Zudem spricht er über die angepeilten Ergebnisse für das laufende Geschäftsjahr. <b><BR /><BR />Herr Brandstätter, die Sparkasse hat 2022 einen Rekordgewinn von fast 75 Millionen Euro eingefahren. Die wohl größte Herausforderung dürfte die Übernahme der friaulischen Civibank gewesen sein. Wie weit sind Sie mit der Integration der Bank in die Sparkassen-Familie?</b><BR />Gerhard Brandstätter: Die Integration schreitet sehr gut voran. Einige zentrale Bereiche sind bereits zusammengelegt worden, im Sommer wollen wir die IT-Dienste zusammenführen. Bis Ende des Jahres soll der Prozess auch im Operativen im Wesentlichen abgeschlossen sein. <BR /><BR /><b>Bekanntlich ist die Operation bei der Civibank intern durchaus auf Widerstand gestoßen; Teile der ehemaligen Bankenführung sprachen wiederholt von einer feindlichen Übernahme. Hat dies die Integration nicht erschwert?</b><BR />Brandstätter: Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei lediglich um Einzelmeinungen einiger ehemaliger Führungskräfte. Ich kann Ihnen versichern, dass wir von der überwiegenden Mehrheit der Mitarbeiter sehr gut aufgenommen worden sind. Das Klima ist sehr gut, es gibt den gemeinsamen Willen zu wachsen und ein hohes Bewusstsein dafür, dass es sehr wichtig ist für eine Territorialbank, sich abzusichern. <BR /><BR /><b>Wogegen will sich die Sparkasse denn absichern?</b><BR />Brandstätter: Die Übernahme der Civibank war für die Sparkasse ein sehr wichtiger Schritt, um nicht Gefahr zu laufen, irgendwann selbst zum Übernahmekandidaten zu werden. Wir haben eine kritische Größe erreicht und ebendiese ist wichtig, um sich und die eigene Autonomie abzusichern.<BR /><BR /><b>Im Veneto verfügt die Sparkasse nun gemeinsam mit der Civibank über rund 60 Filialen, das schließt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aus, dass die Sparkasse morgen von einer großen nationalen Bank wie Unicredit übernommen wird, die ansonsten eine zu starke Marktposition einnehmen würde…</b><BR />Brandstätter: Richtig. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Ausweitung der Geschäftsaktivitäten auf den gesamten Nordosten Italiens auch ein stabilisierender Faktor für die gesamte Sparkasse ist.<BR /><BR /><b>Welche weiteren Vorteile, abgesehen vom Volumen und der Autonomie, spüren Sie schon als Folge des Civibank-Deals?</b><BR />Brandstätter: Es kommt nirgends zu Überschneidungen, das ist der größte Vorteil. Wir können in vielen Bereichen Synergien nutzen, Verwaltungs- und Direktionsaufgaben wurden zusammengeführt, mehr Volumen auf weniger Führungskräfte verteilt, was Personalkosten einsparen hilft, wir wurden schon jetzt insgesamt deutlich kosteneffizienter. Und nicht nur das: Auch im Dienstleistungsbereich profitiert die Sparkasse; die Civibank hat nämlich eine sehr gut funktionierende Leasingabteilung. Was das Wachstum angeht, planen wir auch in den nächsten Jahren stark in die technologische Entwicklung zu investieren, aber auch das Filialnetz behalten wir im Auge, dort haben wir letzthin in Südtirol viel investiert und werden dies auch in Zukunft machen. Und im Friaul sehen wir zum Beispiel noch Platz für neue Filialeröffnungen. Wir wollen unsere Marktposition im Nordosten mit vereinten Kräften ausbauen – das ist unser erklärtes Ziel.<BR /><BR /><b>Themenwechsel: 2022 wurde die Zinswende eingeläutet, seither gab es eine Reihe weiterer Zinserhöhungen vonseiten der Europäischen Zentralbank. Banken freut das üblicherweise, weil ein Gutteil der Einnahmen aus Zinserträgen herstammt, weniger erfreut sind Kreditnehmer, die für geliehenes Geld mehr zahlen müssen. </b><BR />Brandstätter: Da muss ich kurz einhaken. Die Sparkasse hat in den letzten Jahren durch eine Diversifizierungsstrategie den Anteil der Zinserträge an den Einnahmen deutlich gesenkt. 