Donnerstag, 18. Juni 2015

Bioprodukte: Wie viel Spritzmittel soll erlaubt sein?

Nicht nur sauber, sondern rein, sollten Bioprodukte sein. Doch auch hier gibt es Grenzwerte, sprich Angaben, wie viel Pflanzenschutzmittel in Bioprodukten erlaubt sind. Im EU-Parlament geht es derzeit um die neue Bioverodnung - und dabei um separate Grenzwerte für Bioprodukte. "Diese müssen machbar sein", heißt es dabei aus Südtirol.

In Brüssel geht es um separate Grenzwerte für Bioprodukte.
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In Brüssel geht es um separate Grenzwerte für Bioprodukte. - Foto: © shutterstock

„Wirkliche Verbesserung oder unrealistische Forderung ohne wissenschaftliche Grundlage?“ Unter diesem Motto lud EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann zu einem Event im Europäischen Parlament in Brüssel, an der Praktiker aus dem Biosektor zu Wort kamen.

Kein Bürokratiemoloch

Dorfmann betont: "Es ist mir ein Anliegen, dass die neue Regelung die biologische Landwirtschaft stärkt und ideale Rahmenbedingungen für den Wachstum des Biosektors auch in Südtirol bietet und nicht zu einem Bürokratiemoloch verkommt, der die Branche eher lähmt als beflügelt".

Bioland Bauer Andreas Gschleier aus Auer berichtete anhand von Fotos von der Kleinräumigkeit der Südtiroler Landwirtschaft. Er betreibt einen kleinen Bioobstbaubetrieb in 2. Generation und betonte: „Die Biolandwirtschaft muss als Prozess geschützt werden. Der Fokus darf nicht allein auf die Kontrolle des Endprodukts gelegt werden.“

Italienische Gesetzgebung strenger, als andere

Auch Gerhard Eberhöfer, Geschäftsführer der Obstgenossenschaft ViP/Bio Vinschgau, erklärte, dass prozessorientierte Kontrollen wichtiger seien als nur Rückstandsproben. Konsumenten, welche sich für Biolebensmittel entscheiden, wollen eine nachhaltige Produktion und schauen auch auf Werte, wie einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Boden oder Tierwohl. 

Marktnachteile durch tiefere Grenzwerte?

Durch die italienische Gesetzgebung, welche seit 2011 Grenzwerte von 10 ppb für alle Wirkstoffe vorschreibt und damit sehr viel tiefere Werte wie in den meisten anderen EU Ländern, habe man auf EU-Ebene Handelshemmnisse und Marktnachteile.

Werte durch Nachbars Gifte nicht einhaltbar

Zudem sei es für Biobauern auf Grund von Abdrift aus Nachbarparzellen oder andere externe Einträgen oftmals schlichtweg unmöglich, diesen Grenzwert einzuhalten. "Deshalb sollten in der EU einheitliche und machbare Grenzwerte vorgesehen werden", so Eberhöfer.

Johannes Doms, Mitglied der Geschäftsleitung HiPP Babynahrung, unterstrich die Wichtigkeit der Transparenz bei den Lieferketten.

Weitere Teilnehmer der anschließenden Diskussion waren Peter Rolker (Rolker Ökofrucht und Vizepräsident des Bioobst-Forums Jork, Deutschland), Martin Häusling, Mitglied des EU Parlaments, und Monique Pariat, stellvertretende Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission.

 

EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann und Bioland Südtirol luden im Europäischen Parlament in Brüssel zu einer Lunch-Debatte (V.l.): Peter Rolker, Norbert Lins, Herbert Dorfmann, Monique Pariat, Andreas Gschleier, Martin Häusling, Johannes Doms und Gerhard Eberhöfer.

stol/ker

stol