„Die Schallmauer ist durchbrochen“, so kommentierte Krypto-Experte Jonas Groß das neue Allzeithoch bei Bitcoin gegenüber diesem Medium. Groß ist Vorsitzender der Digital Euro Association, Dozent an der Frankfurt School of Finance and Management und Mitglied des Expertengremiums des European Blockchain Observatory and Forum. <h3> Die Gründe für den Rekordlauf</h3>Bei den Gründen für den starken Anstieg unterscheidet zwischen fundamentalen und kurzfristigen Faktoren. „Fundamental gesehen, haben in diesem Jahr mehrere Ereignisse positiv eingewirkt: Etwa die höchst erfolgreiche Platzierung der Bitcoin-Spot-ETFs in den USA. Bis dato verzeichnet etwa der ETF von Blackrock/iShares ein größeres Volumen als der Gold-ETF, ebenfalls aus dem Hause des weltgrößten Vermögensverwalters.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-67672275_quote" /><BR /><BR />Ein weiterer Grund sei das Halving, das im Frühjahr stattgefunden habe. Bei diesem Prozess wird die Belohnung, die Miner für das Schürfen neuer Bitcoins erhalten, um die Hälfte reduziert. „Das führte einige Monate später stets zu steigenden Bitcoin-Kursen. Auch dieses Mal dürfte dieses Ereignis die positive Entwicklung gestützt haben.“ Kurzfristig für Hype und Momentum habe jedoch zweifellos die Wahl des erklärten Krypto- und Bitcoin-Verfechters Donald Trump gesorgt. In nur einem Monat ist der Kurs daraufhin um mehr als 20.000 US-Dollar nach oben gesprungen. Am Donnerstag notierte er zeitweise bei über 103.000 US-Dollar (knapp 98.000 Euro). <BR /><BR />„Den entscheidenden Impuls fürs Überqueren der Rekordmarke gab schließlich in der Nacht auf Donnerstag die Ernennung von Paul Atkins zum neuen Chef der US-Finanzmarktaufsicht SEC“, ergänzt Armin Weissenegger, Leiter des Bereichs Finanzen & Treasury bei der Südtiroler Sparkasse. Er soll Gary Genssler an der Spitze des Gremiums beerben. „Atkins gilt im Gegensatz zu Genssler als Kryptofreund, was die Branche natürlich freut, dementsprechend reagierte der Bitcoin-Kurs.“<h3> Zig-tausende Südtiroler mit Bitcoin</h3>Wieviele Südtiroler gibt es, die in Bitcoin investiert sind und möglicherweise auf satten Gewinnen sitzen? „Die Zahl lässt sich nur grob schätzen. Studien aus Italien und anderen Ländern Europas lassen vermuten, dass auch in Südtirol wohl mindestens jeder Zehnte Bitcoin hält.“ Natürlich dürfte nicht jeder dieser Anleger einen ganzen Bitcoin, sondern eher Bruchstücke davon besitzen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67672490_quote" /><BR /><BR />Wer einen Teil seines Geldes in dieses Asset steckt, braucht vor allem eines: starke Nerven. Vor dem Kryptosommer, so nennt man eine Phase steigender Kurse, gab es nämlich immer wieder Durststrecken: „Zugutehalten muss man Bitcoin aber, dass es bislang in der noch recht jungen Historie immer gelungen ist, zurückzukommen und übergeordnet höhere Hochs zu markieren“, so Weissenegger. „Der Langfristtrend ist positiv – keine Frage“, bestätigt auch Groß, „Durststecken wird es aber weiterhin geben“, glaubt er. „Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass immer mehr institutionelles Kapital, Pensionsfonds eingeschlossen, in Bitcoin fließt. Sogar Länder wie die USA und Brasilien denken darüber nach, strategische Reserven in Bitcoin aufzubauen. Dennoch verläuft der Kurs in Zyklen, wie bei anderen Anlageklassen auch – nur eben mit stärkeren Ausschlägen“, so Groß. <h3> „Beitrag zur Generationengerechtigkeit“</h3>„Bitcoin ist risikoreich. Mehr als ein bis 2 Prozent sollten Anleger mit entsprechendem Risikoprofil und einem gut diversifizierten Portfolio nicht in die Kryptowährung stecken.“ Man solle sich nicht von der Euphorie treiben lassen und nur jene Beträge investieren, die man im schlimmsten Fall auch bereit ist, komplett zu verlieren. „Sympathisch“ findet Weissenegger, dass Bitcoin mit seiner bisherigen Kursentwicklung zur Generationengerechtigkeit beiträgt: „Es sind vor allem jüngere Anleger, die in Bitcoin investiert sind, auch weil traditionellere Anlageklassen wie Immobilien oder Anleihen in den letzten Jahren entweder außer Reichweite oder uninteressant waren und sie deshalb für alternative Ideen offen waren. Ihr Mut und ihr guter Riecher wurden bislang belohnt“.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1104837_image" /></div> <h3> Bitcoin-Steuer: Entscheidung kommende Woche</h3>Offen ist derzeit noch die Frage, wie in Sachen Krypto-Besteuerung in Italien entschieden wird. Kommt die Maxi-Steuer von 42 Prozent auf Krypto-Gewinne? Der Parlamentarier Marcello Coppo (Fratelli d’Italia) hat angekündigt, dass es dazu kommende Woche Klarheit geben wird. Dies berichten mehrere Branchenportale übereinstimmend. Die im Haushaltsgesetzentwurf vorgesehene Erhöhung hatte bekanntlich für heftige Diskussionen gesorgt. Teile der Regierungsmehrheit, vor allem Vertreter von Lega und Forza Italia, haben inzwischen Änderungsanträge eingebracht. Diese Vorschläge zielen etwa darauf ab, die Steuer auf 26 Prozent zu belassen und die derzeitige Freigrenze von 2000 Euro abzuschaffen. Im Raum steht weiterhin eine Erhöhung auf 28 Prozent sowie die Einführung einer Haltefrist, wie etwa in Deutschland.