2021 und 2022 waren Boomjahre für die Immobilienbranche. Die Coronapandemie hat den Stellenwert des Eigenheims erhöht – als Rückzugsort, Arbeitsplatz und sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Zugleich war das Geld billig. Die Folge: Der Wert vieler Immobilien in Südtirol wuchs zweistellig.<BR /><BR />Seit die EZB 2023 den Leitzins wieder über 3 Prozent angehoben hat, ist die Sonderkonjunktur zumindest vorläufig beendet. Ebenfalls dämpfend wirkte die sinkende Kaufkraft der Südtiroler infolge der hohen Inflation.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69174717_quote" /><BR /><BR />Doch an den Immobilienpreisen änderte das bislang nicht viel: „Der Markt ist weiterhin trotz eines Rückgangs bei den Transaktionen bemerkenswert stabil. Die Preise hielten sich auf einem hohen Niveau, sind bei Neubauten aber nicht mehr so überhitzt“, so Christian Platzer, Präsident der FIAIP für die Region Trentino-Südtirol. FIAIP ist der Italienische Verband der Immobilienmakler. <BR /><BR />„Der Immobilienmarkt in Südtirol zeigt sich weiterhin dynamisch und vielfältig, mit deutlichen Unterschieden je nach Lage und Art der Immobilie“, bestätigt auch Carlo Perseghin, FIAIP-Vorsitzender für Südtirol. Ihre Aussagen untermauern sie mit den Ergebnissen im aktuellen Immobilienbericht des Verbandes, der nun in der dritten Ausgabe vorliegt. Er bietet einen Überblick über die bezahlten Marktpreise in vielen Gemeinden Südtirols – unterschieden nach Standort und Beschaffenheit der Objekte. <h3> Die Immobilienpreise in den Gemeinden</h3>„Lage schafft Nachfrage“: Wer in hochtouristischen Gemeinden oder zentrumsnah wohnen will, zahlt am meisten. Das war auch 2024 nicht anders. An der Spitze platzieren sich die Top-Touristenorte in Gröden und im Gadertal.<BR /><BR />Einige Beispiele: In Corvara lagen die Preise für Neubauten zwischen 7200 und knapp 15.000 Euro pro Quadratmeter. Noch eine Etage höher bewegten sich die Spitzenpreise in Wolkenstein mit 15.900 Euro. Etwas niedriger, aber immer noch fünfstellig, waren die Höchstwerte in St. Ulrich und St. Christina.<h3> Wohnfläche vs. Verkaufsfläche</h3>Wichtig: In Italien basieren Immobilienpreise auf der sogenannten „kommerziellen Fläche“ (auch Verkaufsfläche). Das ist nicht nur die reine Wohnfläche, sondern schließt auch Wände sowie anteilige Flächen von Keller, Garage oder Garten mit ein.<BR /><BR />Als grobe Faustregel gilt: Zur Netto-Wohnfläche rechnet man etwa 25 Prozent dazu. Wer also 100 Quadratmeter Wohnraum sucht, muss beim Preis von etwa 125 Quadratmetern ausgehen. Ein einfaches Rechenbeispiel: Eine Luxuswohnung in Wolkenstein mit 100 Quadratmetern Wohnfläche kann bis zu 2 Millionen Euro kosten (15.900 Euro mal 125).<BR /><BR />Innichen und Sexten, ebenfalls hochtouristisch, kommen mit Spitzenwerten von 7000 bzw. 7500 Euro je Quadratmeter auch auf äußerst stattliche Immobilienpreise. Ebenso wie Girlan (Gemeinde Eppan): Wohnen kostet hier im Neubau bis zu 6500 Euro pro Quadratmeter, ebenso in Algund und Olang – immer laut FIAIP-Bericht. 6300 Euro bilden in Oberbozen (Ritten) das Ende der Fahnenstange. Dorf Tirol und Schenna, Burggräfler Tourismushochburgen, liegen bei 5000 bis 6000 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche im Neubau. <h3> Wo Wohnen erschwinglicher ist</h3>Das Gros der untersuchten Gemeinden bewegt sich irgendwo zwischen 3500 und 4500 Euro pro Quadratmeter in der Spitze, einschließlich der Gemeinden des Etschtales zwischen Meran und Bozen. <BR /><BR />Es gibt jedoch Ausreißer, in denen die Immobilienpreise unterdurchschnittlich sind. Etwa in einigen Gemeinden des Eisack- und Wipptales, des Unterlandes sowie im Vinschgau. In Waidbruck liegen die Immobilienpreise im Neubau zwischen 3000 und 3500 Euro, in Feldthurns zwischen 3100 und 3700 Euro. In Franzensfeste, Ratschings und Brenner bleiben die Maximalpreise ebenfalls teils deutlich unter 3500 Euro. Günstigste der Unterlandler Gemeinden im Bericht ist Salurn in einer Spanne von 3000 bis 3300 Euro je Quadratmeter, knapp vor Aldein. Die niedrigsten Immobilienpreise im gesamten Bericht weist allerdings Graun im Vinschgau auf mit 2500 bis 2700 Euro im Neubau. <h3> Die Preise in Bozen und Meran</h3>Was die Immobilienpreise in den Städten betrifft, zeigen sich – wenig überraschend – deutliche Unterschiede zwischen den Stadtvierteln. Die Angaben beziehen sich dabei jeweils auf drei Kategorien: Neubauten, bestehende Immobilien in einwandfreiem Zustand sowie Objekte in gutem Zustand.<BR /><BR />In Bozen ist das Wohnen in der Zone Bozen Dorf/St. Oswald am teuersten: Hier liegen die Quadratmeterpreise bei bis zu 7800 Euro für Neubauten, 6200 Euro für einwandfreie Bestandsobjekte und 5200 Euro für Immobilien in gutem Zustand. Etwas günstiger, aber nach wie vor hochpreisig, sind etwa Bozner Boden (5000/4500/4000) und Rentsch (5400/4500/4200).<BR /><BR />Auch in Meran zeigt sich ein starkes Preisgefälle: In Obermais – dem teuersten Viertel der Stadt – kosten Neubauten bis zu 7500 Euro pro Quadratmeter, einwandfrei erhaltene Objekte 6000 Euro und gut erhaltene Immobilien 4500 Euro. Am günstigsten ist Sinich, wo Neubauten maximal 4000 Euro kosten.<h3> Der Blick in die Zukunft</h3>Wie geht es 2025 weiter mit den Immobilienpreisen in Südtirol? „Wir erwarten eine ähnliche Tendenz wie 2024 und keine nennenswerten Preissteigerungen: Sowohl die Zahl der Angebote als auch die Nachfrage dürften im Vergleich zu 2021 und 2022 deutlich niedriger liegen. Insgesamt sehen wir eine Beruhigung.“