40 Prozent der Erträge werden mittlerweile nicht aus dem Zinsgeschäft erzielt. <BR /><embed id="dtext86-59044110_quote" /><BR /><BR /><b>Für Kreditnehmer sind höhere Zinsen eine höhere Belastung. Sehen Sie Anzeichen, dass sich Rückzahlungsprobleme bei Firmen und Privaten häufen?</b><BR />Brandstätter: Was wir sehen, ist eine leichte Abschwächung bei den Investitionen, aber Krisenanzeichen im Kreditgeschäft gibt es keine. Unser Monitoring-Team verfolgt die Entwicklungen sehr genau und stellte auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres keine Verschlechterung fest. Die NPL-Ratio, also der Anteil notleidender Kredite am Kreditvolumen, hat sich nicht erhöht, sondern verharrt auf einem sehr niedrigen Niveau, die Sparkasse ist weiterhin die Bank mit den niedrigsten Kreditrisiken in ganz Italien. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich einzelne Firmen und private Haushalte, die sich schwerer tun: Denen versuchen wir durch eine gezielte Beratung und auf den Bedarfsfall ausgerichtete Lösungen weiterzuhelfen. Möglichkeiten gibt es da ja einige: Streckungen, eine Umschuldung usw. Aber wie gesagt: Es sind Einzelfälle, die Schwierigkeiten haben, insgesamt ist die Situation noch ruhig, was vor allem mit der guten Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft zusammenhängt. <BR /><BR /><b>Für heuer sind die Konjunkturprognosen etwas schlechter, in Südtirol geht das WIFO der Handelskammer Bozen von einem Plus von 1,0 Prozent beim BIP aus…</b><BR />Brandstätter: Es wird sicher ein herausforderndes Jahr werden für alle, aber ich bin zuversichtlich, dass die Südtiroler Wirtschaft diese Phase gut bewältigen wird. Große Probleme orten wir aktuell in keiner Branche, einzig im Baugewerbe ist die Unsicherheit letzthin etwas gestiegen, aber die Auftragslage ist noch gut. Zudem wird sich die Situation insgesamt nach und nach bessern, davon bin ich überzeugt. Die Inflation ist zuletzt bereits zurückgegangen und dürfte im Jahresverlauf wohl weiter sinken, 2024 wird es dann sehr wahrscheinlich wieder erste Zinssenkungen geben. Das ist vor allem für die Finanzmärkte ein wichtiges Signal. <BR /><BR /><b>Stichwort Inflation: Der Kaufkraftverlust ist nach über einem Jahr mit sehr hohen Teuerungsraten eine Tatsache. Haben die Südtiroler ihr Sparverhalten an die neue Situation angepasst?</b><BR />Brandstätter: Man sieht schon ganz klar, dass das Interesse an Anlageprodukten sehr stark gestiegen ist. Man merkt, dass sich immer mehr Südtiroler Gedanken darüber machen, wie sie ihr Erspartes gegen den Wertverlust durch die Inflation absichern können. Vor allem das Festgeldkonto mit einem verbundenen Sparplan und einer Verzinsung von 4 Prozent wird stark nachgefragt. Viele haben verstanden, dass es wenig Sinn hat, das Geld einfach auf dem Kontokorrent zu parken, ohne etwas damit zu machen. Das ist sicher zu begrüßen. <BR /><BR /><b> Kommen wir zum Abschluss zurück zur Geschäftsentwicklung der Sparkasse. Die Bank hat 2 Jahre mit hohen Gewinnen hinter sich. Welches Ergebnis peilt die Bank für 2023 an?</b><BR />Brandstätter: Uns ist bewusst, dass 2021 und 2022 Ausnahmejahre waren. Es wird sehr schwer werden, diese Ergebnisse zu wiederholen, aber es wird dennoch ein sehr gutes Jahr werden. Wir werden konstruktiv und vorsichtig agieren und unsere Rolle als verlässlicher und sicherer Partner der Wirtschaft und Haushalte im Einzugsgebiet weiterhin erfüllen. <BR /><BR /><b>Heuer lag die Dividende bei 35 Cent je Aktie – und nächstes Jahr?</b><BR />Brandstätter: Wir gehen davon aus, dass es mehr sein wird.