Montag, 29. Oktober 2018

Bitcoin-Idee feiert Geburtstag

Spekulationsobjekt oder Hoffnungsträger für ein besseres Finanzsystem? Am Bitcoin scheiden sich auch zehn Jahre nach der Idee für die wohl bekannteste Digitalwährung der Welt die Geister. Nach den schwindelerregenden Kursgewinnen Ende vergangenen Jahres ist es zuletzt eher ruhig um die Kryptowährung geworden.

Der Bitcoin könnte in Zukunft Banken und Notare überflüssig machen.
Der Bitcoin könnte in Zukunft Banken und Notare überflüssig machen. - Foto: © shutterstock

Doch das Potenzial für eine Revolution durch die Blockchain-Technologie hinter dem Bitcoin sorgt weiter für Wirbel – und auch die Kritik ist nicht verstummt.
Als die Kryptowährung in einem am 31. Oktober 2008 unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlichten Papier erstmals skizziert wird, ist die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers gerade einmal ein paar Wochen her. Das Vertrauen in die etablierte Finanzwelt hat schwer gelitten. 

Der Bitcoin könne direkte Online-Zahlungen zwischen zwei Parteien ermöglichen – ohne die Bürde, durch eine Finanzinstitution laufen zu müssen, heißt es in dem Papier. Es ist der Masterplan für eine globale Währung, die von keiner Zentralbank kontrolliert wird und auf die jeder Zugriff haben kann. Die Identität Nakamotos ist bis heute ungeklärt.

Währung der Nerds und Kriminellen

In den ersten Jahren entwickelt sich der Bitcoin abseits der Augen der Öffentlichkeit. Auf Gegenliebe stößt er zunächst vor allem bei Computernerds – und auch bei Kriminellen, die eine Chance wittern, schmutziges Geld zu waschen.

Doch nachdem die Kryptowährung 2013 zum ersten Mal die 1000-Dollar-Marke durchbricht, erwacht das Interesse. Nur wenig später erlebt der Bitcoin seine bisher größte Krise, als Anfang 2014 die Plattform Mt. Gox, auf der damals rund 80 Prozent aller Bitcoins gehandelt werden, gehackt wird. Es dauert bis ins Jahr 2017, bis sich der Kurs erholt. Das sei ein „Wendepunkt“ gewesen, sagt Pierre Noizat, der 2011 die erste Bitcoin-Börse in Frankreich gründete.

Banken und Notare könnten überflüssig werden

Die Kryptowährung sei „mehr als eine technologische und ökonomische Innovation“, sagt Bitcoin-Experte Bob McDowall. „Für manche Leute ist sie fast zu einer Religion geworden.“
Da Transaktionen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden müssen, sondern stattdessen alle Buchungsvorgänge kryptografisch verschlüsselt in einer dezentralen Datenbank – der sogenannten Blockchain – aneinandergekettet werden, ist ein immenser Rechenaufwand nötig.
Die Blockchain-Technologie spielt vor allem für viele Start-ups eine immer größere Rolle. Denn prinzipiell kann die Technik klassische Gewährsleute wie Banken oder Notare überflüssig machen – und damit nicht nur Zahlungsströme, sondern etwa auch die Verwaltung von Lieferketten oder Verträgen einfacher machen.
Pierre Noizat gibt sich deshalb zum zehnten Geburtstag der Bitcoin-Idee optimistisch. „Es dauert 20 Jahre, bis sich so eine Technologie durchsetzt“, sagt er.

stol