Frankfurt, New York, Tokio – die Weltbörsen kennen derzeit nur eine Richtung: aufwärts.Der Absturz nach dem Lehman-Crash im Herbst 2008 scheint in den Handelssälen hingegen Geschichte. Grund für die Euphorie: Die Wirtschaft in vielen Ländern brummt, Unternehmen erfreuen die Märkte mit guten Quartalszahlen. Analysten wie Börsianer rechnen damit, dass die Kursrallye noch eine Weile anhalten wird – Rückschläge werden allerdings nicht ausbleiben.„Der Ausbruch nach oben ist dringend geboten: Aktien sind im Verhältnis zu anderen Anlageklassen unterbewertet“, meint Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Private investieren wieder vermehrt in Aktien„70 Prozent der Weltwirtschaft steht auf sehr stabilen Füßen, das ist das Pfund, das auch für die Aktienmärkte entscheidend sein muss“, sagt Hellmeyer. Weltweit füllen Unternehmen nach der Wirtschaftskrise ihre Lager wieder auf und holen aufgeschobene Investitionen nach, wovon Exportnationen wie Deutschland profitieren. Der Aufschwung versetzt zunehmend auch Privatleute in Kauflaune.Das treibt auch die weltweit in die Höhe. „Die Aktienmärkte haben sich in den vergangenen zwölf Monaten weltweit sehr positiv entwickelt“, bilanzierte der deutsche Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Donnerstag.Überraschend gute Quartalszahlen und die andauernde Dollar-Schwäche trieben auch die US- Börsen am Mittwoch auf ein Fünfmonatshoch.„Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass es jetzt nur noch nach oben geht“, kommentiert Börsianer Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser die aktuelle Entwicklung. „Nach einer rasanten Rallye nach oben wird es auch sehr schnell wieder Kursverluste geben. Anleger sind in der Krise noch wachsamer geworden: Sie sind schneller bereit, Gewinne mitzunehmen.“Den derzeitigen Aufwärtstrend erklärt Helmer, der 40 Jahre Erfahrung an der Frankfurter Börse mitbringt, auch damit, dass viele von der Krise gebeutelte Anleger auf der Suche nach soliden Sachwerten nun in Aktien investierten, die derzeit relativ preiswert sind. „Zusätzlich stabilisiert werden die Märkte durch das viele Geld, das die Zentralbanken nahezu zum Nullzins zur Verfügung stellen“, meint Helmer.Sorge um neue RückschlägeDoch die Finanz- und Wirtschaftskrise hallt nach und die Sorge um neue Rückschläge ist groß: Die US-Wirtschaft schwächelt bereits wieder, viele Euro-Länder ächzen unter gigantischen Schuldenbergen. „Wenn Meldungen kommen wie die, dass die USA vor einer erneuten Rezession stünden, drückt das natürlich auf die Kurse, ganz egal wie gut wir selber dastehen“, sagte Hauck & Aufhäuser-Experte Helmer.Der Mannheimer Ökonom Martin Weber sieht das kurzfristige Geschehen an den Börsen grundsätzlich skeptisch: „Von Nachhaltigkeit kann keine Rede sein. Der heutige Kurs ist genauso zufällig wie der morgige.“dpa