brauchen wir in unserer Landwirtschaft. In der Apfelwirtschaft ist man ja schon gut unterwegs, jeder vierte Bioapfel in Europa kommt aus Südtirol. Aber in anderen Bereichen, bei Fleisch, Milch usw., hinken wir eine ganze Dekade hinterher. Da haben wir leider viel Zeit verschlafen und sollten achtsam sein. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64030425_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Gibt es die Abnehmer dafür?</b><BR />Wallnöfer: Im Konsum haben wir noch eine sehr kleine Bioquote, da liegen wir weit im einstelligen Bereich, andere Länder wie Dänemark zum Beispiel sind uns da weit voraus (In Italien macht der Marktanteil der Bioware 3,5 Prozent des gesamten Konsums aus, in Deutschland 6,4 Prozent und in Dänemark über 10 Prozent, Anm.d.Red). Da haben wir noch viel Potenzial. Ebenso im gastronomischen Bereich der öffentlichen Hand. In manchen Städten und Regionen Deutschlands finden wir heute schon 80 Prozent Bioprodukte in Krankenhäusern, Altersheimen, Schulen usw. Da sind wir Lichtjahre davon entfernt. In der der Umsetzung der IDM-Vision, die nachhaltigste und lebenswerteste Region Europas zu werden, haben wir also schon noch einige Hausaufgaben zu erledigen. <BR /><BR /><b>Wen sehen Sie stärker in der Pflicht: Produzenten oder Konsumenten?</b><BR />Wallnöfer: Wir sind alle – Landwirtschaft, Handel, Gastronomie - gefordert die Angebote spannend zu machen und wir dürfen die Verantwortung nicht nur dem Konsumenten zuschieben. Denn wir haben alle gemeinsam eine Verantwortung für unsere Erde. Wenn wir zusammenarbeiten, haben wir viele Chancen – auch für mehr Regionalität. Man schaue sich nur zum Beispiel die Weinwirtschaft an, die biodynamische Weine höchster Qualität produziert. Auch beim Apfel haben wir noch viele Möglichkeiten im regionalen Konsum: Müssen Hotels zum Beispiel unbedingt einen frisch gepressten Orangensaft anbieten oder kann es auch Apfelsaft sein? Da sehe ich noch viel Potenzial im Gemeinsamen. Das versteht sicherlich auch der Gast.<BR />