Der Borkenkäfer (Ips typographus) ist nur wenige Millimeter groß – kann für Fichtenwälder aber weitreichende Folgen haben. Wie stark sich seine Populationen entwickeln, hängt unter anderem davon ab, wie viele Generationen die Käfer innerhalb eines Jahres hervorbringen können.<BR /><BR />Genau dieser Frage ist ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Freien Universität Bozen und der Universität Göttingen nachgegangen. Die Forschenden haben untersucht, warum manche Populationen nach einer Generation in die Winterruhe gehen, während andere unter geeigneten Bedingungen mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen können.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360038_image" /></div> <BR /><BR />Im Zentrum der Untersuchung stand die sogenannte Diapause, also die Ruhephase, mit der sich die Käfer an ungünstige Jahreszeiten anpassen. Die Forschenden verglichen dafür das Erbgut von Borkenkäfern aus unterschiedlichen Regionen Europas und kombinierten genomische Analysen mit statistischen Methoden und maschinellem Lernen. Die Studie wurde im August 2026 in der Fachzeitschrift Molecular Ecology veröffentlicht.<h3> Mehr Generationen, deutlich mehr Käfer</h3>Für die Entwicklung von Borkenkäferpopulationen ist dieser Unterschied relevant. Eine Population, die innerhalb einer Saison mehrere Generationen hervorbringen kann, hat grundsätzlich ein höheres Vermehrungspotenzial als eine Population mit nur einer Generation.<BR /><BR />Die Untersuchungen zeigen, dass sich Populationen mit unterschiedlichen Diapause-Typen auch genetisch unterscheiden. In nördlichen Populationen findet sich vor allem der Typ, der eine Generation pro Saison hervorbringt. In Mitteleuropa kommen dagegen verschiedene Typen nebeneinander vor.<BR /><BR />Die Forschenden konnten dabei genetische Merkmale identifizieren, die mit den unterschiedlichen Diapause-Phänotypen zusammenhängen. Die Ergebnisse liefern damit neue Ansatzpunkte, um die genetischen Grundlagen des Vermehrungspotenzials beim Borkenkäfer besser zu verstehen.<h3> Warum das für Südtirol interessant ist</h3>Für die Wälder in Südtirol könnte die Frage künftig besonders interessant werden, wie die unterschiedlichen genetischen Typen räumlich verteilt sind. Denkbar wäre etwa eine Untersuchung entlang verschiedener Höhenlagen.<BR /><BR />Denn mit dem Klimawandel verändern sich auch die Bedingungen, unter denen sich der Buchdrucker entwickelt. Frühere Untersuchungen zeigen bereits, dass steigende Frühjahrstemperaturen den Beginn der Aktivität nach der Winterruhe vorverlegen und die Fortpflanzungsperiode verlängern können.<BR /><BR />Ob sich dadurch die genetische Zusammensetzung der Populationen tatsächlich verändert, ist allerdings noch offen. Genau hier sehen die Forschenden weiteren Untersuchungsbedarf.<BR /><BR />Die nun identifizierten genetischen Marker könnten künftig helfen, Populationen genauer zu charakterisieren und bestehende Modelle zur Einschätzung der Borkenkäferentwicklung zu ergänzen. Eine direkte Bekämpfung des Schädlings ermöglichen sie nicht. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, welche Populationen unter welchen Bedingungen welches Vermehrungspotenzial besitzen.<BR /><BR />Die Studie entstand unter Beteiligung von Forschenden der Freien Universität Bozen, der BOKU Wien, der Universität Göttingen, der Jagiellonen-Universität Krakau und der University of Colorado Denver.